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Der Israelit · 1903-12-30 · Heft 103-104 (30.12.1903) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 103-104 (30.12.1903)
Date
1903-12-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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2310 Das Damenkomitee ist mit zunehmender Sachkenntniß und größter Gewissenhaftigkeit bereit gewesen, jederzeit die nöthkge Arbeit zu übernehmen, und es bildet sich in der ..Weiblichen Fürsorge" ein Stab von Frauen, deren Tüchtigkeit in den verschiedenen Fächern von Frauenthättgkeit der jüdischen Armenpflege Frankfurts mit der Zeit einen ganz speziellen Charakter verleihen wird. . Als wichtiger Faktor der Armenpflege gilt mit Recht die Kindes- und Säuglingspflege. Letztere untersteht in der „Weiblichen Fürsorge" der besonderen sachkundigen und bewährten Aufsicht der Schwester Oberin Minna- Hirsch und des Herrn Dr. Deutsch, und ist in dieser Form ein Zweig der Fürsorge geworden, die nicht mehr entbehrt werden kann. 38 Kinder wurden von der Säuglingskommission überwacht. Letztere besteht aus 9 Damen, welche die Kinder je nach Bedürfnis; in ihren Häuslichkeiten besuchen. Einige der Kinder, deren Mütter durch Arbeit außer dem Hause in Anspruch genommen waren, oder nicht im Stande waren, ihren Kindern die nöthige Pflege angedeihen zu lassen, wurden der Krippe überwiesen. Regelmäßig wurden die Kinder am Ende eines jeden Monats im Israelitischen Gemeinde-Hospital gewogen, auf ihren Gesundheitszustand und Reinlichkeit untersucht. Ferner wurde für jedes Kind täglich ein Liter Milch von der von Rothschild'schcn Stiftung gewährt. Ein Theil der erziehlichen Aufgaben, die der Frauenthätigkeit gestellt sind, ist schon im Dezember in der Gründung eines Mädchenklubs zum Ausdruck gekommen. Es ist an dieser Stelle zu erwähnen, daß der Mädchenklub ein selbstständiger Verein geworden ist, der so kräftig gedeiht, daß er in seinem eigenen Jahresbericht über seine vielseitige, ausgebreiiete Thätigkeit Rechenschaft geben wird. Tainter. 20. Dez. Am gestrigen Sabbat Chanukah und Rosch Chodesch fand in unserer Gemeinde das schöne Fest des 60jährigen Bestehens der Synagoge statt. Im Jahre 1851 brannte der hiesige Tempel nieder, Chanukab 1853 wurde die prachtvolle ueuerbaute Synagoge eingeweiht. Aus Anlaß dieses frohen Ereignisses war gestern der Tempel mit Guirlanden .und Topfgewächsen herrlich geschmückt und gewährte einen schönen Anblick. Gleichzeitig wurde die Synagoge durch die Bemühung unseres Rabbiners zum ersten Male durch zwei schöne Cirkulationsören recht angenehm erwärmt; die Kosten dafür wurden durch opferfreudige Svenden hier und auswärts gedeckt. Der Gottesdienst wurde wesentlich durch den schönen Chorgesang der Knaben gehoben, um dessen Einstudirung Herr Kantor G o t e l sich mit Erfolg bemüht hatte. Es wurde der 84. Psalm in zwei Theilen vor und nach der Predigt gesungen. In der trefflichen Fest- Predigt des Herrn Dr. Wreschner feierte derselbe anknüpfend an den Psalm 42. 5 die Bedeutung der Makkabäer-Siege für den Tempeldienst und im Anschluß daran die bisher bewährten Segnungen unseres Gotteshauses, wobei auch pietätvoll der dahingegangenen Rabbiner, Lehrer und Mitglieder der Gemeinde gedacht wurde unter Hinweis auf die aus der Erinnerungsfeier erwachsenden Pflichten für die gegenwärtige Generation. Gottes reichen ferneren Segen erflehte er fiir Tempelvorstand und Gemeinde an der Hand von Psalm 65,5. Die Predigt hatte auf alle Zuhörer tiefen Eindruck gemacht. Am Abend versammelten sich auf Einladung des Vorstandes die Mitglieder in reichster Zahl im Hotel de Guilam zum gemächlichen Beisammensein. Zuerst erfolgte ein von der Lehrerin, Frl. P e r l i tz. schwungvoll vorgetragener Prolog, alsdann ein Festspiel, welches von Herrn Lehrer Rosenbaum in Beuthen verfaßt war. Als der Vorhang aufging, sah man 12 weißgekleidete und sinnig geschmückte Mädchen und Knaben, welche mit der Melodie des Chanukahliedes ein reizendes, auf die Feier bezügliches Gedicht vortrugen; alsdann trat Frl. Kaleski als „Zeit" auf und gab in poetischer, formvollendeter Weife eine Erklärung der Andacht im Gotteshause. Nunmehr erschienen im Festspiel ein Rabbiner. Kantor, Vorstandsmitglied und Synaaogendiener. jeder von ihnen gab in wohlgelungenen Versen seiner Thätigkeit im Tempel Ausdruck: ihnen schloß sich ein Gemeindemitglied an. Zum Schluß trat wieder die'„Zeit" und der Kinderchor auf. Das wahrhaft erhebende Festspiel hatte außerordentlichen Beifall gefunden. Ein hierauf folgendes Lustspiel, der „Romanhcld", wurde vorzüglich gespielt und hatte auch zur Erhöhung heiterer Feststimmung wirksam beigetragen. Schließlich vergnügten sich die jungen Leute durch Tanz bis zum frühen Morgen. Um das Arrangement des wohlgelungenen Festes batten sich außer Herr und Frau Rabbiner Dr. Wreschner. Frau Selma Gorzelanyk und die Familie des ersten Vorstehers der Gemeinde, Herrn Kollenfcher, große Verdienste erworben. Möge auch ferner in der Gemeinde Frieden walten, wie bisher! Möge dieselbe blühen, wachsen und gedeihen zur Ehre Gottes. Leo Lewv. Oesterreich. Wien. Am 2. Dezember dieses Jahres beging eine Wiener iüdifche Wohlthatigkeits-Jnstitution den dritten Jahrestag ihres Bestandes, eine Institution, die unter all' den zahlreichen jüdischen Wohlthätigkeits- Anstalten dieser Stadt bisher einzig dasteht in Bezug auf ihre Organisation, ihre Zwecke und Ziele, die Art und Weise ihrer Hilssthätigkeit. Diese Institution ist ^er. .Verband zur Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen." Eine alte Wahrheit, die dadurch ausgezeichnet ist, daß sie den Wahlspruch unseres erhabenen ' Monarchen bildet, hat dieser Verband als erstes Wohk- --7 'taw.wwiJB.’g'

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