Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 101 (21.12.1903)
- Date
- 1903-12-21
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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2261 geschichtlicher Ereignisse, die sich in Rastatt und dessen Umgebung seit dem Mittelalter, zur Zeit der Verwüstung Badens durch die französischen Horden und um die Zeit der Türkenkriege abspielten, als auch solche von allgemeinem Interesse über die spatere Entwicklung dieser Stadt, daß man mit Recht dem Werk eine kulturelle Bedeutung beimißt. Es soll nun nicht der Zweck dieser Zeilen sein, einen Auszug aus dem Inhalt dieses Werkes zu geben, aber es sei mir gestattet, einige Details daraus über die Ansiedlung der Israeliten in der Markgrasschaft Baden, die ersten israelitischen Familien in Rastatt, wie sie urkundlich festgelegt sind, zu entnehmen. Als Markgraf Ludwig Wilhelm seine Residenz von Baden nach Rastatt verlegt hatte und die ständigen Kriege den /damals schon berühmt gewordenen Helden zuletzt auch mehrere Jahre in Oesterreich hielten, fiel seiner Gemahlin Augusta Sibylle die Ansprache zu. für den Ausbau der neuen Residenz Sorge zu tragen. Mit welch' hohem Kunstverständniß die Markgräfin dieser Aufgabe gerecht wurde, geht zur Genüge aus den noch heute bewunderten herrlichen Bauten des Schlosses, der katholischen Stadtkirche, der Einsiedlerkapelle und nicht zuletzt aus der Anlage und dem Bau' des Lustschlosses „Favorite", unweit Kuvpenheim. inmitten eines kleines Wäldchens/hervor. Die Mittel zu diesen Bauten flössen zwar reichlich aus ihren ererbten Fürstengüiern Schlackenwerft in Böhmen, allein ein Theil mußte auch durch Umlagen aufgebracht werden. Und da scheint die Markgräfin den Israeliten nicht besonders gewogen gewesen zu sein. Unter anderen sollte die junge Residenz mit einem würdigen Straßenpflaster versehen werden, was mit. einem Aufwand von vorläufig 6000 Gulden geschehen sollte. Um diese Summe aufzubringen, verfiel die Regierung der Markgräfin-Regentin auf ein eiaenartiaes Mittel, sie mußte von allen in der Markgrafschaft ansässigen israelit. Familien bezahlt werden, in der Weise, daß jede einzelne nach Verhältniß des von ihr an die Regierung zu entrichtenden Schntzgeldes daran bezahlen mußte. Der geringste Betrag — der eine Familie traf — war 34 Gulden, der höchste 155 Gulden, ganz Unbemittelte wurden davon befreit. Die Familien, welche sich weigerten, ihre Betreffniß zu zahlen, wurden aus dem Lande gewiesen. Die 6000 Gulden reichten aber zur Vollendung der Pflasterung nicht aus. und so wurde 1760 in gleicher Weise nochmals 668 Gulden erhoben von jenen israelitischen Familien, die sich seit der ersten Verordnung 1721 in der Markgrafschaft niedergelassen hatten. Auch nach vollendeter Pflasterung blieb — angeblich zur Unterhaltung der Stadtstraßen, für die isr. Familien der Markgrafschaft jene drückende Last besteben. Die urkundlichen Nachrichten über die Niederlassung israelitischer Familien aus dem Mittelalter sind sehr spärlich und fehlen für Rastatt sozusagen 'stanz. Zum ersten Male finden wir Rastatter Familien mit ihrem Namen erwähnt 1605, wo Menle und Elias an den markgräflichen Hof nach Durlach zur Verhandlung wegen Geldleistungen zur Bestreitung der Postausgaben vorgeladen waren. Einige Jahrzehnte später geben die Speierer Kirchenvisitations-Protokolle wieder genauere Aufschlüsse, nach ihnen wohnten damals nur drei israelit. Familien in Rastatt. 168& flohen diese bei der Zerstörung Rastatts über den Rhein, sind aber nach derselben Quelle 1700 bereits wieder zurück, und nun wird wiederholt der in Rastatt ansässige Handelsmann Nathan Schweizer als Judenschultheis erwähnt. Zur Ortsgemeinde und zum Staat ward damals die Stellung der Israeliten eine ganz eigenartige. Die Israeliten bezw. die Familienhäupter traten in den Verband der Gemekndebürger nicht ein, hatten aber die Pflichten derselben, d. h. sie wurden zu allen bürgerlichen Leistungen in Bezug auf Wachen, Frohnden, Umlagen etc. herangezogen, sogar aus Kultusbediirfmsse der christl. Konfessionen, dafür war ihnen der gleiche Schuh wie den Gemeindebürgern gesichert. Als Schutz und Handelsjuden standen sie durch ihre Schuhbriefe aber nur, und zwar direkt — in Folge einer Art von Vertragsverhältniß — unter den Markgrafen, dessen Unterthanen sie waren; diese Verträge waren immer nur für die einzelnen Familien geschlossen und jeweils für eine ganz bestimmte Zeit gültig. Diese Sonderstellung der Israeliten in Bezug auf Pflichten und Rechte wurde noch verschärft, indem denselben 1741 sogar verboten wurde, ihren Gottesdienst in der Stadt abzuhalten; sie wurden in die Vorstadt erwiesen. Ueber die näheren Umstände und über die weitere Entwicklung der Dinge berichtet Näheres der dritte Abschnitt des Werkes, das auch uns Israeliten einen Einblick in frühere Zeiten und Verhältnisse gewährt, und uns ermöglicht, einen Einblick zu thun in das Leben und die Kämpfe unserer Ahnen vom Mittelalter bis zur Errichtung des jetzigen Großherzogthums. womit auch der Bann, in den man die Jsraliten that, gelöst wurde und alle diesbezüglichen Ausnahmegesetze sielen. Tie Jude» in' Steiermark. Unter diesem Titel erscheint im Verlage von R. Löwit in Wien eine wcrthvolle, historische Schrift, welche E m a n u e l Baumgarten, den bekannten Kenner der Geschicke der Juden in der Monarchie, zum Verfasser hat. An der Hand von alten und neuen Daten entrollt Baumgarten in dieser seiner Schrift ein fesselndes und farbenreiches Bild der wechselvoüen Schicksale der Juden in der schönen Steiermark, das in mehr als einer Hinsicht Interesse bietet. Äon den ersten nachweislichen Spuren der Juden in Steiermark, vom Ende des