Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 101 (21.12.1903)
- Date
- 1903-12-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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JetturrgsnachrLchLerr und Correspondeuzen. Deutschland. Frankfurt a. M., 4. Abend Chanukah. Soeben komme ich von der Chanukahfeier des Vereins „Nachlas Zwi" zurück, und kann nicht umhin, den Lesern Ihres geschätzten Blattes mit einigen Zeilen von dem so schönen Verlaufe des heutigen Abends zu berichten. Der rmvi gehört überhaupt hier in Frankfurt a. M. zu den fia» die besonders Glück haben. Wir meinen nicht damit, daß hier viel „getrendelt" wird — das ihut man anderwärts auch — aber wohl selten dürfte sich' an einem gewöhnlichen Wochentage nach Mincha solch' eine Menschenmenge aus der Synagoge ergießen, wie das an Chanukah bei uns der Fall ist. Doch ich komme in's Plaudern, und wollte Ihnen ja nur von der „Nachlas-Zwi"-Feier berichten. Nachdem in dem festlich erleuchteten Saale der „Loge zum Adler" der Gesangverein „Jeschurun" einen Einführungschor gesungen, begann Herr Jakob Rosen he im einen Vortrag: „Ueber das Aesthetische im Lichte des Judenthums." Wir sind von unserem verehrten Herrn Vorsitzenden immer gute Reden gewöhnt. aber heute Abend hat er sich selbst übertroffen. Lichtvoll und klar entwickelte er in inhaltsreicher Rede vorerst den Begriff der Aesthetik überhaupt und dann die Stellung des Judenthums zum Natur- und zum Kunstschönen. Das Hauptresultat, zu dem der Herr Redner gelangte, daß das Schöne bei uns im Dienste des Wahren stehe, erhielt einen beredten Commentar durch den weiteren Verlauf des Abends. Wir haben hier vorzüglich die meisterhafte Deklamation des.Gedichtes: „Sei ohne Furcht," durch Frl. Rost Mayer im Auge. Außer noch einem zweiten Gedicht wurde der Abend durch gesangliche Vorträge des Herrn Qberkantors Pessachowitsch und des Gesangsvereins „Jeschurun" verschönt. Solche Chanukahfeiern im Rahmen der israelitischen Religionsgesellschaft haben einen bleibenden Werth auch dann noch, wenn schon längst die Festeslichter erlöscht und der Gesang verstummt ist. Wenn - einst die Stimme der Versuchung uns von dem angeblich finsteren, starren, jeder Lebensfreude feindlichen, orthodoxen Judenthume abwendig machen wollte, wir würden-mit dem Gedächtniß an solche selbsterlebte Beweise des Gegentheils dem Versucher mitleidig enti gegenen: „Armer Freund, du hast ja keine Ahnung von; dem Judenthum, welches du schmähest." Und so möge , auch fernerhin in stiller, ernster und zeitweilig froher, festlicher Vereinigung unser „Nachlas Zivi" sein Streben verfolgen, nämlich: „Die Pflege jüdischer Lebensanschauung." T . . . . l. Quedlinburg, 13. Dez. Unsere Gemeinde hat doppelten Grund, diese Woche ivvb bb.ibi xmrh bn;n zu sagen. Denn vor einigen Wochen wurde auch hier die Schächtfrage von dem Antisemiten, Professor Dr. Kleemann, angeschnitten, und nur durch das rhatkrästige und umsichtige Vorgehen unseres Vorstehers S. Philippsohn, welcher Tag und Nacht daran arbeitete, ist das Schlimmste verhütet worden. Am Dienstag, den 16. ds. Mts., fand nun die Debatte in der öffentlichen Stadtverordnenten-Sitzung statt. Wir lassen hier den Versammlungs-Bericht folgen: Beim Etat des Schlachthofes entspann sich eine längere Debatte über die Schachtfrage. Nach Vortrag des Haushaltsplanes durch den Stadtverordneten Kratzenstein und Feststellung desselben nahm Herr . Stadtrath Steinle als Dezernent des Schlachihofes das Wort, um Folgendes mitzutheilen: In der Stadtverordnetenversammlung vom 30. Okt. brachte der Stadtverordn. Kleemann vor, daß in einer hiesigen Großschlächterei sämmtliche Thiere, nahe ein Viertel des gesammten hiesigen Fleischverbrauchs, geschächtet werden, während doch für die hiesige jüdische Bevölkerung nur ein kleiner Theil desselben gebraucht werde. Von den anwesenden Mitgliedern des Schlachthofausschusses konnte die Frage nicht gleich beantwortet werden, doch wurde vom Oberbürgermeister Untersuchung zugesagt. Der § 10 der Schlachthofordnung bestimmt, daß das Tödten der Thiere schnell und ohne Quälerei zu erfolgen hat. Großvieh nluß mit der Schlachtmaske geschlachtet, Vieh, dessen Fleisch zur Wurstfabrikation gebraucht wird, durch Bruststich getödiet werden. Ausgenommen hiervon sind Thiere, die nach jüdischem Ritus geschlachtet werden. Der Direktor des Schlachthofes hatte bisher keine Handhabe, das Schächten zu verhindern, da eine bestimmte Zahl nicht vorgeschrieben war. Der Schlachthofausschuß ist nun der Frage näher getreten und hat Erkundigungen aus anderen Städten eingezogen, die ergeben haben, daß Quedlinburg mit Schächtungen von 16,2 pCt. Rindern und 6 pCt. Kälbern die höchste Zahl erreicht. Den Israeliten sind für den Fleischverbrauch sehr strenge Vorschriften gegeben, sodaß verhältnißmäßig viele Schlachtungen nöthig sein werden. Der Schlachthofausschuß ist der Meinung, daß es genügen wird, wenn monatlich acht Rinder und zehn Kälber geschachtet werden und glaubt, hiermit das Richtige getroffen zu haben. Das Schachten ganz abzuschaffen. sei nicht wünschenswerth. - Die Vorwürfe, die gegen die eine oder andere Schlachtmethode erhoben werden, halten sich gegenseitig die Wage. Es muß uns am Herzen liegen, die Wünsche unserer jüdischen Mitbürger, mit denen wir in-gutem Einvernehmen leben wollen, zu befriedigen, ohne anderen Bestrebungen zu nahe treten zu wollen.. Stadtverordn. Kramer ist mit dem Borge-