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Der Israelit · 1903-12-24 · Heft 102 (24.12.1903) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 102 (24.12.1903)
Date
1903-12-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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2270 Menschen vergiftet; dieses Laster, es heißt U n Wahrhaftigkeit! Und Sie besitzen es, Herr B. L.!! Ja wohl. Sie besitzen es! Es ist nicht wahr, wenn Sie sagen, daß hier in unseren Kreisen „kein Mann zu finden war. der die erlösende Wahrheit hätte bringen können." Es ist nicht wahr, daß wir erst aus der Fremde eine Feuerspritze holen mußten, den lodernden Brand zü. löschen, daß wir der fremden Feuerspritze nach gethaner Arbeit mit schnödem Undank lohnen. Wäre sie doch lieber zu Hause geblieben. Wohl haben wir uns hier in Frankfurt eine Feuerspritze geholt, aber es ist schon lange, ist schon fast 16 Jahre her, daß wir's thaten und wir haben nimmer nöthig, nach andern uns umzusehen. O, unsere Feuerspritze wirkt gar gut, und nur weil sie auch diesmal gewirkt, deshalb erschien uns die Ihre so furchtbar überflüssig. Welche Stirne übrigens, angesichts einer ganzen Gemeinde, die Ohren hat, zu hören und auch Gehirn, zu denken, derart der Wahrheit in's Gesicht zu schlagen. Wahrlich, Herr, ich kann Ihnen nur rathen, von Ihrer Feuerspritze, die Ihnen so sehr an's Herz gewachsen zu sein scheint, einen kräftigen, kalten Strahl gegen's eigne Hirnlein sich richten zu lassen. Vielleicht wird da Ihre Feuerspritze mehr Nutzen bringen und größeren Dank einernten. -- Doch genug hiervon, wo eigentlich jedes Wort zuviel. Gehen wir zu dem andern Punkt über, der ausschließlich mich berührt, zu meiner grenzenlosen Ignoranz. Ich muß gestehen, daß ich da in einer recht schiefen Lage mich befinde. Meine Ignoranz als solche darf ich nicht bestrejten, ohne Herold eigener Weisheit zu werden. In anerkennenswerther Bescheidenheit begnüge ich mich, den von Ihnen erbrachten Beweis zu beleuchten, es dem Belieben jedes Einzelnen sonst überlassend, mit meiner Ignoranz es zu halten, wie er will. Also ich soll nicht wissen, daß auf deutsch heißt „es war" und nrn „es wird sein"? Und diese meine Unwissenheit wird als Beweis gebracht für den „geistigen Tiefstand, der sich da breit macht, wo einst S. R. Hirsch s. A. gewirkt." O Jude, welchen Bock hast Du geschossen! Welch' hämischer Satan hat Dir die Feder geführt, da Du diese Zeilen schriebst, da Du.. die Tropfen der Gelehrsamkeit auf Deiner ältlichen Stirne, Dir Deine Beweise mühsam aus vw und nnpv zusammenklaubtest! Ach Du, mein Lieber (verzeih', wenn ich Dich duze, aber ich fühle mich unwillkürlich als Schulmeister in die Schulstube versetzt), ist das wohl auch eine „erlösende Wahrheit," die Du uns erst hierher nach Frankfurt hast bringen müssen? Ach ja, „erlösend" ist sie allerdings, insofern, als wegen ihrer — Einfalt bald der rms kommen könnte. Hast Du vielleicht schon einmal in Deinem langen Leben.— denn jung bist Du nicht, diesen Fehler hast Du beileibe nicht — also. ' hast Du vielleicht schon einmal etwas von einem sog. futurum, eiactum gehört? Du schüttelst traurig das Haupt. So will ich Dir's denn erklären, wisse, Wehrtester, es gibt Begebenheiten, die man, obzwar sie in der Zukunft liegen, als „vollendet" erschauen kann, und es gibt wieder umgekehrt Vorgänge, die, obzwar der Vergangenheit angehärerü», dennoch in ihrem langsamen Werden geschildert werden. w schildert nun eine Begebenheit in der Vergangenheit, aber als „Werdend", und dieses Werden, sagen unsere Weisen, ist stets schmerzvoll; nr.i schildert aber ein Ereingniß der Zukunft als vollendet, und diese Vollendung ist wahrhaft froh und erfteuend. Verstehst Du? Nicht wahr. Du verstehst nicht? Ich habe es mir gleich gedacht. So höre noch eins: Du hast Dir ganz lobenswerthe Kenntnisse im französischen Lustspiel und in Paul Lindau's Werken verschafft, auch bist Du gar stark im Bilde. Aber ach! Was ftommt Dir das alles? Wehe, daß Deine Liebe zu S. R. Hirsch s. A. so überaus platonischer Natur ist. Denn wissen sollst Du, daß nicht nur ich armer „Jüngling" jene Aggadah „mißverstanden", nicht nur ich allein in meiner „Ignoranz" bei jedem Schüler in die Lehre gehen könnte: O, ich befinde mich in guter Gesellschaft, denn ach, jene obengenannte Erklärung der Aggadah stammt ja gar nicht' von mir, stammt ja, wie es im achten Band des „Jeschurun", Seite 119, vierte Zeile von unten ff. zu lesen ist, von Rabbiner Hirsch s. A. selbst, den Du mithin — Gott verzeih' mir die Sünde, aber ich kann nicht anders — gegen den eigenen — Blödsinn, gegen die eigene — Ignoranz in Schutz nehmen wolltest!! Gelt, das ist schlimm. Aber schon höre ich im Geiste Deine grundehrliche Vierstimme wettern: „Also noch dazu ein Plagiat!" Ach, wie schade, daß Du ein Fremder bist in unserem Kreise, denn sonst würdest Du wissen, daß wir Herren vom '22C xbn in unseren Referaten die, wie man sieht, zuweilen verhängnißvolle Gepflogenheit besitzen, unfern Herrn und Meister nicht bei Namen zu nennen. Sind es ja in erster Linie seine Lehren, denen Du. wie mir scheint, nicht recht grün bist, deren Besprechung aber unseres Vereins Aufgabe ist. — Doch es ist Zeit, zu schließen. Ich denke, sapienti sat. Enden aber will ich mit der ahnungsvollen Frage, ob nicht vielleicht nach allem bisherigen B. L. eine Abkürzung für — Blödsian ist?- Jsaac Breuer. Zetturrgsnachrkchterr und Corresponderrzeir. Deutschland. Berlin, 22. Dez. Am 20. dss. Mts. hielt der „Verein zur Förderung der Interessen der israelitischen Taubstummen in Deutschland" in seinem Hauptsitze Berlin, wie alljährlich, so auch heuer, in seinen Vereins-

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