Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 100 (17.12.1903)
- Date
- 1903-12-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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sie sich von dieser selbstgewahlten Gottheit frei und stellcil sich über sie. Sprach Pharao zuerst “xn p nxi r.fry, daß der Fluß den Segen oder den Fluch über Egypten bringe, so wird er bald sprechen 'b, daß auch der Fluß von ihm, von seinem Willen abhänge. Nun wird diesem König gezeigt, wie die stärkeren und gesunden Kühe von den weitaus schwächeren verschlungen werden. In diesem Vorgang, der unnatürlich ist. wird ihm nun gezeigt, daß es Vorgänge gibt, die er sich gar nicht erklären kann, die vom Standpunkte seines bis auf das äußerste getriebenen Naturalismus aus unverständlich bleiben muffen, für die es im Rahmen seiner Welt- und Lebensanschauung keine Erklärung geben kann. Ohne die Annahme einer über der Natur stehenden Kraft ist ein Räthsel, wie es in den Traumerscheinungen dem König gezeigt wird, gar nicht zu lösen. Da kommt nun Joseph aus dem Hause Jakobs, der erkannt, daß ein Gott über ihm steht, und deutet ihm das Räthsel. Die Deutung liegt für die allgemeine Form der Erscheinungen in den Worten: cpbx ipx nx raraÄ nxm rmv, daß es einen Gott gibt, der noch immer nvv schöpferische Thätigkeit entfaltet, daß es eine Kraft gibt über und außer der Natur, die die Natur zu ändern in ihrer Macht hat, der den Schwachen von seiner Kraft mittheilen kann. Er belehrte ihn, daß nicht dasjenige, was uns als stark erscheint, in der That stark ist, und nicht dasjenige, was wir schwach nennen, auch wirklich schwach ist. daß Stärke und Schwäche an sich nicht über Sieg und Niederlage entscheiden, daß es einen^Gott gibt, der Herr des Sieges ist und ihn demjenigen verleiht, den er als würdig erkennt, und daß äußere Machtmittel hierbei gar nichts bedeuten. „Nicht durch Heeresmacht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist geschieht Alles, spricht Haschem Zebaoth." Diese l^hre, die, wie wir auseinandergesetzt haben, sich uns aus der Betrachtung der Träume des Egypterkönigs ergibt, ist dieselbe Lehre, die sich uns aus der Betrachtung der Chanukageschichte oufdrängt. Die Schwachen besiegen die Starken, weil cs der Geist Gottes war, der diese Schwachen in ihren heiligen Krieg trieb, weil es die Gefährdung der heiligsten Güter war. die ihnen das Schwert in die Hand drückte. Nicht die nationale Selbstständigkeit war es, die sie erkämpfen wollten, nicht um äußere Güter war es ihnen zu thun. So lange nur solche auf dem Spiele standen, waren sie ruhig. Dulden wollten sie ja Alles, wenn man nur nicht das Allerheiligste angetastet hätte. Als man aber die Hand an das Heiligste legte, als man die Axt an den Lebensbaum des jüdischen Volkes legte, als man daran ging, dem jüdischen Volke die Lebensadern zu unterbinden, als man das Judenthum — nicht die Judenheit — angriff, als man sie für eine Lehre gewinnen wollte, die der ihrigen entgegengesetzt war, als man ihnen eine Lebensanschauung aufzwingen wollte, in der Schönheit an Stelle der Wahrheit herrschte, in der Ebenmaß und Harmonie Geist und Stärke ersetzen sollten, da griffen sie zum Schwerte zur Verteidigung der jüdischen Wahrheiten, der jüdischen Lehre, der jüdischen Heiligkeit und der jüdischen Reinheit. Und nur eine schwache Minorität aus dem Kreise der Juden zog das Schwert, denn die. überwiegende Majorität hatte ohne jegliches Bedenken den ihnen angebotenen Tausch angenommen. Die Mehrzahl fand an der Lehre ihrer Feinde Gefallen. Die verweichlichenden Lehren hielten Einzug in die Häuser der jüdischen Familien. Und diese waren, wenn wir der Sache auf den Grund geben, die wahrhaft Unglücklichen. Der königliche Sänger gibt diesem Gedanken in einem kurzen, bedeutungsvollen Satze den treffendsten Ausdruck, cm nx 1202a trh *1x2 xii Und er sah ihr Elend, als er ihren Jubel hörte. So lange sich der Jude dessen bewußt bleibt, daß es für ihn keine Brücke in andere Kreise gebe, ist er nicht unglücklich. Wenn er aber sich eine Nothbrücke zu bauen vermisst und den Weg sich erkämpft in das Lager unserer Feinde und — an ihren Freuden theilnimmt und in ihren Jubel miteinstimmt, dann ist er elend. In einem solchen Elend lebten die meisten Juden der Vorhasmonäerzeit. Nur ein Krüglein Öel war rein, nur eine Familie war da. in der die Begeisterung für Gott und Sein Gesetz rein blieb und diese Familie, die klein und schwach war, griff zum Schwert, zog in den Krieg und erfocht den Sieg. Das eine Krüglein.. das nur für einen Tag reichte, reichte für acht Tage. Darum sollen wir auch die Lichtlein in aufwärts steigender Zahl zünden, um uns zu vergegenwärtigen, daß die reine Flamme der Gotteserkenntniß. wenn sie auch nur Wenigen leuchtet, wenn sie auch nur einen kleinen Kreis erhellt, ja selbst, wenn sie nur auf dem Herde einer einzigen Familie gepflegt wird, den Sieg über alles Unreine, Unwahre und Unjüdische davontragen muß. daß sie immer wachsen muß, bis sie zu einem Flammenmeere wird, vor dem auch unsere Feinde die Segel streichen müssen. Wir dürfen nicht entmutbigt werden, wir dürfen uns nicht beirren lassen, nicht durch die scheinbaren Triumphe einer uns feindlichen Lebensanschauung und auch nicht durch die Fahnenflucht unserer Brüder. Einer unserer Weisen meint zwar, daß wir die Lichtlein in abwärtssteigender Zahl zünden sollen und begründet diese seine Ansicht trwan v'v' naa mit dem Ausblick auf die kommenden Tage, in denen das Licht jüdischer Lebenswahrheit und Lebensweisheit immer trüber und trüber leuchten wird, in denen verschwunden sein wird Hasmonäermuth und Hasmonaerbegeisterung, in denen viele dem Judenthum, für das unsere Vorfahren gelebt, gekämpft, gelitten und gesiegt haben, den Rücken kehren werden aus niedriger Selbstsucht oder aus Feigheit, aber der den Juden eigener