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Der Israelit · 1903-12-24 · Heft 102 (24.12.1903) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 102 (24.12.1903)
Date
1903-12-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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2265 werden, die Haltlosigkeit solcher Phantastereien feststellen zu können. Erst in diesem Jahre gelangte eine linksrheinische Industriestadt in den Besitz einer Orgel und was dazu gehört, eines gemischten Chores. Nachdem der erste Rausch über den Besitz verflogen, nachdem die „Gäste für das Gotteshaus" seltener wurden, der alte Stamm vom religiösen Standpunkt aus überhaupt nicht oder nur spärlich kommt, ist man heute dahin gelangt, sagen zu können: „Der Gottesdienst ist wunderschön, doch die Thcilnehmer werden statt mehr immer weniger." Die Thatsache, daß man in diesen Chanukahtagen kaum Minsan und an einem Morgen überhaupt keines hatte, spricht leider eine solch' beredte Sprache, daß man mit Wehmuth der Zeiten gedenken mutz, wo in dieser Stadt bedeutende jüdische Männer gelebt und gewirkt haben. Das ist heute die Kehrseite des musikalischen Gottesdienstes, daß man in derselben Stadt nicht einmal regelmäßig das Kaddischgebet verrichten kann, wenn man Gast in diesem „fremden Hause" ist. Liberalismus wird doch stets mit den Worten Freisinn und Toleranz in Verbindung gebracht. Wie kann man aber noch die Kühnheit haben, diese inhaltsreichen Bezeichnungen für sich als Erbpacht zu betrachten, wenn man sieht, mit welchem Terrorismus hier die Freiheit gehandhabt wird. Da lautet ein streng durchgesührtes „Hausgesetz", daß nur der am Sabbat zur Thora aufgerufen wird, der einen Cylinderhut trägt!*) An der Stätte des Gebetes und der des Todes erkennen doch wohl alle Menschenkinder ihre Nichtigkeit zuerst; und da soll dem Armen, Minderbegüterten der Zugang zum Throne nnseres Schöpfers versperrt sein? Da sollen Menschen zu entscheiden haben, mit welcher Kopfbedeckung ^nan zu erscheinen hat, wo das Gefühl und der Anstand eines jeden Erdenpilgers ihm schon von selbst gebietet, sein Bestes anzulegen? Wahrlich, das heißt eine schöne Toleranz! Man muß auf den Tag gespannt sein, wo die ganz genaue Form, ob Wiener oder Pariser Mode vorgeschrieben wird, und wäre die Thatsache nicht eine solche, allen jüdischen und menschlichen Begriffen hohnsprechende Handlung, man könnte darüber witzeln. So aber treten Bilder vor unserem Auge auf, die doch selbst den Herren, die in dem Glauben leben, das Judcnthum könnte ohne religiösen Einrichtungen erhalten bleiben, etwas verschwommen sein dürften, und ihr Heilmittel, zur Erstarkung des Judenthums eine Orgel in's Gotteshaus zu bringen, hat nie ein größeres Fiasko geliefert, als in jener geschilderten und noch vor wenigen Jahren religiös genannten Gemeinde. Man werfe der Orthodoxie nicht mehr Intoleranz vor, wahre Orthodoxie kennt nur Menschen, gleichviel welcher Religionsgemeinschaft sie angehören, wie wir *) Wie ist es aber mit Tcncn. die an Wochentagen kommen und keine Tephilm legen? ErWrt sur diese auck» ein Gesetz? Der Setzer. von unserem allgütigen Vater hoffen, daß Sein barmherziges Auge sich dem Herzen zuwendet, wenn der Mensch im Gebet. sich naht und nicht dem äußeren Gewände. E. L—n. Ungarn. Nagy Tapolcsanv, 21. Dez. *rs*e b ix Es ist mir schwer um's Herz, über den herben Verlust zu berichten, den die hiesige Gemeinde durch das Hinscheiden des tekji ,mx des Herrn Bernhard Felsenburg erlitten hat. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf hier am 16. d. Mts. die traurige Kunde ein, daß der;nx in Wien, wo er bei seinen Kindern zu Besuch weilte, seine reine Seele aushauchte. Man kann auf den Verewigten mit Recht sagen: xo pnx nnv cenntuyiin denn mit ihm ist.iw .nnn n» ,.*rnn rrr der Stolz, der Glanz, die Zierde seiner Kinder, seiner Familie, seiner Gemeinde dahingegangen. Der Name mzivbvs *]ii2 *i hatte in der ganzen hiesigen Gemeinde einen guten Klang. Welche Hochachtung, welche Ehrerbietung hatte jeder in der Gemeinde vor diesem Manne' .Er war ein bewährter Vorsteher, Führer, Freund, Helfer und Beschützer seiner Gemeindeangehörigen. Und was war er erst seinen Kindern und Verwandten?! Zu schildern, wie er die Thora geehrt, wie er Lomde Thora machsik gewesen, wie er arme Vachurim unterstützt, wie er als Gemeinde- Präses die Gemeinde geleitet, wie er jedes gute Werk gefördert, ist in kurzen Worten unmöglich. Herr Baruch Felsenburg bat seinem Namen alle Ehre gemacht. Er war ein wahrer „Boruch Haschern", ein gesegneter Gottes. Er war ein Segen seiner Kinder, die er zu guten, frommen und gottesfürchtigen Jehudim erzogen, welche heute in hochgeachteter Stellung leben und im Geiste ihres verklärten Vaters tvirken. Er war ein Segen für seine Verwandten, die er wie ein Vater liebte. Er war ein Segen für seine Gemeinde; an deren Spitze er als Vorsteher segensreich wirkte. Er war ein Segen für die Armen und Hilflosen, die er reichlich unterstühtc imb ihnen hilfreich beistand. Ein wahrer Malkabäergreis, kämpfte er gleich Mattisjahu an der Spitze seiner gottbegeisterten Söhne mit heiligem Eifer für das Gottesgesetz, für Thora und Jirah, und sein Scheiden ctpvi nsn? läßt eilte tiefe Lücke, einen schmerzhaften Riß zurück in unserer Gemeinde. Aber der rni den er zurückläßt, ist auch ein lichtvoller; lichtvoll bleibt die Spur seiner Wirksamkeit zurück und sein Segen wird noch lange und nachhaltig fortwirken und die Svur seines Daseins hell erleuchten. .t.t c: Sein Andenken wird bei all' denen, die ihn kannten, ein. gesegnetes bleiben. .1212!) y'ix 12k Das ist auch unser aller Trost in dem herben Schmerz, daß der Verewigte einen -v cv zurückgelassen hat, der uns alle mit gerechtem Stolz, mit gerechter Befriedigung erfüllt, die wir ihn zu den unsrigen zahlen dursten.

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