Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 102 (24.12.1903)
- Date
- 1903-12-24
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2449890-2449984--59741-2524003- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
der bisherigen allgemeinen Redensarten, hatte ich diesen angeblichen rua für eine in der Verlegenheit nothwendige gewordene Erfindung. Außerdem spricht, was Herr Dr. Loevy für die Begründung eines solchen anführt. gerade dagegen. Denn wieso das px iTaan *75 p dazu berechtigen soll, eine Bar Mizwoh, die im Adar stattzufinden hat, in den Nissan zu verlegen, wie dies bei Herrn Dr. Loevy geschieht, das wird er mit dem größten Scharfsinn nicht verständlich machen können. Es gewinnt fast den Anschein, als ob Herr Dr. Loevy vergessen hat, um welche Streitfrage es sich handelt, denn alle zitirten Stellen sprechen für mich und erweisen, daß für die Vorgänge der beiden tw im rr-z'52 das Jahr im rirrs r;r mit Adar abgelaufen ist; eine Verschiedenhcit des :~:z könnte eventuell behauptet werden, wenn die Varmizwoh in den *rs eines rrcxm r.:v fällt. Es ist darum dringende Pflicht, darauf hinzuweisen,, daß der von Herrn Dr. Loevy behauptete :n:2 nicht existirt, weil sonst der schlimmste entstehen kann, lieber den Angriff auf nreine Chronik habe ich nicht viel zu verlieren. Herr Dr. Loevy gibt zu, daß an einer Stelle eine Lücke in den geschichtlichen Daten vorhanden ist, die bei ihm wie bei mir zum Ausdruck kommt. Herr Dr. Loevy hat aus die Historiker Rücksicht genommen, entgegen den präzisen Daten in -pn wie ich voriges Mal nachwies, wahrend bei mir diese letzteren als unantastbar überall Berücksichtigung fanden. I. Sulzbach. (Wir bitten die beiden Herren Gegner dringend, diese unerquickliche Sache jetzt zu beenden, sich die Hände zu reichen und sich im nächsten Jahre vor Herausgabe ihrer Kalender gegenseitig zu verständigen. Red.» Oesterreich. Wie«, 20. Dez. Die Generalversammlung des „Hilssvercins für die nothleidende jüdische Bevölkerung in Galizien" fand unter dem Vorsitze des Herrn Vicepräsidenten Sigmund Mayer am 8. Dezember d. I. im großen Saale des Humanitätsvereins „Wien Bnai Brith", bei zahlreicher Betheiligung der Delegirten der Ortsgrnvpen stcktt. Als Vertreter der israelitischen Kultusgemeinde Wien erschien Herr Baurath Th. R. von Golds ch m i d t, als Mitglied der Vereinsleitung und Vertreter der Kultusgemeinde und Ortsgruppe Lemberg der Reichsrathsabgeordnete Dr. Emil Byk. Von den befreundeten Körperschaften waren vertreten: der Verband der israelitischen Humanitätsvereine Bnai Brith durch den Präsidenten, Herrn Dr. M. Hammerschlag, die „Alliance isr." durch die Herren Wilhelm P ä p p e n h e i m und Dr. Ä a m i n k a, die „I. C. A." durch Herrn D. R o t t e r, das Kuratorium der Baron Hirsch-Stiftung, dessen Präsident, durch Unwohlsein verhindert war, durch Herrn Dr. Asche r. Der Vorsitzende eröffnet die Sitzung um halb 5 Uhr. Nach Begrüßung der Gäste und Mittheilung verschiedener Jnternas führte er Folgendes aus: Das von unserem Vereine unternommene Werk, die Jndustrialisirung eines Landes oder eines Theiles der Bevölkerung, ist bisher nur von Negierungen versucht woren. Einer Negierung stehen zu solchem Zwecke große finanzielle Mittel zur Verfügung. Sie verfügt aber auch, um -eine Industrie zu erzwingen, über das große Machtmittel des Zollschutzes. Unsere Vereinigung besitzt keine solche Machtmittel, verfügt nur über geringe finanzielle Ressourcen. Die Arbeit, die sie durchführen soll, gleicht der langsamen Aufforstung eines Karstgebietes. Wir verkennen nicht die Schwierigkeiten und Hindernisse, die sich uns gegenüberstellen. Vor Allem die Größe der Aufgabe. Doch zeigt sie sich, ziffermäßig erfaßt, nicht als unlösbar. Rechnen' wir von den 800,000 jüdischen Seelen in Galizien vorerst die weibliche Hälfte, die nur mit einem verhältnißmäßigen Prozentsätze mitzuzählen ist. ab. und ebenso von dem verbleibenden männlichen Theile der Kinder unter vierzehn Jahren, die Greise — berücksichtigen wir ferner, daß doch ein ziemlich ansehnlicher Theil der indischen männlichen Bevölkerung im Stande ist, seinen Erwerb im legitimen Handel zu finden, so reduzirt sich das Problem darauf, ungefähr 100- bis 160,000 Menschen, die heute erwerblos sind, durch Erwerb Arbeit zu verschaffen. Das ist möglich, denn wir haben in den letzten zwei Jahren schon einige Tausende Menschen dem Erwerbe zugcfübrt. Auch das zweite Hinderniß. die sehr peinliche Indolenz und Theilnahmslosigkeit gerade der jüdischen Geschäftskreise, jüdische Unternehmer u. s. w., an die wir uns gewendet haben, hoffen wir zu überwinden. Wenn einmal durch die Einführung von Hausindustrie ein bestimmtes Arbeitsm.itcrial geschaffen sein wird, so werden sich schließlich Unternehmer bereit finden, in ihrem eigenen Geschäftsinteresse diese Arbeitskraft, wie sie so billig in ganz Oesterreich nicht mehr existirt, zu benützen. Meine Herren! Zum Gelingen unseres Werkes nebört dreierlei: Mutb, Geschicklichkeit und eine unerschütterliche, „leidenschaftslose Beharrlichkeit". Muth hat unser Verein bewiesen, indem er es ' überhaupt gewagt hat. dieses große Werk in Angriff zu nehmen. Eine gewisse Geschicklichkeit glauben wir in dem bewiesen zu haben durch das, was wir bis setzt geleistet haben, und die unerschütterliche Geduld werden diejenigen jüngeren Kräfte zu erweisen haben, die nach uns fortsetzen werden, was wir Alten, Ausgedienten begonnen haben. (Lebhafter Beifall.)