Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 103-104 (30.12.1903)
- Date
- 1903-12-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2294 stehen ebenem Judenthume in einer Mannigfaltigkeit und Buntscheckigkeit, wie sie keine andere Zeit je vor uns gesehen. Und für jede Richtung findet sich bald eine gefällige Presse, die sich mit allen ihr zu (Gebote stehenden Mitteln ihres flachen Geistes und ihres schalen Witzes für die neue — oder angeblich neue — Richtung oder Anschauung in's Zeug legt. Man kommt der Oberflächlichkeit und Fadheit aut weiter als halbem Wege entgegen. Nicht das, worin das wahre Heil und die wirkliche Wohlfahrt und seine ewige, erlauchte Bestimmung liegt, sagen diese „geistigen" Führer unserem Volke, sondern sie wenden sich oft an die gewöhnlichsten Instinkte, sie emancipiren sich unter dem Triumphgeheul unserer — ihrer eigenen — Neider, Feinde, Widersacher zu ihrem Vortheil und unserem nicht wieder gut zu machenden Schaden. Darum sei die Losung innerhalb der jüdischen Presse, unter den Schriftstellern, Journalisten und allen denen, die sich zur geistigen Führerschaft berufen fühlen, allen, die noch ein warmes Herz nicht für den rein äußerlichen Zusammenschluß, sondern für die geistige Hebung ihres Volkes, noch ein Gefühl für seine unvergleichlichen Ueberlieferungen haben — all deren Losung muß heißen: Rückkehr aus den Weg der Väter unter stärkerem Zusammenschluß und größerer Besinnung auf sich selbst. . Der „Israelit" — seine Freunde und noch lauter seine Feinde, erkennen es unumwunden an — ist das einzige, jüdische größere Blatt in Deutschland, das wahrhaft jüdischen Geist athmet, das klar und entschieden zu allen Fragen innerhalb des Judenthums Stellung nimmt. Keine Rücksicht auf irgend welche materielle Interessen hat es von dessen Bestehen ab bis heute veranlassen können, von dem ihm vorgezeichneten Weg auch nur um Haaresbreite abzuweichen. Das hat uns in einer Zeit, in der Niemand gern Farbe bekennt, gar manche grimmige Feindschaft eingebracht, namentlich von denen, die im Schluß von sich auf Andere, nicht begreifen konnten, wie man so ..hyperorthodox", so „geschäftsunklug", so „fanatisch". und wie die lieblichen Ausdrücke sonst noch heißen mögen, sein konnte, und gar oft wurden wir an den Ausspruch des Dichterfürsten erinnert: Die Wenigen, die was davon erkannt. Die thöricht g'nug ihr volles Herz nicht wabrten. Dem Pöbel ihr Gefühl, ihr Schauen offenbarten. Hat man von je gekreuzigt und verbrannt. Es mag ja nicht angenehm sein, so manche bittere Ermahnung, wie sie der „Israelit" bringt, hinunterschlucken zu müssen, aber wir haben die festeste Ueberzeugung, damit unendlich mehr für das Wohl unseres Volkes zu thun, wie eine seile, moderne Presse, die das Zarte Pflänzchen nicht gerade biegt, damit es zum kräftigen Baume werde, sondern jede Biegung liebedienerisch mitmacht, um schließlich selbst mit unterzugehen. Der „Israelit" wird aber, unbeirrt durch das Schelten und Lästern von hübm und drüben, seinen Weg fortsetzen, getreu seiner ehrenvollen Vergangenheit, und er hat. erkennen wir es dankbar an. nicht nur Feinde, sondern eine bedeutend größere Anzahl von Freunden. An diese Freunde ergeht der Weckruf, schaart Euch auch ferner um den „Israelit" und sucht ihm bei jeder Gelegenheit neue Freunde zu erwerben. Gerne sind wir bereit, trotzdem wir mehr Lesestoff - bieten und öfters erscheinen, wie jedes andere jüdische Blatt in Deutschland, denjenigen, deren Verhältnisse es wünschenswerth erscheinen lassen, weitgehende Ermäßigung im Abonnementsvreise zu gewähren. Der „Israelit" ist ja auch nicht ausschließlich der ernste Mahner, er kann auch heiter, unterhaltend, belehrend und erbauend fein, wie seine Leser zur Genüge wissen. Sie wissen auch, daß sein prompter Nachrichtendienst bislang von keinem anderen jüdischen Blatte erreicht wurde. Wenn jeder Leser des „Israelit"' uns nur noch einen neuen Abonnenten wirbt, so werden wir mit verdoppelter Auflage in das neue bürgerliche Jahr schreiten. Wir hoffen unter göttlichem Beistände auch in Zukunft die Kraft und Ausdauer zu bewahren, die heilige Fahne des Judenthums hochzuhalten und die Getreuen immer mehr um dieselbe zu schaaren. 'P'jz* pixas p-rpa -pW ni>V' „Er wird senden Seine Hilfe aus dem Heiligthum und von Zion aus wird Er Dich stützen." ZetLungsrrachrichLen und Correspondeirze«. Deuts chland. Berlin, 28. Dez. Der hiesige „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" veranstaltet schon seit vielen Jahren unentgeltliche Kurse zur Pflege des Studiums der hebräischen Sprache für Anfänger und für Vorgeschrittene. Ein schönes Zeichen für das Prosperiren dieser segensreichen Einrichtung und für das rege Interesse. das daselbst herrscht, bildete die Fußwanderung, die die- Teilnehmer dieser Kurse in Gemeinschaft mit dem Leiter derselben, Herrn Dr. Bleichrode, am 27. d. Mts. durch den Grunewald unternahmen; als Ehrengast schloß sich ihnen auch Herr Dr. Wohlgemut h an. Fröhlich wunderte man durch den winterlich gereisten Wald und genoß mit offenem Herzen die Schönheiten der Natur. In Paulsborn wurde Station gemacht, und nachdem man sich gestärkt hatte und einige Geschenke verlost worden waren, wurde eine