Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1903-12-21 · Heft 101 (21.12.1903) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 101 (21.12.1903)
Date
1903-12-21
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2449890-2449983--59714-2523975
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Aentrak-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum 2i.^.i903.i KtterMe Heilage |u jß 10t mr.« xrxix:x;x~x x ix x j< ix x :x x :x;x x xxxx x x x x x x x x x:x: x x x xx Apologetik. Es werde Licht. Von Rabbiner Dr. Wilhelm Münz, Gleiwitz. Tine Aufklärung über Bibel und Babel. 2.—4. Tausend. Breslau, W. K o e b - ner. 1903. 34 S. 60 Pfg. Der Kampf um und wider Babel und Bibel ist für die große Leserwelt in ein Stadium des Stillstandes, ja der Gleichgiltigkeit und der Interesselosigkeit getreten. Nur in gelehrten Zeitschriften tobt er noch zuweilen, aber auch da nicht mehr mit der gewohnten Heftigkeit und Leidenschaftlichkeit. Auch die Vorkämpfer hüben und drüben sind eben müde geworden. Wenn aber trotzdem die oben angezeigte Schrift, die auf ein Älter von nur wenigen Monaten zurückblickt, nunmehr in zweiter, sehr starker Auflage erscheint, so liegt in diesem äußerlichen Moment schon ein vielsagender Hinweis auf besondere Eigenschaften und Vorzüge, die sie vor den unzähligen anderen Schriften gleichen Inhalts voraus hat und die ihr trotz relativ späten Erscheinens einen großen Leserkreis gewonnen hat. Wer sich an Münz von seiner letzten Publikation her erinnert, dem wird diese Thatsache nicht verwunderlich erscheinen. Muthig und unerschrocken in seinem Auftreten, schwungvoll und hinreißend in der Diktion, zielbewußt und treffsicher in Uriheil und Beweisführung, in einer herrlichen, edlen, klassischen Sprache hatte er s. Z. in dem weit über die deutschen Lande hinaus bekannt gewordenen und in mehr als 30,000 Exemplaren verbreiteten „Offenen Briefe an Liebernmnn von Sonnenberg" die Ehre des Iudenthums gegen Schmähschrift und Verleumdung vertheidigt und sich die einmüthige Anerkennung, ja Bewunderung aller Freunde der Wahrheit erworben. Das gleiche Bestreben hat den erprobten Streiter auf den Babel-Bibel-Kampfplatz geführt. In derselben geistig-überlegenen, vornehmen Weise wie dort. führt er auch hier den Kampf wider phantastische. professorale Hirngespinste, die dem Judenthum seinen ewigen „Nimbus" zu entreißen sich erkühnten. Und der wissenschaftlichen Art des Angriffes entsprechend, in der freilich die „Wissenschaft" zumeist nur ein leichtlich hingeworfenes, kokett drapirtes Mäntelchen war, wird auch die Verteidigung mit den Waffen strenger, in diesem Falle echter, nach Objektivität strebender Wissenschaftlichkeit geführt, einer Wissenschaftlichkeit, die nicht mit wohlfeilen, geschwollenen Zitaten. Noten und Anmerkungen prunkt und zu imponiren sucht, sondern auf dem festen Grunde einer geschlossenen Weltanschauung stehend, die gesicherten Ergebnisse der semitischen und historischen Wissenschaft zur Widerlegung und Zerstörung des Babel-Bibel-Wahngebildes verwendet. Daß hier alle in der Babel-Bibel-Frage vorgebrachten Streitpunkte Gegenstand der Untersuchung geworden sind, zeigen schon die Kapitel-Ueberschriften: Poesie und Philosophie vor einem modernen Nichterstuhle, Bibel und Babel, Die Weltschöpfung; Der Sabbat, Die Sintfluth, Die zehn Gebote, Der Monotheismus, DaS auserwählte Volk. Daß sie kurz und bündig und dabei zugleich erschöpfend und überzeugend geschrieben sind, ist ein Verdienst, auf das der Verfasser besonders stolz sein darf. Jeder Satz verräth den philosophisch durchgebildeten Denker, den feinen Sprachkenner und Stilisten. Nicht durch die Neuheit der Gedanken überrascht und erfreut, ja erhebt und begeistert er den Leser, sondern durch außerordentlich gefällige, edle und vornehme Art der Widerlegung, der Thatsachengruppirung und -Beleuchtung, die selbst der ..Kreuzzeitung" vor kurzem Worte der Anerkennung abgezwungen hat. Die Lektüre dieser Schrift, die der Laie nicht ohne reiche Belehrung und Anregung, der Gelehrte nicht ohne begeisternde Erhebung und selische Erfrischung aus der Hand legen wird, kann nicht warm genug empfohlen werden. Schwedt a. O. Dr. I. Holzer.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.