Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 102 (24.12.1903)
- Date
- 1903-12-24
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Wm ffiüi i;äV,V'< ErLW^^ür das L^ ■~u\r i(M% UM ^80 N«> •OMO S £ SviX^-H i 24. De;. 1903 [»t. 55. LWMrMMSS! Wev Nu8e. Zeitgemälde von I. I. KraszewskL in autorisirter Uebertragung. 531 Breite Holzrinnen leiteten hierher aus allen Stockwerken den Spütichtabfluß, welcher nur selten mit Hilfe eines Regengusses in den trockenen Rinnstein gelangte, häufiger vielmehr sich unterwegs nur zu lange aushiclt. Mitten auf dem Hofe stand zwar eine Pumpe; welch' ein Wasser sie aber gab, war leicht zu errathen. Nur zu oft hatte man sie im Verdachte eines geheimen Einverständnisses mit dem Rinnsteine. Auf diesem ziemlich dunklen Hofraume verrichtete man die Wirthschaftsarbeiten, die einen etwas größeren Raum erforderten und viel Kehricht zurückließen. Hier rupfte man das Geflügel, wusch man die Wäsche, trocknete man feuchte Betten, reinigte man die Kinder und das Küchengeräth. Und je höher man den Kopf nach den oberen Stockwerken erhob, desto elendere Lumpen zerfaserten sich auf den Treppen- und Vodengeländern. sowie auf.den nach verschiedenen Richtungen gezogenen Leinen. Dünste der Küche und der Wäsche, Rauch und Brodem, all' dies hier in dem engen Hofe, gab diesem eine ganz eigenthümliche Atmosphäre, siu generis. an die sich Brust und Nase der Bewohner erst gewöhnen mußten. Sie gehörte nicht zu den angenehmsten. Die Miether dieses Hauses waren alle alte, gute Bekannte und bildeten gleichsam eine große Familie. Etwas .aristokratischer nahm sich das erste Stockwerk aus. Dieses bewohnten die Kaufleute, die unten ihre Läden hatten. Aber vom zweiten Stockwerke an herrschten überall-Gleichheit und ziemlich gute Harmonie. Hier J war Alles geboren und aufgewachsen, hier hatte man i sich vcrheirathet und hier hoffte man einst zu sterben. I Schwirl, der arme Teufel, wohnte im dritten Stockwerke, nach hinten heraus, in drei dunklen Stübchen, welche seine Frau mit den drei Töchtern so gut es ging, zu erhalten bemüht waren. Bei der ungleichartigen Wirtschaft aber hielt dies schwer genug. Die erste Stube sollte sogar ein Empfangszimmer vorstellen. Hier stand ein altes Kanapee, welches einmal mit schwarzem Tuch überzogen war, und ferner drei Sessel verschiedener Herkunft, ein Glasschrank, dessen innere Geheimnisse ein alter, vor Jahren einmal grün gewesener Vorhang verhüllte, mehrere Schabbesleuchter von Messing, und in der Ecke ein Büchergestell. Mitunter verwahrte auch hier Schmul seine Beute. Hauptniederlage für diese aber war der von den Töchtern bewohnte Alkoven. Dort stopften, reckten, säuberten und renovirtcn sie die Mädchen, und hier begab sich auch die wunderbare Historie, die Schmul als ein Werk der Vorsehung zu erzählen liebte. Dies geschah vor etwa zehn Jahren. Die Lage des Handelsmannes war eine außerordentlich schwierige geworden durch einen an ihm verübten Betrug bei einer Zahlung und durch den unglücklichen Ankauf eines Kleidungsstückes, welches sich als gestohlen erwies, und ihm nicht nur abgenommen wurde, sondern die Unkosten und das Elend auf lange Zeit vermehrte. Der letzte Termin der Miethszahlung war abge- , laufen; das Fest der langen Nacht nahte heran, und