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Der Israelit · 1903-12-14 · Heft 99 (14.12.1903) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 99 (14.12.1903)
Date
1903-12-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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2204 die Bildung und Gesittung vorwärts und ob auch mancher hindernd in die Speichen greifen mag oder möchte, das rollende Rad der Zeit und des wahren Fortschrittes läßt sich einmal nicht hemmen, es stockt wohl scheinbar mitunter, aber es überwindet schließlich alle Hindernisse. Eine große Ausgabe hat Israel auf Erden zu er-- füllen; in dem Segen, den Jsak dem Esau ertheilte mit den Worten rp-C'. TO2 rrm und der gleichsam bestätigend ausspricht, was schon der fragenden Mutter prophezeiet wurde TO TO' 211 liegt das zu erstrebende Endziel der Menschheit ausgesprochen. Freiwillig und in besserer Erkenntniß des wahren, menschlichen Erdenberufes soll Esau herabsteigen vom hohen Rosse irdischer Machtfülle und die Prinzipien Jakobs im Streben nach wahrer Menschlichkeit als richtig anerkennen und bethätigen. Dazu ist aber nöthig, daß Jakob vor allem seiner Erdenmiffion treu bleibt, daß er im Dienste Gottes sein „Alles" finde und nicht im Streben nach irdischem „Viel", nach politischer Macht und Große abirre von dem ihm unverkennbar und unverrückbar vorgezeichneten Wege. Gerade in unserer heutigen Zeit ist es aber nöthiger als je, laut und eindringlich hinzuweisen auf diese ewigen Wahrheiten. im by t'2&D px. Auch wir dürfen nicht auf eigene Wirksamkeit zur Erreichung des Hochzieles verzichten wollen. Wir dürfen aber diese Thätigkeit auch nicht in falsche Bahnen leiten. im*ö nxi kv 'nbx r« das wird für uns der beste Zionismus sein. Und wenn wir so in Thaten ein Vorbild zur Belehrung der Menschheit sind, wenn so Jakob dem Esau die Anerkennung abnöthigt, to To' 2^ daß auch die politische Macht und Größe sich in den Dienst göttlicher Ideen stellt, dann erst mag Jakob vollberechtigt rufen bs A «»', nun habe ich „Alles". — Zeitungsnachrichten und Correspondeuzen. Deutschland. München, 7. Dez. Eine Trauerkunde ist es, welche heute dem Correspondenten die schmerzhafte Pflicht der' Berichterstattung auferlegt. Wenngleich die Verlebte, der diese Zeilen gelten sollen, in ihrer Bescheidenheit zu Lebzeiten jede Dankesbezeugung für ihre seltene Wohlth'ätigkeit von sich wies, so soll doch nach ihrem Tode ihrer in schlichten Worten gedacht werden. Frau Bernhardine Landauer. geb. Ellinger. Gattin des Herrn Raphael Landauer, ist gestern nach längerem Leiden sanft entschlafen. Entsprossen einem Hause, dessen Haupt in jeder Beziehung zu den Edelsten und Besten Israels zählte, wurde die Verblichene durch Heirath an eine andere Familie gegliedert, welche nicht minder zu den gleich Beeigenschafieten gerechnet werden konnte. Die Verblichene hatte sich rasch in die hiesigen Verhältnisse eingelebt und zählte seit Jahren zu den Vorstandsdamen des Israelit- Frauenvereins, sowie des Vereins für Ferienkolonien und Kinderbekleidung. In dieser Eigenschaft hatte sie Gelegenheit, ihren großartigen Wohlthätigkeitssinn in herrlichster Weise zu bethätigen; zahlreiche Arme und Nothleidende betrauern in ihr die stets feinfühlende Wohlthäterin, welche niemals durch ein hartes Wort die Armuth beleidigte oder nur kränkte. Wie in gesunden Tagen, so bildete auch in der schweren Leidenszeit die Sorge um ihre Nächsten und Mitmenschen die Hauptaufgabe ihrer Gedanken. Nun hat die edle Seele ausgerungen, der Psalm ihres Lebens ist verklungen; allein die Saiten ihrer Seele tönen leise fort und lassen einen neuen Psalm in den lichten Höhen erschallen. Hier wird ihr der Lohn erblühen, den der Allmächtige Seinen Frommen und Getreuen, zu deren Ersten sie zählte, ausbewahrt hat. Kitzingen. Es ist leider eine Trauerbotschaft, die ich Ihnen heute zu berichten habe. Herr Joseph Oppenheimer s. A., Sofer dahier, weilt nicht mehr unter den Lebenden. Am Sonntage, den 6. Dezember, mittags 12 Uhr, hat er nach kurzem Krankenlager seine edle Seele ausgehaucht. Groß war der Schmerz sämmtlicher Gemeindemitglieder, als sich die Trauerkunde wie ein Lauffeuer in hiesiger Stadt verbreitete. da Niemand ahnte, daß wir so rasch diesen schmerzlichen Verlust erleiden würden, da der theure Dahingeschiedene erst im 55. Lebensjahre stand. Noch am Abende des Sterbetages versammelten sich die Mitglieder des Thora-Emeth-Vereins dahier, dessen Mitbegründer er war. und dessen fabbatlichen, religiösen Vorträge im Vereine dieselben mit besonderer Freude und Andacht lauschten, im Sterbehause, um daselbst ein L'bnn isv zu rezitiren. . Bei der am 8. d. Mts. stattgehabten Beerdigung hielt feine Ehrwürden, Herr Distriktsrabbiner Adler eine ergreifende Trauerrede, in welcher derselbe insbesondere betonte, daß unter vielen anderen guten Eigenschaften den Verstorbenen diejenigen Tugenden zierten, von welchen unsere Weifen sagten, daß deren Hauptlohn erst urn tbryb zu erwarten ist, und zwar 2» *TO3 ,0'n*«t .riD32n smcn rvs nMPn ,umsn .nfan ,0x1 «"n-n -nabm ,rcn rnbrt .rAa-nwan tnAm “npa Die Armen insbesondere verlieren einen wahrhaft großen Wohlthäter an demselben; kein Armer, der hier durchreiste, verließ dessen Haus ohne Unterstützung und freundliche Trostworte zu erhalten; aber auch solche, die sich schriftlich von auswärts an ihn wandten, wurden stets und immer berücksichtigt. Nicht nur er selbst war jeder Zeit bereit, zu unterstützen und zu helfen^

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