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Der Israelit · 1903-12-24 · Heft 102 (24.12.1903) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 102 (24.12.1903)
Date
1903-12-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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kaufen, und wirst dafür in der Nacht eine Stunde langer arbeiten." „Ach, wer wird solchen Unsinn reden." „Ich rede keinen Unsinn, wir sollten lieber das Geschäft ganz schließen, es bringt so nichts." ’ Sie erwiderte nichts und eilte hinunter. Mit einigen höflichen Worten entschuldigte sie sich bei dem ihrer harrenden Käufer. Dieser unterbrach sie: „Wie geht es dem Herrn Müller? Es hat mir außerordentlich leid gethan, als ich von seinem Unglück gehört habe, namentlich da ich weiß, wie unverdient man ihn dabei verdächtigt hat. Tags vorher sind Sie mir doch so weit nachgelaufen, weil ich Ihnen aus Jrrthum fünf Gulden zu viel gegeben hatte, und dann sollte das Herr Müller absichtlich Jemanden um fünf Gulden betrogen haben — das ist doch der reine Unsinn." Sie murmelte einige unverständliche Worte, während sie ihm die von ihm verlangte Waare vorlegte. Ohne zu feilschen zahlte er den von ihr verlangten Preis. „Ich bin extra wieder zu Ihnen gekommen, weil ich weiß, bei Ihnen wird man nicht betrogen. Das heißt, ich wollte eigentlich schon Samstag Dieses kaufen, aber Ihr Geschäft war geschlossen. Warum eigentlich?" „Weil wir Juden sind," erwiderte sie, „und weil wir am Samstag, das ist unser Sabbat, keine'Geschäfte machen dürfen." „Demnach wäre Ihr Geschäft immer am Samstag geschlossen?" „Immer." „Aber ich bitte Sie, wie ist das möglich? Können Sie denn dabei bestehen? Jetzt ist doch der Wochenmarkt am Samstag, während der ganzen Woche ist es ziemlich still in solchen Geschäften, wie Ihres —" „In unserem Geschäft ist es auch still," entgegnete sie schwer aufathmend, „ich nähe deßhalb für ein Geschäft, sonst wüßte ich nicht, wovon wir leben konnten." Er blickte theilnahmsvoll zu ihr hinüber. „Da müssen Sie sich sehr anstrengen — vielleicht allzusehr. — Man sieht es Ihnen bereits an. Sie sollten sich schonen für Ihre Familie." „Vorläufig muß ich arbeiten für meine Familie," entgegnete sie mit trübem Lächeln. „Aber doch nicht allzusehr," sagte er warnend. „Sie könnten sonst Ihre Arbeit jäh unterbrechen muffen — und wie ginge es dann weiter?" „Gott wird Helsen," versetzte sie leise. „Entschuldigen Sie, wenn meine Frage Sie unangenehm berühren sollte — aber bitte sagen Sie mir, wäre es denn in Ihrem Falle ein Unrecht, wenn Sie nur während der Krankheit des Herrn Müller Ihr Geschäft am Samstag offen haben würden? Wenn Sie Ihren Rabbiner fragen würden, könnte er Sie nicht für diese Zeit dispensiren?" Sie schüttelte lächelnd den Kopf. „Diese Macht haben unsere Rabbiner nicht. Unsere Gebote sind Gottesgebote, von denen kann uns kein Mensch dispensiren." „Aber fürchten Sie denn nicht, der übergroßen Anstrengung zu erliegen?" „Ich thue meine Pflicht und vertraue auf Gott, Er wird uns beistehen." _ (Fortsetzung folgt.)__ Auflösung des rrrn in <£r. 98. 8 Tage der Beschneidung n 50 Jahre des bst> 3 6 Stufen des Thrones i 20 Jahre zum Dienstantritt 2 5-facher Ersatz für Verwundung n Diele richtige Lösungen gingen ein und erhielt jeder Einsender ein Buch aus unserem Verlage franco zugesandt. Der „Israelit" erscheint **«». k,r nlll« I, * w1 nt»I. Montag:« nud Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen Preis pro Viert«Ijabr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Mm abonnirt ganzjährlich, üalbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch V. K. S k ri n a ckr-rv, Leipzig, Roßplatz J8. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Nonpareillezeile oder deren Raum. 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Frankreich: Paris. — Mntheilungen ans den (irdischen Armeiweremrn und für dieselben. — Feuilleton: Wahrheit und Dichtung (Fortsetzung). . . Inhalt der ersten Beilage: Ein Neunall eritcr Gute. Zeitungsnachrichten und (Lorre,po,ideuzcn: Deutschland: Berlin. Rukland- Bobruist. Kischinew. — Sprechsaal: Fiirtd. —rVernnschtes. Inhalt ver ^weilrn Brille:^Dec Prozev gegen die Knchmewcr Ercedentcn.—Zeitungsnachrichten und Correspondcnzen: Deutsch. land. Frankfurt a^ ^^Ege^ Die jüdischen Oberlchrer mid die Staatsdürgerzeitung. — Pädagogische Errungenschaft eines indischen Lehrers. — Aus dein Schulleben. — Aus dclitfchen Lesebüchern. Belletristische BeUage: Der Jude (Fortsetzung). Berantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des Israelit''. Schottstratze Nr. 2. Mainz. Druck und Verlag der Job. Wirth'schen Hosbuchdre^en^Zesellschast in Mainz. Hierzu vier Beilage«.

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