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Der Israelit · 1903-12-14 · Heft 99 (14.12.1903) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 99 (14.12.1903)
Date
1903-12-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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2205 sondern auch andere veranlaßte er Hierzu mit seltenem Eifer. Seine Kinder erzog er in seinem Meiste als fromme, gute Jehndim, und m Folge seiner großen Religiosität. Gewissenhaftigkeit und Geschicklichkeit in seinem Fache war er «n gern gesuchter Softr, nicht nur hier und im Umkreise, sondern in ganz Deutschland, so daß dessen Verlust schier unersetzlich ist. Im Austrage und im Namen des Thora-Emeth- Verein ergrist Herr I a k o b s o h n das Wort, um in wahrhaft schwungvoller und begeisterter Weise zu schildern, wie der selig Entschlafene mit besonderer Hingebung als Lehrer des Vereins wirkte und wir er es verstand, die ihm vom Vereine zur Verfügung gestellten Spenden an wirklich bedürftige und würdige Arme zu vertheilen. Von der großen Beliebtheit des theuren Dahingeschiedenen zeugt die überaus zahlreiche Bclheiligung an dessen Beerdigung sowohl hier als auch in Rodelsee, woselbst die irdischen Ueberresie bestattet wurden und wohin eine überaus zahlreiche Schaar von Freunden und Bekannten das jw begleiteten. Möge derselbe ein Fürsprecher für dnw' ^2 sein. maßn. Vus Württemberg. Der Rechenschaftsbericht des „Vereins zur Unterstützung von Wittwen und Waisen armer israelitischer Lehrer und Vorsänger Württembergs" über das Rechnungsjahr 1902/03 wurde in den letzten Tagen versendet. Derselbe zeigt ein erfreuliches Bild, indem der Verein allseitig Unterstützung im Lande fand durch Thoraspenden, freiwillige Beitrüge der Gemeinden nnd Gaben bei ernsten und fteudigen Anlässen. Auch Ihre Majestät die Königin unterstützte huldvollst den Verein mit 28 Mk. anläßlich der Ueberreichung des Rechenschaftsberichtes. Auch aus dem Auslande, durch Vermittelung des Herrn Dr. Salvendi in Dürkheim, floß dem Verein eine kleine Gabe zu. Derselbe verlvendete an 17 Bedürftige die Summe von 2700 Mk., um denselben ihr trauriges Loos theilweise zu erleichtern. Die Gesammteinnahmen waren 0809.46 Mk., denen 5144.69 Mk. gegenüberstehen. Der Verein besaß am 31. Marz laufenden Jahres ein Vermögen von 57,064.77 Mk., und hat solches gegen das Vorjahr um 1474.96 Mk. Zugenommen. Da die Aufgaben des Vereins in den nächsten Jahren voraussichtlich nicht kleiner werden, so möge auch fernerhin der bewährte Opfersinn nicht erlahmen, damit der Verein seiner Aufgabe auch weiter Nachkommen kann, ohne den Grundstock schmälern zu muffen. Lehrer Rosenberger. Bamberg, S. Drz. Als der allgemein, beliebte, humane und tolerante Erzbischof von Schork sem Amt hier antrat, sagte er zu dem Schreiber dieser Zeilen, daß es ihn sehr freue, hier einen friedlichen, paritätischen Zustand, die Eintracht unter den drei Bekenntnissen. vorzuftnden. So der Oberhirte der hiesigen Katholiken. Seine Nachgeordneten Geistlichen sind von anderer. Sinnesart. Während der Sprecher des Zentrums im Rathhause, Justizrath von Schmidt, vor^eimgen Tagen noch sagte: In Bamberg herrscht der Geist gegenseitiger Duldsamkeit-und konfessionellen Friedens — zieht der Adjutant des Erzbischofs, Domdekan Dr. Schädler, gen Wien, um den Klassenhaß und Rassenhaß zu schüren. Dr. Schädler, der Reichstagsabgeordnete, Zentrumsführer, Domdekan, Prälat und Priester der Liebe, sprach im christlichen Schulverein dort u. a. Folgendes: „Katholische Eltern müssen ihre Kinder katholisch erziehen und deßhalb auch von der Schule die katholische Erziehung^der Kinder verlangen, wie wir auch den Protestanten das Recht geben, ihre Kinder protestantisch zu erziehen und ebenso den-Juden, ihre Kinder jüdisch zu erziehen — so lange bis uns Neu-Zion ganz von ihnen befreit hat, je eher, desto besser!! (Große Heiterkeit, wie im Bericht des „Bamberger Volksblatt" steht.) Wahrlich, ein vorbildlicher Prediger der Religion der Liebe! Afrika. Marokko. (Judenverfolgungen.) Aus Tesa sind in Tanger, wie man den „Times" telegraphirt, flüchtige Juden eingetroffen, die erzählen, daß die Regierungstruppen nach der Wiederbesehung der Stadt an den Juden furchtbare Grausamkeiten begingen. Selbst wenn man annehmen will, daß die Flüchtlinge übertreiben, bleibt doch nach Ansicht des „Times"-Korrespondenten kaum zu bezweifeln, daß die jüdische Vevöllerung auf das scheußlichste mißhandelt wurde. Rur wenige Jüdinnen entgingen der Schändung durch die Soldaten des Sultans, während der ganze jüdische Besitz geraubt wurde. Viele Frauen wurden von dem Militär mitgeschleppt und sind seitdem verschollen, während die Bevölkerung selbst in entsetzlichster Armuth lebt. Als El Menebhi in Tesa eintraf, entriß er den Soldaten eine Anzahl von Frauen und Mädchen und gab sie ihren Familien zurück, aber sein Eintreffen geschah so spät, daß er nicht viel Gutes mehr stiften konnte. Einige der Juden entkamen nach Uida und andere nach Fez. Alle sagen einstimmig aus, daß die Bevölkerung unter der Herrschaft des Prätendenten vollständig unbelästigt gewesen sei. Zum Glück für die n Tesa gebliebenen Juden herrscht dort jetzt wieder ein Prätendent. Palästina. Jerusalem. Die in mehreren jüdischen Zeitungen veröffentlichte Beschuldigung, daß die hiesige israelit. Bevölkerung zu ihrer Korrespondenz nicht türkische, sondern nur russische Marken benutze, macht uns Herzeleid, da solche absolut unwahr ist. Als hiesige Einwohner sind wir zweifellos keine geringeren türkischen Patrioten, als unsere auswärtigen Brüder, die gewiß alles gut meinen, aber über hiesige Verhältnisse nicht richtig informirt sind. Wir bezwecken hiermit durchaus nicht, die russische

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