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Der Israelit · 1903-12-14 · Heft 99 (14.12.1903) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 99 (14.12.1903)
Date
1903-12-14
Page
– (sequence 12)
Language
German
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2206 Post in Schutz zu nehmen und zu vertheidigen, aber als Juden, deren Weisen die Undankbarkeit viefach. tadeln, dürfen wir die Wahrheit konftatiren, daß die hiesige russische Post mit der russischen Negierung nichts gemein hat. und daß der Letzteren ganz egal ist, ob wir ihre Post oder andere benutzen. Es ist vollständig lächerlich, zu behaupten, daß wir den Einfluß dieser Negierung durch Benutzung der russischen Post vermehren. Tas russische Postamt wurde hier vor zwei Jahren eröffnet von der privaten russischen Dampfer- und Handelsgesellschaft, die in allen Hafenstädten im Orient Agenturen besitzt. Die russische Post hier hat der hiesigen Bevölkerung und auch allen jüdischen Institutionen große Dienste geleistet. Unsere deutschen Glaubensgenossen wissen wahrscheinlich nicht,, daß fast die Hälfte der sämmtlichen hier zu wohlthätigen Zwecken ein fließenden Spenden aus Rußland kommen. Bis zur Eröffnung der hiesigen russischen Postabtheilung wurden alle von Rußland eingelaufene Geld- und Werthbriefe von der russischen Post nur bis Jaffa expedirt, und von dort nach Jerusalem mußten solche auf Rechnung und Risiko des Empfängers durch Privat-Reisenve. und besonders insgeheim überschickt werden, was mit enormen Spesen und unbeschreiblich großen Schwierigkeiten verbunden war. Kamen dabei einige Geldpackete abhanden, so hätte die betr. Adressaten Niemand entschädigt. Mit der Eröffnung der russischen Post Hierselbst wurde allen diesen Unannehmlichkeiten ein Ende bereitet. Die russische Post bringt jetzt sämmtliche Geldpackete nach hier unter Garantie und unentgeltlich. Dazu ist der russische Postverwalter hier einer unserer Glaubengenossen, Herr A. Solomiak. der auch ein hohes Amt in dem hiesigen russischen Generalkonsulate inne hat; außerdem besitzt derselbe hierselbst eine große Popularität. Er ist von der russischen und türkischen Regierung mit Orden dekorirt . Unter solchen Umständen ist es unmöglich, die russische Post gänzlich zu ignoriren. Die Praxis lehrte uns, daß wir uns hier mit Niemanden Überwerfen, denn ans jüdischen und politischen Gründen miissen wir überall Frieden suchen. Die russischen kleinen Marken für Drucksachen sind 20—23 vEt. billiger, weil sich eine ganze russische Marke von zehn Kopeken in fünf kleine Masken zu zwei Kopeken vertheilr. während alle übrigen Marken anderer Posten nur in vier kleine Marken vertheikt sind. Selbstverständlich ist darum, wenn die hiesigen Anstalten ihre Drucksachen nach Deutschland und anderen Orten, der Wohlfeilheit halber, mit russischen Marken franktrt versenden. Sämmtliche versiegelte Briefe aber nach Rußland und andern Ländern, die mit ganzen Marlen srankirt sein müssen, werden von Allen mit türkischen Marken versandt. Der Leiter der türkischen jüdischen Postabtheilung bekommt für die von ihm verkauften Marken 20 pCt. Rabbatt. Was die Anstalt Altenhaus Mofchab Sekenim betrifft, kann ich bestätigen, daß dieselbe jährlich bis viertausend Mark türkische Marken verwendet Bentauwim. vermischtes. Berlin. Der BerlchtWcr das Rcichenheimlsche Waisenhaus der jüdischen Gemeinde zu Berlin (Weinbergsweg He) für die Zcit vom 1. April 1902 bis 3l. März 1903 ist soeben mchirnen. Er widmet an der Spitze einen warmen Nachruf der kürzlich verstorbenen Ehrcndame Frau Mathilde B crend geb. Reichenh.inr. — Erzogen wurden im Berichtsjahr in der Anstalt 74 Zöglinge und zwar 4L Knaben, 3V Mädch.n. Die Gcsammtausgaben beliefen sich auf 50.840 Mark, die durch'Zinsen eigener Fonds und einen Gemeindezuschuß von 29,8b3 M. aufgebracht worden sind. Für je einen Zögling betrugen die Gcsammtausgaben auf das Jahr 687 Mark, d'e Tagcsverpflegung für den Kopf 46 Pfennig. Die an der Anstalt bestehenden Stiftungen sind durch eine Bernhard und Salomca Ginsberg-Strftung vermehrt worden, deren Zinsen zur Aussteuer früherer weiblicher Zöglinge dienen sollen. Alle Zöglinge besuchen öffentliche Schulen, erhalten aber im Hause noch Unterricht in Gesang, Turnen und Kerbschnitzen. Die ehemaligen Zöglinge haben einen Zusammenhang im „Reichenhnm-Verem". Die Anstalt steht unter der Verwaltung eines Kuratoriums, dessen Vorsitzender Sanitätsrath vr. Julius Stern ist, und unter Bettung deS Direktors vr. Moritz Jntrosinski. M. Coburg, 10. Dez. Unser Glaubensgenosse. Herr Rechtsanwalt und Notar Hirsch hierselbst wurde heute anläßlich einer Ersatzwahl mit 83 von 85 Stimmen zum Stadtverordneten gewählt. Dortmund. Vor einigen Wochen wurde km hiesigen israelitischen Tempel ein öffentliches Konzert, wobei Sänger und Sängerinnen mitwirkten, veranstaltet. Jeder war empört über solche Veranstaltungen im jüdischen Gotteshause. Briefkasten der SkedaeLion. „Christlicher Sefer deS Israelit in H.Sie st> llen Ihre Frage etwas eigen. 6 c fragen, ob wir nach jüdischem Gesetz das Recht haben, .Arbeitsscheue" verhungern zu lassen, so lange cs Leute giebt, die ohne zu arbeite-» im Uebcrfluß schwelgen! Ueber diese Ihre Frage wird Ihnen das Werk von Rabbiner Galandancr in Soborten „Cocialismus in Bibel und Talmud" ausführliche Belehrung geben, sofern cs Ihnen überhaupt darum zu thun ist. Bei Ihrer Sympathie für die .Arbeitsscheuen" werden Sie sich der Mühe der Durchsicht des Buches wohl nicht gerne unterziehen. Adressenveränderungen unserer werthe» Abonnenten wollen unS gefl. rechtzeitig mitgetheilt werden, damit in der Zusendung d-S Blattes keine Unterbrechung eintritt.

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