Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 101 (21.12.1903)
- Date
- 1903-12-21
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Pädagogische Literatur. Der „Leitfaden zum jüdischen Neligionsunterricht" von Herrn Distriktsrabbiner Nathan Bamberg e r in Würzburg erscheint demnächst in der sechsten Auflage. Selten ist einem Schulbuche solch' weitgehende Verbreitung und allgemeine Anerkennung zu Theil geworden, wie wir es bei diesem Leitfaden konstatiren können. Die fünfte, ziemlich starke Auflage war in kaum drei Jahren ganz vergriffen. Nebst dem entsprechend geordneten, reichen Inhalte, steht diesem Merkchen noch der Vortheil zur Seite, daß solches das. einzige vom König!, bay. Staatsministerium genehmigte und empfohlene Buch für die isr. Schule ist. Tr. Joh. Christ. Aug. Heyses allgemeines verdeutschendes und erklärendes Fremdwörterbuch mit Bezeichnung der Aussprache und Betonung der Wörter nebst genauer Angabe ihrer Abstammung und Bildung. — Unter Berücksichtigung der amtlichen Erlasse über Verdeutschung der Fremdwörter und der neuen einheitlichen Rechtschreibung neu bearbeitet, vielfach berichtigt und vermehrt von Professor Dr. Otto Lyon. Achtzehnte Original-Ausgabe. 927 S. Pr. M. 6.—. Hannover und Leipzig 1903. Hahn'sche Buchhandlung. Der „Heys e", wie er kurzweg genannt wird, ist längst zu einem unentbehrlichen Handbuche für Gelehrte und Kaufleute, für Autoren und Private geworden. Er liefert für jedes gesuchte Wort eine vortreffliche, gut begründete Erklärung seiner Abstammung, seiner Bedeutung, seiner Ethymologie. Wenn wohl auch die meisten berechtigten Fragen, die an ein Fremdwörterbuch gestellt werden können, in genügender Weise eine Beantwortung finden, so vermissen wir dennoch Begriffe, die in demselben nicht hätten fehlen dürfen. „Zionismus" war nicht aufzufinden. Ebenso vermißten wir seine Erklärung über „Hakatismus". Was die hebr. Worte anbelangt, die als Fremd-. Wörter in die deutsche Sprache eingedrungen sind, so haben wir leider mancherlei an deren Herleitung uuszusetzen. Der seit dem Jahre 1885 mit der Bearbeitung des Werkes betraute Herr Dr. Otto Lyon in Dresden, sagt in seinem Vorwort, daß ein großer Vorzug des genannten Buches darin liege, daß es nicht nur Worte, sondern auch deren genaue Herkunft, Ethymologie u. s. w. wiedergebe. Wie gesagt, in Bezug auf das Hebräische haben wir dies nicht finden können. So sind bei den Worten: „Borax und Natron" wohl die arabischen Wurzeln angegeben, nicht aber die hebräischen: „Boris und Neser.";— „Schlemihl" hieße deßhalb ein Unglücksvogel, weil er immer sein Heil nur von Gott erwarte. Das ist unrichtig. Die Bedeutung des Schlemihl als Pechvogel ist auf das deutsche „schlimm" zurückzuführen, woraus dann im jüdisch-deutschen Jargon ein Hauptwort „Schlimmil" entstanden ist. Daß dies mit der Bedeutung des Wertes im Hebräischen nichts zu thun hat, beweist schon der Name des Vaters des Schlemihls, der Zurischadai heißt, also ganz dieselbe Bedeutung wie Schlemihl in sich faßt, und doch wird auf ihn diese Nebenbezeichnung nicht angewandt. Das.Buch enthält ferner ein Wort: „B'schores". Dieser Ausdruck wird mit: „jüdisch-arglistiger Gewinn" wiedergegeben. Ein Wort, das uns völlig unbekannt ist. Vielleicht weiß einer unserer Leser etwas über dieses Wort zu sagen. Jedenfalls ist es seit längerer Zeit nicht mehr gebräuchlich. Die Zusammenstellung: „jüdisch-arglistig" hat uns peinlich berührt. Was den übrigen Inhalt anbetrifft, so kann man getrost sagen, daß es ein so vielseitiges, einschlägiges Werk kaum noch gibt. Für jeden Laien verständliche Wiedergabe aller lateinischen, griechischen, französischen, englischen, italienischen, spanischen, russischen Worte, die in mehr oder minder großer Umgestaltung sich in der deutschen Sprache heimisch gemacht haben. Auch an den hebräischen Ausdrücken haben wir mit Ausnahme der vorerwähnten nichts auszusetzen. Um unser Urtheil über das Buch kurz zu fassen: Ein gediegenes, sorgfältig bearbeitetes, empfehlenswerthes Werk, das in keiner Privatbibliothek fehlen dürfte, besonders da ja auch der Preis bei der verschwenderischen Ausstattung durch den Verleger ein ganz außerordentlich niedriger genannt werden muß. I. L. Jüdische Geschichte. Tie Ansiedlung der Israeliten in der ehemaligen markgräfl. Residenz Rastatt. Von Em. Mayerso h n. Lehrer und Kantor in Rastatt. Die großen geschichtlichen Momente, an denen Rastatt namentlich zur Regierungszeit des Markgrafen Ludwig Wilhelm (Türkenlouis) von Baden mit seiner trefflichen Gemahlin Augnsta Sibylle geb. Prinzessin von Laubenburg so reich ist. sind lange nur in den Annalen der Stadt als Kleinodien bewahrt worden und waren deßhalb nur Wenigen zugänglich. Seit dem im Jahre 1902 im Verlage von Hermann Greiser in Rastatt ein vom Professor C. F. Lederle auf Anregung des gemeinnützigen Vereins und der Stadtgemeinde Rastatt mit großer Hingabe gut durchgearbeiteies; Werk, Rastatt und seine Umgebung, erschienen ist. ' wurde das Interesse an den früheren Geschicken und - der Entwicklung dieser Stadt viel reger denn je . Und in der That bietet das Werk, einem längst gefühlten Bedürfnisse entsprungen, eine Fülle von Darstellungen