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Der Israelit · 1903-12-21 · Heft 101 (21.12.1903) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 101 (21.12.1903)
Date
1903-12-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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2247 tragenen einverstanden; sollte von der festgesetzten Zahl das eine oder andere Thier nicht für koscher erklärt werden, so halte er dafür, ein anderes Thier zu schachten. Stadtverordn. Sachs hält es für erwünscht, daß soviel Thiere geschachtet werden, wie zur Ernährung unserer jüdischen Mitbürger nöthig sind. Es kann doch Vorkommen, daß in einer Woche mehrere Thiere geschlachtet werden, die nicht koscher sind. Im Uebrigen sei es fraglich, welche Schlachtmethode die grausamere sei. Es gibt viele Gutachten, die das Schlachten mit der Maske für grausamer halten. Stadtverord. W e s ch e hebt hervor, daß man den Juden das Recht zugestehen müsse, ihr Schlachtvieh zu schachten. Er habe die Gutachten, die sich für die Schächtmethode aussprechen, gelesen, aber nach Rücksprache mit dem Schlachthofdirektor sei er der Ansicht, daß nicht mehr Thiere geschächtet werden sollten, wie für die Mitglieder der jüdischen Gemeinde nöthig sind. Er stellte den Antrag, Vorrichtungen auf Kosten derselben anzuschasfen, durch welche sich Unannehmlichkeiten, die sich beim Fesseln und Umreißen der Thiere zum Schächten Herausstellen, vermeiden lassen. Stadtverord. Finken st Ldt spricht gegen die Einschränkung des Schächtens. Stadtverord. Klee mann freut sich, daß seine Anregung gewisse Früchte gezeitigt hat und die unnöthige Schlichtung eingeschränkt wird. Er werde später Zeinen Antrag aus vollständige Aufhebung des Schächtens einbringen. Er habe die Gutachten gelesen und sich darin vertieft, habe auch gefunden, daß die Anwendung des Schächtens mit der besseren'Haltbarkeit des Fleisches begründet wird. Das Schächten ist keine Religions-, sondern eine Kultusvorschrift und wird verschieden gehandhabt. Verschiedentlich wird das Thier vor dem Schächtschnitt betäubt. Den vielen Urtheilen, die sich für das Schächten aussprechen, stehen viele Hunderte entgegengesetzter Ansicht gegenüber, die das Schächten für Thierquälerei halten. Die Stadt Perleberg hat das Schächten gänzlich verboten, ebenso Aschersleben, auch Sachsen-Meiningen, das Königreich Sachsen, die Schweiz u. s. w. Ein objektives Urtheil über das Schächten findet man in Meyer's Lexikon dort heißt es, das Schächten mache einen abschreckenden Eindruck. Das Niederwerfen der Thiere ist grausam. Vielfach werden ihnen Rippen dabei gebrochen, Hörner brechen ab und die Todesangst der Thiere wird unnöthig verlängert. Es ist unbedingt nöthig, daß die Vorrichtungen, die dazu dienen, Abhilfe zu schaffen, hier angewandt werden. Das Schächten von acht Rindern und zehn Kälbern Erscheine hoch, und mehr brauche wohl nicht bewilligt zu werden^ . Oberbürgermeister Baust gibt seiner Freude darüber Ausdruck, .daß die Sache von allen Seiten so objektiv behandelt sei. Er habe in früheren Jahren als Dezernent des Schlachthauses Gelegenheit gehabt, sich darüber zu informircn und seine Ansicht fei, daß mit dem Schächten eine Thierquälerei verbunden ist, die hauptsächlich bei dem Fesseln und Niederwerfen hervortr'tti. Den. Stadtverordneten, die sich für die Sache interessrren, könne enwfohlen werden, sich auf dem Schlachthofe davon zu überzeugen. Es sei mit Freude zu begrüßen, daß in dem gemachten Vorschläge ein gangbarer Weg gefunden sei und dem Schlachthofausschuß könne wohl anbeimgegeben werden, weitere Mittel zu finden, den Humanitären Forderungen nachzukommen. Es liegt aber kein Grund vor, das Schächten ganz zu verbieten. Die Ausübung der Religionsbedingungen und die Gewissensfreiheit muß uns doch noch höher stehen, wie die Rücksicht auf die Schlachtthiere. Quälereien kommen ja überall vor. so bei Jagden, beim Fischfang u. s. w. Die vom Schlachthof- Ausschuß vorgeschlagene Zahl darf wohl als die richtige angenommen werden und der vorgeschlagene Weg ist wohl als der gangbarste zu empfehlen. Stadtverordn. Träger gibt seiner Verwunderung Ausdruck, daß man noch nicht früher dazu gekommen sei, eine derartige Vorrichtung, wie sie. heute rorgeschlagen wird,, anzuschaffen. Im Uebrigen empfiehlt er, den Wünschen der Juden zu entsprechen. Stadtverordn. Dr. Weller Hai nichts dagegen, wenn sämwtliches Vieh geschächtet wird. Im Haushalt wird oft noch mehr Thierquälerei geübt, wie beim Schächten des Schlachtviehs. Der Schlachthofdirektor würde aber gut gethan haben, seine Bedenken schon früher dem Schlachtbof-Ausschuß mitzutheilen. Stadtverordn. Kratzen st ein erwidert, daß sich der Ausschuß schon des öfteren mit der Sache beschäftigt habe, doch die Rücksicht auf die Hygiene und die Sauberkeit des Betriebes hat stets veranlaßt, von einer Veschaffuug des Apparates, der im Wesentlichen aus einer Matratze besteht, abzusehen. Stadtverordn. B r ö s e meint, das Schächten sei keine so große Thierquälerei. Denn der Schächtschnitt führe in wenigen Sekunden den Tod herbei. Eine Aenderung herbeizuführen sei Aufgabe des Staates und nicht der Gemeinden. Nachdem noch verschiedene Redner ihre Ansicht zu der Frage geäußert, wird der Gegenstand . verlassen, indem dem Schlachthof-Ausschuß die Ausführung der Angelegenheit im vorgeschlagenen Sinne überlassen wird. ' Italien. Nom. (Pius X. und die Jude n.) Als der gegenwärtige Papst neun Jahre hindurch Kaplan in Tombola war, gab er durch mehrere Sommer Unterrichtsstunden in einer silbischen Familie, die in einer Villa nahe dem Dorf Landaufenthalt nahm. 1867 als Pfarrer nach Salzano versetzt, stand er dort mit dem jüdischen Fabrikanten Romanin Jacur in freundschaft-

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