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Der Israelit · 1903-12-30 · Heft 103-104 (30.12.1903) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 103-104 (30.12.1903)
Date
1903-12-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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-WMWWWW^W^WWTMWWM^MBtzMtzWMWAE. 2297 Vorliebe für die heilige Sprache, die er in Wort und Schrift gut beherrschte. Ein reichgesegnetes Leben, ein Leben voller Muhe und Arbeit, aber auch voller Ehren und Erfolge, hat mit seinem Verscheiden an der Grenze des beinahe vollendeten achtzigsten Jahres seinen Abschluß gefunden. Noch vor wenigen Monaten erfreute er sich einer körperlichen Rüstigkeit und, bis in die letzten Lebenstage hinein, einer seltenen Geistesfrische, die staunenerregend waren. -Von den Kennzeichen eines so hohen Alters war an ihm nichts zu merken. Seine Freunde hatten gehofft, daß er auch die Schwelle des neunten Jahrzehnts seines Lebens in gewohnter Rüstigkeit überschreiten werde. Der Allgütige, der Herr über Leben und Tod. hatte es anders beschlossen. Eine plötzlich auftretende Krankheit hat fernem Leben rasch ein Ende gemacht. Sein gläubiges Gemüth. sein kindlich-frommer Sinn, sein edler humaner Charakter, seine sonstigen guten Eigenschaften, dm ihn hinnieden auszeichneten, ste geleiten ihn in das Reich der Seligen, wo er den Lohn seines Wirkens empfangen wird. —n. Ungarn. Budapest, 25. Dez. Der Schuldirektor der Pestcr orthodoxen israelitischen Cultusgemeinde. Herr Adolf Feuerlöscher, feierte vor einigen Tagen im Kreise seiner Schüler und Verehrer das Jubiläum seiner 40jährigen Lehrthatigkeit und seiner 30jährigen Funktion als Lehrer der Pester orthodoxen Gemeinde. Im Rahmen einer erhebenden Chanukahfeier und eines darauffolgenden onimirten Banats wurden die Verdienste des hervorragenden Pädagogen gefeiert. Festreden hielten Rabbiner E d ft e t n , Fabrikant Le - bovitsch, Großhändler Kramer u. v. A. Die Jugend intonirte unter Führung des Kantors. Herrn David Hartmann, verschiedene Choräle. Sodann wurden dem Jubilar Festgeschenke und Gratulationen überreicht. England. London, 27. Dez. (Die englische Regierung und der Zionismus.) Wie von hebräischen Zeitungen mitgetheilt wird, hat die englische Regierung ihr auf dem letzten Zionisten-Kongreß mitgetheiltes Angebot, den Zionisten einen größeren Theil von Britisch-Ostafrika für eine autonome jüdische Siedelung zur Verfügung zu stellen, zurückgezogen, mit der Begründung, der innerhalb des Zionismus ausgetretene heftige Protest lasse das Projekt ihren Interessen so wenig entsprechend erscheinen, wie denen der Zionisten. Die Majorität der ruff. Zionisten, aber auch eine nicht unbeträchtliche Zahl der Zionisten anderer Länder erhoben bereits auf dem Kongreß energischen prinzipiellen Widerspruch gegen den Plan, den sie als eine Verletzung der Grundidee des Zionismus ansahen. Das hatte zur Folge, daß der bloße Antrag auf Entsendung einer Untersuchungs-Expedition eine Minorität von 17? Delegirten gegen sich vereinigte. Unmittelbar nach dem Kongresse setzte eine Bervegung ein, die auf den Fall des Projektes mit allen Kräften hinarbeitete, theilrveise unter den Auspizien des Ingenieurs Ussischkm- Jekaierinoslaw. Ussischkin war auf dem letzten Kongresse nicht anwesend, da er in Palästina bei einer kleinen Konferenz dortiger Zionisten weilte, wurde aber trotz seiner Abwesenheit als Mitglied des großen Aktions-Komitees wiedergewählt. Als er nach seiner Rückkehr von den Beschlüssen des. Kongresses Kenntniß erhielt, weigerte er sich in einem offenen Briefe an seine Wähler, sich diesen gesetzwidrig zu Stande gekommenen Beschlüssen zu fügen, die er mit aller Energie zu bekämpfen versprach. Eine Konferenz der sämmtlichen russischen Mitglieder des großen Aktions-Komitees, die im November in Charkow tagte, schloß sich im Wesentlichen Ussischkin an und stellte dem Präsidenten des Komitees, Herrn Dr. Herzl, ein Ultimatum, das vor allem den Verzicht auf alle außerpalästinensischen Landpläne für alle Zeit verlangte. Die in diesem Ultimatum geforderte Aufgabe auch des englischen Projekts ist nun von der englischen Regierung selber vollzogen worden. Man geht aber kaum fehl in der Annahme, daß das Zurückziehen des Planes den Führern des Zionismus sehr gelegen kommt; denn wenn auch das Gerücht, sie hatten selbst darauf hingewiesen, unbeweisbar sein dürfte, so ist doch Thatsache. daß durch die Protestbewegung leicht eine Spaltung in den Zionismus hätte kommen können, die am unheilvollsten auf die Pläne und Absichten der Führer eingewirkt haben würde. Uebrigens ist der prinzipielle Streit im Zionismus damit wohl nicht ausgetragen und die Klippe der Parteispaltung nicht umschifft, denn die radikalen Zionisten werden wahrscheinlich darauf dringen, daß das Auftauchen nichtpalästinensischer Territorial- Projrkte definitiv verhindert werde, da sie von der Ansicht ausgehen, die Juden könnten nur in Palästina wieder ein Naticmalvolk werden, während jedes andere Land ste entnationalisiren würde. Rumänien. Bukarest, 25. Dez. Herr MateCantacul i n o, ehemaliger Richter am Jassyer Appellationshofe, der soeben als junimistischer Deputirter in der Debatte über die Thronrede ein glanzendes volitisches Debüt hatte, ist auch Professor des bürgerlichen Rechtes an der Jassyer Universität. Dieser Tage las er vor seinen Hörern über den berüchtigten Artikel 7 der rumänischen Verfassung. Bei dieser Gelegenheit machte er folgende Bemerkungen über die Judenfrage: „Die Verfassung bürgt dem Fremden für seine Person und seine Habe, dies bedeutet, daß sie ihm auch für seine Arbeit bürgt. Die Verfassung erlaubt also den Fremden zu arbeiten unter der Bedingung, daß sie

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