Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 101 (21.12.1903)
- Date
- 1903-12-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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2248 lichen Beziehung, verkehrte als Gast in dessen Familien- , kreis, erbat und erhielt von ihm häufig Hilfe für seine? Armen, ja der Fabrikant liebte es. Unterstützungen, die! er ertheilen wollte, nicht selbst, sondern durch den be- \ freundeten Pfarrer zu spenden. Als Sarto Domherr in Treviso wurde, hörte dieser nahe Verkehr auf, aber als Bischof von Mantua, welche Stadt eine starke jüdische Gemeinde einschließt, fand Guiseppe Sarto den dorthin Lberstedelten Romanin Jacur wieder und erneute die alten Beziehungen. Zum Patriarchen von Venedig befördert, spendete Kardinal Sarto so eifrig Almosen, daß er oft selbst in Verlegenheit kam; er wandte sich dann stets an einen reichen jüdischen Geschäftsmann, der ihm auch bereitwilligst aushalf, damit der edle Priester seine Wohlthaten wieder weiter üben könne. Als Kardinal Sarto den päpstlichen Stuhl be- - flieg, hat der inzwischen zum Senator des Königsreichs Italien ernannte „Romanin Jacur im Stadtrathe von Mantua auf das wärmste die Entsendung eines Glückwunschtelegramms an den neuen Papst befürwortet." So berichtet Monsignore de Val in einer Papstbiographie. Die Petersburger Jargonzeitschrift ..Fraind" läßt i sich von ihrem Londoner Korrespondenten folgende unj glaubliche Geschichte berichten: Interessant ist es zu er-! fahren, daß in der ganzen apostolisch-kathol. Kirche auf! der ganzen Welt an dem Tag von „Allerheiligen" ein j besonderes Gebet für die Juden gesprochen wurde, des! Inhalts, Gott möge sie in ihr eigenes Land zurück-! führen: „Allmächtiger Gott, Gott Abrahams, Jsaks i und Jakobs, wir flehen für Dein altes Volk Israel.! Schau herab mit Barmherzigkeit auf ihren niedrigen Stand, wie so lange schon leiden unter Deinem gerechten Zorn. W i r haben ihre Noth vermehrt, wir haben gesehen, wie uns unser Bruder ein Fremder wurde, wir haben uns gefreut über das Unglück der Kinder Jakobs. Aber jetzt wenden wir uns an Dich und beten ihretwegen. Laß ihnen die Gnade und den Segen angedeihen, die Du ihnen aufbewahrtest, gib ihnen auch das Land ihres Erbes zurück, lasse die Mauern Jerusalems wieder bauen und lasse sie werden zur Freude der ganzen Welt." Hätten wir es nicht schwarz auf weiß gesehen, ineint der „Fraind" dazu, so hätten wir es kaum für möglich gehalten. Das Gebet hat 5er neue Papst eingerichtet.. B e l g i e n. . Brüssel, 33. Dez. Es kann mit Freuden begrüßt werden, daß Herr Hotelier Reinsberg aus Ostende in Brüssel in der Boulevard du jardin botanique, zwei Minunten vom Ausgange der Gare du Nord, ein streng rituelles Hotel - Restaurant allerersten Ranges/ eröffnet hat. Reinsberg bezieht sein Fleisch, aus Ant-.. werpen und ist hierdurch einem hier langst gewünschten Bedürfniß abgeholfen. Herr Reinsberg selbst ist ein streng frommer Jehudi und geht demselben durch sein Hotel in Ostende das beste Renommee voraus. Die Küche ist exquisit bei sehr civilen Preisen und ist zu wünschen, daß das reisende Publikum denselben so viel wie möglich unterstützt, damit die Sache lebensfähig wird. Schreiber dieses (Geschäftsreisender) sucht im Interesse der guten Sache dies allen Kollegen und Bekannten mitzutheilen und zu verbreiten zu suchen. __ ' _K. Fr. pus Attentat gegen den fiiljw der fronMschk« Zionisten. P a r i s, 20. Dezember. Die Zionisten hielten gestern Abend im Saale „Charras" hinter der Großen Oper einen Ball ab. Gegen Mitternacht erschien ein ärmlich gekleideter russischer Student, der um Einlaß bat. . Er nannte sich Chaim Luban. Nachdem Luban eingetreten war, durchlief er den Saal und machte vor einer Fensterecke Halt, tvo Max Nordau in einer Gruppe von Freunden plauderte. Luban zog plötzlich einen Revolver hervor und legte auf Nordaü an. Ein daneben stehender Freund Nordaus schlug schnell auf den Arm des Attentäters und lenkte so die Kugel ab, die Nordau kaum streifte und ihn nicht verletzte. Dagegen traf eine zweite Kugel einen anderen Zuschauer am Unterschenkel und verletzte ihn leicht. Der Attentäter wurde von den Anwesenden nach der Polizeiwache gebracht. Er gibt am, selbst Zionist und aus Bern gekommen zu sein, um das Todesurtheil an Nordau zu vollziehen im Namen der wahren Zionisten, die in der Rückkehr nach Jerusalem die einzige Rettung erblicken, während der letzte Kongreß in Basel auch die Auswanderung in andere Gegenden zuließ. Luban hatte außer einem seckslausigen noch viermal geladenen Revolver nur zehn Centimes in seine Taschen, sonst nichts.?? e 11 i ( ( C t O r; und Wichtung Von Friedrich Rott. \ f6 Als er sie weinen sah. schlang er den Arm um ihren Hals und flüsterte ihr zu: „Mutter, liebe Mutter, der Doktor hat dock ge-» sagt, daß der Vater wieder gesund werden kann, und ' ich weiß gewiß, der Vater wird nie wieder, am Sabbat - däs Geschäft ausmachen und dann wich alles wieder so ' schön wie früher." - - ^6^ •' ' 1