Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 100 (17.12.1903)
- Date
- 1903-12-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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aaiaaajüt«r er ihn begeistere. E.: Es scheint. Sie haben stch mit der Sprache bekannt gemacht, aber nicht aus Liebe. A.: Dafür kann ich nicht; genug, recht nach der Methode, mit allen Danzischen Regeln. Ich habe gar die Regeln zitiren können, ohne daß ich ihren Inhalt wußte. E.: Desto schlimmer! und ich begreife, warum Sie ihr so abgeneigt sind. Aber, meine Freunde, muß man einer üblen Methode wegen die Wissenschaft Haffen, die wir das Unglück hatten, zuerst in solcher Form zu sehen? Schätzen Sie den Mann blos nach seinem Kleide? zumal wenn es ein fremdes, ihm aufgezwungenes Kleid war? A.: Das nicht, und ich bin geneigt, alle Norurtheile fahren zu lassen, sobald Sie mir sie als solche zeigen. Mich dünkt aber, es wird schwer halten: denn ich habe beides, Sprache und Inhalt, ziemlich geprüft. E.: Wir wollen versuchen und einer von uns soll den andern lehren. Es wäre traurig mit der Wahrheit, wenn Menschen sich nicht über sie vereinigen könnten; und ich verwünschte alle Eindrücke meiner Jugend, wenn sie mir zeitlebens nichts als Sklavenfesseln sein müßten. Wissen Sie aber, es sind bei mir keine Jugendeindrücke, was ich vom poetischen Geiste dieser Sprache halte. Auch ich habe sie gelernt, wie Sie; es dauerte lange, ehe ich wiederum Geschmack an ihr fand, bis ich allmählich in den Geist kam, in dem sie mir jetzt eine heilige Sprache, die Mutter unserer edelsten Kenntnisse und jener frühen Menschenbildung ist, die sich nur auf einem schmalen Strich der Erde fortgebrcitet. und ohne unser Verdienst auch zu uns kam. — Hören wir, was der große Literarhistoriker Vilmar*) über diese Seite der Thätigkeit Herder's ur- ' theilt: „Es ist seitdem nicht wieder möglich gewesen, das alte Testament als eine Masse von geschmacklos erzählten Fabeln und unkultivierten Produkten eines rohen, unentwickelten Nolksstammes zu betrachten, wozu die englischen und französischen Deisten uns bereits geführt hatten — oder wenn es möglich war, so war es nur den armseligen und verkommenen Geistern möglich, welche sich selbst von der erlangten Weltkultur ausschlossen und unter die Linie der gewöhnlichen, poetischen Bildung herabsetzten." --„Daß diese Auffassung Herder's (Bibel als Urpoesie) nach einer anderen Seite hin sehr bedeutenden Schaden gestiftet hat, an dem wir noch jetzt krank liegen, kann freilich nicht verkannt werden — es wurde durch dieselbe die Maxime gellend gemacht, die Offenbarung nach der Welt, statt die Weltnach der Offenbarung zu messen." — Veachtenswerth sind auch die Stellen, in denen sich Herder gegen die Auffassung wendet, als habe die jüd. Religion ihre Anschauungen dem ägyptischen Kult entlehnt. „A.: Man sagt aber, die Ebräer haben die ägyptische Mythologie von den Inseln der Verstorbenen *) Geschichte der deutschen Nationalliteratur von % ss- C. Dilmar. gehabt. E.: Zwei Dichter, Moses und Hiob, die ägyptische Bilder lieben, haben einmal den Ausdruck vom schnellen Ueberschiffen in jene Welt; das ist aber auch alles. Platz gegriffen hat diese Mythologie bei den Ebräern gar nicht und konnte auch nicht; denn sie hatten viel bessere Geschlechts- und Nationalbilder. — — — Ihr Reich der Väter bei Gott ist wahrlich nicht aus Aegypten." — Man lese hierzu auch das Gedicht Herders: „Das Land der Väter nach israel. Begriffen und Begebenheiten." *) . Auch jenen antisemitischen Bestrebungen, die dem jüdischen Stamme alle und jede Tugend absprechen wollen, und zwar schon von allem Anbeginn an, tritt Herder scharf entgegen. Sehr lesenswerth ist in dieser Hinsicht eine Stelle im zweiten Theile des angeführten Werkes, wo der Patriarch Abraham gleichsam eine Ehrenerklärung erhält: „Wahrlich, wer dem edlen Abraham Menschenfeindschaft , Unterdrückung, Eigennutz, Kleinheit des Herzens, Schuld geben wollte, der müßte eine neue Geschichte von ihm erfinden." Und den Einwurf, daß Abraham doch sein Weib in Aegypten verleugnet habe, widerlegt Herder, wenn er sagt: „Das gereicht nicht ihm, sondern dem policirten Aegypten zur Schande, in dem ein Fremdling, wenn auch aus einer halb ungegründeten Furcht, thun mußte was er that; denn ganz ungegründet war die Furcht nicht, wie der Erfolg zeigt. Uebrigens müssen wir einen Hirtenvater nicht als einen galanten Schäfer oder als einen Ritter von Profession betrachten, der zehntausendmal für seine Geliebte zu sterben weiß. Abraham verging sich,, und mir gefallt's, daß von dem großen Manne auch diese Schwachheit, eine zu große Behutsamkeit ausgezeichnet stehet." Von welch' richtigem Erfassen zeugt diese letzte Stelle, und — ist's nicht mit vielem, was man heute an Juden tadelt, ähnlich wie mit jenem Vorgänge, der dem „policirten Aegypten" zur Schande gereicht? Hat man nicht die Juden systematisch zu dem gedrängt, was man ihnen nun Uebles Nachreden will? Auch was Herder über den Sabbat urtheilt, verdient Beachtung: „Wenn ein Institut zur Aufbewahrung der Lieder und Gesetze Moses diente, war's der Sabbat, ihm sind wir die lebendige Erhaltung dieses Schatzes der Dichtkunst schuldig." Im Anschluß hieran folgt ein Gedicht: „Moses Stiftungshütte. Ein symbolisches Gemälde" — beginnend mit den Strophen: „Arme Wüste, wie reich bist du! Wie kommst du zu der schönen Kleinode Pracht?" — Diese kurze Auslese aus den Werken des großen Dichters dürste genügen, um seine Würdigung in jüdischen Blättern zu rechtfertigen. Ist doch Dankbarkeit eine Kardinaltugend des jüdischen Stammes. ' . Wir erblicken allerdings in den biblischen Büchern etwas anderes, als reine Poesie, sie sind uns göttliche **) Mit Bezug auf Seiwch 1. B. Moses, 5, 24. npb 2 UTKl 'VTJH WH