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Der Israelit · 1903-12-24 · Heft 102 (24.12.1903) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 102 (24.12.1903)
Date
1903-12-24
Page
– (sequence 18)
Language
German
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2278 und Romanenko. Bei diesen Plaidoyers waren der Direktor der hiesigen Filiale der Reichsbank T u t rj u m o w, der gleich nach den Exzessen über den Zusammenbruch mehrerer jüdischer Firmen große Genugthüung bekundet hatte, ferner der Präsident des Ortsgerichtes Klopow und die Chefs der Civil- und Militärbehörden Kischinews anwesend. Schmakow hat selbst den „Judenspiegel" von Justus Brimanus in's Russische übertragen und den Inhalt dieses Batemekums der Antisemiten erschöpfte er beinahe vollständig in seinem Plaidoyer. S ch m a - k o w erklärte des Weiteren, er persönlich glaube fest daran, daß die Juden zu Ritualzwecken Christenblut benöthigen; die Frage sei jedenfalls noch „nicht endgiltig entschieden", er besitze zahlreiche Schriften über diesen Gegenstand, die Beweise hierfür liefern.. Es muß hierbei bemerkt werden, daß der Präsident zwar vor Beginn der Plaidoyers in einer Ansprache ersuchte, man möchte die Judenfrage im allgemeinen nicht berühren. da sie glücklicherweise mit der Justiz in Rußland nichts gemein habe. Thatsächlich ließ er aber Schmakow ungehindert in der gehässigsten und giftigsten Weise sich gegen die Gesammtheit der Juden ergehen. Rur an einer Stelle unterbrach der Präsident den Redner, und zwar als dieser darauf zu sprechen kam. die in Rußland bestehenden zahlreichen einschränkenden Ausnahmegesetze gegen die Juden zu rechtfertigen. Dazu bemerkte der Präsident: Die russischen Gesetze bedürfen Ihrer Approbation nicht. Schmakow erklärte weiter, er glaube auf Grund der Zeugenaussagen, daß thatsächlich eine große Versammlung von Juden in Kischinew vor den Osterfeiertagen stattgefunden habe, die zu dem Zwecke einberufen worden sei. ein Massacre mrier der christlichen Bevölkerung zu veranstalten. Es sei ein' wahres Wunder, daß dieser Anschlag nicht gelungen sei. Und dieses Volk, klagte Schmakow pathetisch, wagt es, über Bedrückung und Plünderungen zu klagen und Leute vor die Schranken des Gerichts zu führen, deren einzige Schuld darin besteht, daß sie gegen ihre Peiniger sich empört haben! In ähnlichen Gleisen bewegten sich die Reden Romanenkos und Pogorschews. * * * Um 5 Ubr Nachmittags erklärte der Präsident die Plaidoyers als geschlossen; seitens des Gerichtshofes wurden 42 Fragen sormulirt, die sich auf 37 Angeklagte beziehen. Die erste Frage beginnt: „Sind die Angeklagten schuldig, mit Vorbedacht, planmäßig und im Vereine mit anderen, noch nicht bekannten Thätern jüdische Häuser überfallen und geplündert zu haben?" Der Präsident erklärt nach Verlesung der Fragen, die Entscheidung werde lange Zeit in Anspruch nehmen, da über jeden einzelnen der zahlreichen Angeklagten im Besonderen aeurtheilt werden müsse. Kischinew. 2L Dezember. Heute Abend um 8 Uhr hat der Odessaer Gerichtshof in Anwesenheit des beßarabischen Gouverneurs Fürsten U r u s s o w folgendes Urtheil gefällt: Bon den 37 Angeklagten wurden 25 für schuldig befunden, nach vorhergegangener Verabredung unter einander und mit anderen Personen, deren Schuld nicht konstatiert werden kann, jüdisches Besitzthum räuberisch überfallen zu haben. Von diesen 25 Angeklagten wurden zwei, gegen welche die Anklage auch auf Mord gelautet hatte, und zwar. Girtschin, der Mörder des jungen Varanowitfch, zu sieben Jahren, und Maratjuk, der Mörder Gakaniers, zu fünf Jahren Zwangsarbeit oerurtheilt. Gegen zweiundzwanzig weitere Angeklagte wurde auf Einreihung in die Arrestanten-Compagnie für ein bis zwei Jahre, gegen einen auf sechs Monate Gefängnißhast erkannt. Die anhängig gemachten 48 Zivilklagen sind sammtlich unberücksichtigt gelassen worden. Die Gerichtskosten haben die Veruriheilten zu tragen. Zeitttngsttachrkchten und Correspoudenjen. Deutschland. Frankfurt a. M. Nachdem Herr Dr. Loevy wiederum in der Kalenderfrage das Wort gegen mich ergriffen hat, sehe ich mich auch meinerseits zu einer Entgegnung veranlaßt. In seinem ersten Eingesandt hat Herr Dr. Loevy die Verantwortung für die Daten der Barmizwohtabelle auf seinen Verleger abgewälzt, nunmehr wird der Setzer für die Zusammen st e l l u n g der Daten verantwortlich gemacht; somit hätte Herr Dr. Loevy seinen Namen auf's Titelblatt einer Arbeit gesetzt, die er nur theilweise gemach! hat. Zudem scheint es mir höchst sonderbar, daß der Setzer eigenmächtig die Tabelle gegen den Entwurf des Autors geändert haben sollte; warum that er dies nicht schon im vorhergehenden Jahre, ehe die meinige erschienen war? Uebrigens erfordert die Anordnung soviel Aufmerksamkeit und Zeit und ist durchaus keine rein technische Arbeit, daß sie von einem Setzer besorgt werden könnte. Wenn Herr Dr. Loevy meinen Hinweis auf den w zur Rechtfertigung meiner Ansicht, mit dem Bemerken abfertigt, es käme vielfach vor, daß ein vom p abweicht, so besagt dies für unseren Fall gar nichts. Warum verräth er oder sein Verleger, auf den doch die ganze Schuld fällt, nicht, an welchem Platze dieser nur herrschen soll. Soweit ich mich befragt habe, ist niemandem von einem solchen etwas bekannt, und so lange Herr Dr. Loevy für seine Behauptung nicht den Beweis erbringt, an Stelle

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