Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 100 (17.12.1903)
- Date
- 1903-12-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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=r- -üiihi 2-20 sein freundschaftliches Verhältniß zu Moses Mendelssohn. Unser besonderes Interesse erregt Herder jedoch durch seine Beschäftigung mit der „hebräischen Poesie." wie er selbst es nennt. In dieser Hinsicht sind besonders zwei Werke des Dichters zu nennen, „Die älteste Urkunde des Menschengeschlechtes." worin, die Anfangskapitel des ersten Buches Mosis in ästhetischer Weise betrachtet werden, und „Vom Geiste der hebr. Poesie." worin hauptsächlich die poetische Sprache der Bibel charakterisirt wird, in welcher Herder alle Gattungen des poetischen Ausdruckes vertreten findet: .die Epik in den historischen Schriften, die Lyrik in den Schlacht- und Siegesliedern, die Hymnen in den Psalmen, die Elegie in den Klagen des Jeremias etc. Selbst die äußeren Formen der Poesie, der Rhytmus in» Satzbau, der Parallelismus der Glieder u. s. w. finden eingehendste und liebevollste Würdigung. Mit Recht rühmt Herders Biograph, R. Haym, von letztgenanntem Werke, daß es „für Kunde und Verständniß des Orients Aehnliches geleistet, wie Winckelsmann's Schriften für das Kunststudium und die Archäologie." Vergegenwärtigen wir uns Herder stets als den christlichen Theologen und lesen wir nun einige Stellen aus den beiden letztgenannten Werken. Hören wir. was er über die Schöpfung des Menschen und deren Kritik durch die Materialisten spricht: „After- und il eberweise reden von einer metaphysischen Seele, der Monade, die in uns denket, die aber weder Zeit, noch Ort. noch Art hat, den Körper zu durchweben: ein unvermögender Sultan, unwirksamer als die Spinne im Mittelpunkt ihres Gewebes. Dies nennen sie Einfach, Geist, Substanz, die größeste Erfindung der Philosophie neuerer Zeiten — und haben System über System ersonnen, ein Todtenreich abgetrennter unwirksamer Substanzen (die aber innerlich, wenigstens schlummernd, desto mehr wirken) in scheinbare, ja nicht in wahre Verbindung zu bringen. Der Erdklos soll sich selbst regen — so ist Gotteswahrheit, Leben. Empfindung in System, Lüge und Narrheit verwandelt. Ist etwas inniger, ewiger als das Band zwischen Leib und Seele? Läugnet Ihr dieses, weil ein Erd klos es nicht aus Druck und Stoß des Erdkloses zu er klären vermag, was wollet ihr nicht leugnen? Welches ander, tausendfach ungewissere, unstätere Band zwischen Ursache und Wirkung ist vor Trugschlüssen sicher? So bleibt endlich nichts, als daß alle Ursache und Wirkung, alle Erfahrung also, angezweifelt oder geleugnet werde, wie ja der feinste Sophist unserer Zeit*) bereits versucht hat. Erscheine, Mann Gottes, mit Othem, der dies Reich metaphysischer Schatten und mechanischer Erdklöse durch einen Hauch verwehe oder belebe! Die Menschheit wird sich im Lichte sehen, ihre ") Hume. David, skeptischer Philosoph geb. 1711 zu Edinbürg ge,t. 1776. unmittelbare Gotteskraft fühlen, Moses' älteste Philosophie wird Summe aller Erfahrungen, Zwecke. Hoffnungen erscheinen und als einzig und göttlich siegen." In der Folge wird dann die Ahnung der „Unsterblichkeit" im Bilde des werdenden Adams innig und sinnig dargestellt und erwiesen. Mit Stolz und Genugthuung erfüllt den Israeliten die Betrachtung, die Herder an die ausführliche Genealogie des Seth bis Noa knüpft, indem er fügt: „Mit Ehrfurcht nah' ich mich Dir, heiliges Volt, in Seinem Schatten, vor Seinem Angesichte, du Licht der Welt, du Salz der Erde! Du warst das erwählte Geschlecht, ein Patriarchenpriesterthum, die Tugenden deines Berufes zu verkünden. Das Denkmal Gottes, die Stimme des Vaters, die Geschichte der Schöpfung und alles Ursprungs erhieltest du, du hast sie auch uns erhalten: du wärest selbst dazu das gesetzte, lebende, bestimmte Denkmal." In ähnlich begeisterter Weise spricht Herder in seinem anderen, oben genannten Werke über die Schatze der hebräischen Sprache und des hebr. Schriftthums. Es werden uns da zwei Freunde vorgeführt, Alciphron und Entyphron, von denen letzterer den ersteren über den Werth und die Bedeutung der hebr. Sprache zu belehren und von ihrer Wichtigkeit und Schönheit zu überzeugen sucht. Die einleitenden Worte sind so bezeichnend und geben namentlich auch dem Lehrer der Jugend.so treffende Winke bez. der Ertheilung jüdischen Unterrichtes, daß sie theilweise hier Platz finden mögen.*) Alciphron: Finde ich Sie doch wieder bei dieser armen, barbarischen Sprache! Da sieht man, was Jugendeindrücke thun, und wie unumgänglich nöthig es sei, daß wir von frühauf mit dem alten Unrath der Zeiten verschont bleiben: man wird seiner nachher im Leben nicht los. Entyphron: Sie sprechen ja wie einer der neuen Aufklärer, die die Menschen von allen Vorurtheilen der Kindheit und womöglich von der Kindheit selbst frei machen wollen. Kennen Sie diese arme, barbarische Sprache? und warum druckt sie Ihnen also?**) A.: Leider kenne ich sie genau, bin in der Kindheit mit ihr gequält worden, und werde noch mit ihr gequält, wenn ich in der Theologie. Pbilosophie, Geschichte und wo weiß ich mehr? den Nachhall ihres hohen Unsinns höre. Das Geklapper der alten Cymbeln und Pauken, kurz, die ganze Janitscharenmustk wilder Völker, die man den orientalischen Parallelismus zu nennen beliebt, ist mir dabei im Ohr, und ich sehe noch immer den David vor der Bundeslade tanzen, oder den Propheten einen Spielmann rufen, daß .. T) H"per verdient überhaupt einen Ehrenplatz in der Geschichte der Pädagogik. S. .Herder als Pädagoge" von Dr. Keferstenr tBeyer u. sobne. Langensalza), dann auch von demselben Perfaper .Licht,trahlen aus Herders Werken" (Brockbaus—Leipzig) uub --Sammlung padagoa. Aussprüche aus Herders Werken" (Luckhardt^che Verlagsbuchhandlung). of-r mn? rucht. emGespräch mit einem unserer heutigen Allermodern,reu und vorige,chrittentzen mit cmzuhören? -