Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 102 (24.12.1903)
- Date
- 1903-12-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Ehanukahtage nach langem, schweren, aber mit Geduld ertragenem Leiden durch den Tod entrissen worden. , Am 7. Juni 1840 zu Posen als Sohn einer hochgeachteten, streng religiösen Familie geboren, hat es der Verblichene verstanden, stch durch rastlose und geradezu aufopfernde Thätigkert zu einer geachteten Stellung emporzuarbeiten. Trotz seiner schweren Verufspflichten. die seine Kräfte -voll und ganz in Anspruch nahmen, war er an jedem Morgen einer der ersten Besucher des Beth-Hamidrasch, dessen Verwaltung ihm Jahrzehnte das Ehrenamt eines Synagogenvorstchers übertrug. Noch bis in die letzten Monate hinein, als die tückische Krankheit, schon an seinem Lebensmarke zu zehren begann, widmete er sein volles Interesse diesem segensreichen Institute. Nacheiferung verdient seine Opferfreudigkeit und stete Bereitwilligkeit in der Hilfe seiner Mitmenschen. Wie viele von seinen Verwandten haben in ihm den selbstlosen Begründer und Erhalter ihres häuslichen Glückes verloren. Stets war er ein Wohlthäter der zahlreichen Armen. Schwachen und Kranken, die täglich sein Haus aufsuchten und aus seinen Zuwendungen ihre nöthigsten Lebensbedürfnisse deckten. Ein selten inniges Familienglück ist durch den Heimgang dieses trefflichen Mannes erschüttert worden. Möge der tiefgebeugten Gattin, einer v'n itex in des Wortes bester Bedeutung, die mit geradezu bewundernswerther Hingabe neben der treuen Pflege ihres schwer erkrankten Gatten die Aufsicht über das Kaschrus ihres Hauses führte, der Gedanke zum Trost gereichen, daß sie in ihren wohlerzogenen Kindern einen Ersatz suchen darf und finden wird für die Lücke, die durch den Versust des Entschlafenen entstanden. Einen Beweis seiner außerordentlichen Beliebtheit lieferte das Leichenbegängnis;, das am letzten Mittwoch stattfand. Eine überaus zahlreiche, fast unübersehbare Trauergemeinde, wie sie nur selten die geräumige Halle des Friedhofs der Adaß-Jisroel-Gemeinde füllte, hatte sich zur letzten Ehrung des Verblichenen eingefunden. Wegen des Ehanukah mußte von einer Ehrung des Heimgegangenen an der Bahre abgesehen werden, was übrigens auch in den Jtentionen des Entschlafenen lag. Der Vorstand der Synagogengemeinde Adaß- Jisroel hat es sich aber trotzdem nicht nehmen lassen, dem Manne einen ehrenden Nachruf zu widmen, der sich neben so vielen anderen Verdiensten auch solche um die Gesammtheit erworben hatte. Zu diesem Zwecke veranstalteten sie nach Beendigung des Festes im Trauerhause eine Feier, bei der Herr Rabbiner »Dr. Munk die Gedenkrede hielt. In etwa einstündiger Rede entrollte er in von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Worten ein getreues Lebensbild des Entschlafenen, wie cs in unser Aller Erinnerung lebt. Es wäre vermessen von uns, wollten wir in den Nahmen eines kurzen Berichtes all' die sinnreichen Ausführungen einzwängen, die an verschiedenen Stellen mit trefflichen Belegen aus Talmud und Midrasch verwoben waren. Nur Eines möchten wir hervorheben: Im Hinblick auf das so große Gefolge bei der Bestattung und auf die zahlreiche Zuhörerschaft bei der heutigen Feier bemerkte der Redner: rx srr p cx b~x bv nsana <rjp rctp). Und wahrlich, dies Bewußtsein, in dem Heimgegangenen einen xan tbv p besessen zu haben, wird die trauernden Hinterbliebenen aufrichten in ihrem Schmerze und sie dem großen Pflichtenkreise wieder zuführen, der sich von Neuem ihnen heut erschließt. H. G. Vom Rhein, im.Dez. (Musikalischer G o t t e s d i e n st.) In der rheinischen Metropole wogt der heiße Kampf um das Sem oder Nichtsein der Orgel in dem vor einigen Jahren neu erbauten Gotteshause. In zwei Lager hat sich die Gemeinde getheilt, und bei den diesjährigen Reprasentantenwahlen zogen die Streitenden wieder mit scharfen Waffen zu Felde. Es ist eine ganz merkwürdige Naturerscheinung, daß man sich in gewissen rheinländischen Kreisen seit geraumer Zeit mit aller Gewalt dieser modernen Zeitströmung hingibt, wogegen gerade das Festhalten an allen Traditionen unseres Judenthums noch bis vor Kurzem ein besonders schönes Zeichen rheinischer Festigkeit war, ganz im Gegensatz zu der engverbundenen Provinz Westfalen. Das letzte Rundschreiben der Freunde für musikalischen Gottesdienst in der Stadt Köln gestattet uns einen tieferen Einblick in die Bestrebungen dieser Glaubensbrüder, und es dürfte sich lohnen, die hier vor uns dargelegte Theorie mit der kommenden Praxis zu vergleichen, ohne Gefahr zu lausen. Voraussagungen zu machen, die „sie nie erreichen." „Der Liberalismus erstrebt die religiöse Sammlung aller Juden; die Orthodoxie die Ausstoßung aller Liberalen. Der Liberalismus wirkt einigend, weil er tolerant ist und jeder der beiden Richtungen ihr Gotteshaus nicht mißgönnt; die Orthodoxie wirkt trennend, weil sie intolerant ist, den liberalen Gläubigen im Gotteshause keine Stätte gewährt und sie so, bewußt oder unbewußt, vom Judenthum zurückstößt." So lautet die Devise, mit der „der Verein zur Wahrung der Interessen des liberalen Judenthums in Köln" seine Gläubigen zur Wahl für Kandidaten seiner Partei anfeuert, und in gleicher Tonart wird dann weiter auf die Orthodoxie geschimpft. Also ein Musikinstrument ist hier die Brücke, auf der religiöse Streitigkeiten ausgefochten werden sollen, oder wo die Parteien vereinigt werden können — in Wirklichkeit aber weit von einander getrennt werden. Wollten doch die Herren, die einen solchen Schlachtruf unter ihre Kämpen vertheilen, nur einmal Rundschau halten im Kreise ihrer lieben Schwesterstädte; sie hätten wahrlich nicht weit zu-blicken, um ' an den Thatsachen, die ihnen dort vor Augen geführt