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Der Israelit · 1903-12-30 · Heft 103-104 (30.12.1903) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 103-104 (30.12.1903)
Date
1903-12-30
Page
– (sequence 11)
Language
German
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thätigkeitsinstitut der hiesigen jüdischen Gemeinde zur Thal gemacht: die zusammenfaffende Vereinigung der Kräfte. Dreizehn Wiener israelitische Frauen-Wohlthätigkeitsvererne haben sich zusammengethan. um unbeschadet ihrer Autonomie und Selbstständigkeit in anderen Unterstützungszweigen, die früher im argen gelegene Wöchnerinnenpflege zu verbessern, einheitlich und planmäßig durchzuführen. Alle jene Postulate, welche die moderne Theorie der Armenpflege aufstellt, hat der Verband sich zu eigen gemacht und in seiner Praxis verwirklicht. Die Zentralisation verhindert die unfruchtbare Zersplitterung der Kräfte, verringert die Negiekosten, hält Doppelunterstützungen hintan und ermöglicht eine wirksamere Unterstützung. Das Prinzip der Präventive sichert die Hilfeleistung in einem früheren Zeitpunkte, so daß der Eintritt größeren Elends verhütet wird. Der unmittelbare Contact zwischen Hilfesuchenden und Hilfeleistenden und die individualisirende Behandlung jedes einzelnen Falles bilden eine Gewähr für die jeweils rationellste Durchführung der Hilfeleistung: Die Vorstandsdamen der verbandsangehörigen Frauenoereine, ein wackeres, zahlreich mobilisirtes Hilfskorps, theilen sich in die Aufgabe, in. allen Bezirken des großen Wiener Gemeindegebieies arme jüdische Frauen, die ihrer Entbindung entgegensehen, persönlich aufzusuchen, um durch eigene Wahrnehmung deren besondere Verhältnisse und Bedürfnisse zu erforschen. Die Wöchnerinnen erhalten nebst einem Geldbeträge Wäsche für sich und das Neugeborene, Wochenbett-Utensilien, Kohle, Milch, weiters den Beistand einer Hebamme, erforderlichen Falles ärztliche Behandlung und auch Pflege durch eine Warteperson. Hierdurch wird erreicht, daß die im Gefolge eines Wochenbettes häufig entstehenden langwierigen Leiden oder gar bleibendes Siechthum verhütet werden, so daß die armen Frauen vor Erwerbsunfähigkeit bewahrt und nicht der öffentlichen Mildthätigkeii dauernd anheimgegeben sind. Der so geartete Versuch des Verbandes, die Wöchnerinnenpflege den Anschauungen der Gegenwart entsprechend zu reformiren, darf als vollkommen geglückt und von den segensreichsten Folgen begleitet bezeichnet werden. Es wurde in der ersten dreizehnmonatlichen Thätigkeitsperiode (Dezember 1900 bis einschließlich Dezember 1901) 700, in der zweiten zwölfmonatlichen Thätigkeitsperiode (Januar bis Dezember 1902) 690 armen jüdischen Wöchnerinnen in erfolgreicher, den normalen Verlauf des Wochenbettes sichernder Weise Beistand geleistet. Daß die Zahl der im laufenden Kalenderjahre unterstützten Wöchnerinnen jener des Vorjahres nicht nachstehen, ja vielmehr dieselbe überschreiten wird, kann schon nach dem derzeitigen Ausweise als bestimmt angenommen werden. Die angeführten Ziffern besagen in der Sprache der Statistik und laut amtlicher Nachweisung, daß 22 pCt. aller jüdischen Wöchnerinnen kn Wien die Hitfsthätigkeit des Verbandes in Anspruch zu nehmen genöthigt sind, wobei jene armen jüdischen Frauen, welche das Gebärhaus oder das Wöchnerinnenheim „Luchina" aufsuchen, außer Anschlag bleiben. Dieser erschreckende Prozentsatz eröffnet uns einen traurigen Einblick in das Anwachsen des jüdischen Pauperismus und bildet zugleich einen beredten Beweis für die Nothwendigkeit der Existenz des Verbandes selbst. Der Verband selbst hat keinen Stammfond. kein eigenes Vermögen, er lebt sozusagen von der Hand in den Mund und bestreitet seine Auslagen aus den Beiträgen der Verbandsvereine, aus einer Subvention der Kultusgemeinde und aus spontan einlaufenden, besonders anläßlich freudiger Familienereignisse votirten Spenden. Aber diese Mittel sind angesichts der notorischen Nothlage der armen jüdischen Bevölkerung, welcher wir in allen Gemeindebezirken begegnen, ganz unzureichend und können selbst die dringendsten Bedürfnisse nicht befriedigen. Soll der Verband in der Lage sein, die glücklich inaugurirte Aktion weiter auszugestalten, soll er seinen Zwecken voll und ganz entsprechen und das Ideal erreichen, nicht eine einzige Bedürftige abweisen zu müssen, so bedarf es der nachhaltigen, materiellen-Förderung weiter Kreise. Rußland. Bobruisk (Rußland). Der in Petersburg erscheinende „Hameliz" berichtet: Freunde des unvergeßlichen Wohlthäters Rabbi Chaim Boas R a b i n o - witz s. A. beriefen den Oberrabbiner von Minsk, um zum Andenken an denselben ein Hesped zu halten. Dasselbe fand am 10. dss. Mts. in dem neuerbauten, aber noch nicht ganz fertiggestellten großen Veth Hamidrasch derAschkenastm statt, woselbst sich Tausende eingesunden, um den großen Verlust zu beweinen, den unsere Stadt erlitten. Während der Trauerrede des verehrten Rabbiners stürzte der Fußboden ein und die Menge fiel in den Keller. Ein großes Wehgeschrei erhob sich; glücklicherweise wurde Niemand ernstlich verletzt, und alle Anwesenden kamen mit dem bloßen Schrecken davon. Amerika. Neiv-Nork, 14. Dez. Der dieser Tage verstorbene- Herr Salomon L o e b stammte aus Süddeutschland. Er kam, 21 Jahre alt, 1849 nach den Vereinigten Staaten und begründete in Cincinati ein Manufakturwaarengeschäft. Während des Bürgerkrieges verdiente er viel an Lieferungen von Uniformen für die Unions- Armee. Im Jahre 1865 siedelte er nach Netv-Iork über und 1867 gründete er im Verein mit den Herren Kuhn und Wolfs ein.Bankgeschäft unter der noch jetzt bestehenden Firma Kuhn, Loeb & Co. Vor drei Jahren, nachdem vorher die beiden anderen Gründer des Hauses gestorben waren (Herr Kuhn in Frankfurt

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