Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 102 (24.12.1903)
- Date
- 1903-12-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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2263 alle Menschen Kinder eines Vaters sind, eines Vaters, der für alle seine Kinder in der gleichen Weise sorgt, so Laß der eine Mensch in dem andern nicht den Nebenbuhler, nicht den Konkurrenten sehen soll, der ihm den Platz an der Sonne streitig macht, der sich vielleicht Las aneignet, was ihm von rechiswegen gebühren würde, sondern den Bruder, der ihn in Erreichung seiner Lebensbestimmung nur fördern kann, der ihm schon aus dem Grunde nicht schaden kann, weil Gott es ist. non dem Alles stammt, weil Gott es ist, der alle Schritte der Menschen bewacht; — weil Gott unser Vater ist, sind wir Brüder. Ohne diesen Glauben an Gott ist Menschenliebe ein leerer Wahn, die auch niemals bestimmend für unser Denken und Handeln geworden wäre, wenn nicht der Gedanke an Gott ihn uns eingepflanzt hätte. Doch davon noch spater. Jedenfalls steht das Eine fest, daß alle Religionen — wenigstens die drei monotheistischen Religionen, die alle von einer, vom Judenthum ausgehen — Menschenliebe zu einer ethischen Pflicht machen. Hinter diesem Gebote steht die höchste Autorität, die es für einen gläubigen Menschen geben kann — Gott. Und wenn nun trotz dieser Thatsache die Gläubigen dieses Gebot nicht befolgten aus Gründen, die wir noch klarlegen müssen, wie kann sich die ethische Gesellschaft der Täuschung hingeben, daß wenn sie. hinter der a l s höchste Autorität Prof. Jodl steht, Menschenliebe als Pflicht dekretiren werde, diese auch tatsächlich -geübt werden wird?! Wenn die Gläubigen, die doch thatsächlich eine Autorität anerkennen, sich gegen die Befehle dieser Autorität vergingen, weil ihnen diese Befehle unbequem wurden, wie sollen da Menschen Befehlen gehorchen, die von keiner Autorität ausgehen. oder selbst wenn sie von einer Autorität ausgingen, keinen Resonanzboden finden könnten, weil die Herren, die uns mit neuen ethischen Idealen beglücken möchten, dafür gesorgt haben, daß jeder Respekt vor Autoritäten schwinden soll. Wahrlich, wir verstehen jetzt die Tefillo des Hohepriesters anva vmr crro Das Gedankengebäudc unserer Modernere ist zugleich das Grab, das sie sich gegraben. (Fortsetzung folgt.) Zetturrgsnachrtchterr und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 21. Dez. Das zum Wohlthun stets bereite jüdische Herz verleugnet sich nie. — Wo es gilt, das Loos armer, hilfsbedürftiger Mitmenschen zu erleichtern. wo es darauf anlommt, die Roth zu lindern und Sorgen zu verscheuchen, alldort finden sich opferfreudige Menschen, die von Mitgefühl beseelt gern und freudig ihre Hand öffnen. — Die Chanukahbescherung der Synagogengemeinde „Beth Zion", welche am vergangenen Mittwoch stattgrfunden hat, liefert. den schlagendsten Beweis dafür. Nicht weniger als 65 Kinder armer, jüdischer Familien wurden von Kopf bis Fuß vollständig bekleidet und mit noch anderen Kleinigkeiten erfreut. Wer die strahlenden Blicke der Kleinen, die dankbaren Mienen der Eltern derselben gesehen hat, dessen Herz mußte.sich weiten und ihn zu weiterem Wohlthnn ansvornen. Bon Jahr zu Jahr ist die Zahl der Kinder, die der Verein „Beth Zion" durch reiche Gaben zu erfreuen vermochte,- bedeutend gestiegen. Abgesehen von den sonstigen Tendenzen des Vereins, der auf dem Boden der altehrwürdigen Tradition steht, ist es die Wohlthätigkeit, die diesem Vereine einen Ehrenplatz in der Kette der jüdischen Gemeinschaften sichert. Eine wahrhaft erhebende Feier ging der Bescherung voran. Die Synagoge erwies sich als viel zu klein, um die Schaaren derjenigen aufzunehmen, die begeistert von diesen Veranstaltungen der Vorjahre, dringend Einlaß begehrten. Ein der Bedeutung und der Würde des Festes voll entsprechendes Programm hatte der Seelsorger der Gemeinde, Herr Rabbiner Höxter, ausgestellt, welches Dank der mustergiltigen Disziplin, die der anwesenden, ungeheuren Kinderschaar in der Religionsschule anerzogen worden ist, in bester Weise zur Durchführung gelangen konnte. Mit dem Mincha- Gebet nahm die Feier ihren Anfang. Mit freudiger Genugthuung erfüllte cs hierbei einen Jeden, zu sehen, mit welcher Andacht und Sicherheit die Kleinen den Gebeten zu folgen vermochten. Nach dem Mincha deilamirten mehrere Mädchen einige aus das Chanukahfest bezüglichen Gedichte und nach dem Absingen der ersten drei Strophen von „Moaus Zur" betrat Herr Rabbiner H ö.x i e r die Kanzel, um die Festpredigt zu halten. Die Schwierigkeiten einer solchen Festrede, in welcher versiändnißvoll für die Kleinen und erbauend für die Erwachsenen der Stoff behandelt werden mußte, lölte der gewandte und tüchtige Redner in. der trefflichsten Weise. In hehren, den Herzen der Kinder so recht naheoehendm Worten führte Redner ihnen die Bedeutung des Ehanukahfestes zu Gemüthe und ermahnte sie, gehorsam, wie die Söhne des Makkabi, ihren Ellern und Lehrern, die ja nur ihr Bestes im Auge hätten, zu folgen. Nach Schluß der auch von den Erwachsenen begeistert aufgenommenen Rede wurden die letzien Strophen der Ehanukahhymne gesungen, worauf wieder mehrere Schüler und Schülerinnen der Religionsschule wunderhübsche Gedichte in denkbar bester Weise vortrugen. Mit dem Maariw-Gebet endete alsdann die nach jeder Richtung bestens gelungene, erhabene Feier. Berlin, 21. Dez. Der in den weitesten Kreisen bekannte Hotelier und Restaurateur Leopold Peltes o h n ist uns. wie bereits kurz berichtet, am ersten