Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 99 (14.12.1903)
- Date
- 1903-12-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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2200 heilen gehören, daß ein jüdischer Lehrer an solchen Anstalten Anstellung findet, ausgeschlossen ist es jedoch im Prinzipe nicht. Ich möchte an dieser Stelle und in dieser Beziehung — ohne Namen zu nennen — ein Vorkommniß erwähnen, das etwa.sieben bis acht Jahre zurückliegt, aber jedenfalls interessante Schlußfolgerungen zuläßt. Ein jüdischer Lehrer aus Bayern hatte, wie viele seiner andersgläubigen Kollegen, in der Lehrerkompagnie seiner dreimaligen Militärpflicht genügt, zehn, sechs und vier Wochen, wie es damals noch eingeführt war. Der jüdische Kollege war. wie man zu sagen pflegt, ein schneidiger Soldat, auch als Lehrer, gut qualificirt und ein Mann, der sich in der Welt zu bewegen verstand. Dieser erhielt, kurz nach beendigter Militärdienstzeit, ein vertrauliches Schreiben aus dem bayrischen Kriegsministerium, etwa folgenden Inhalts: Es fehle in Preußen an geeigneten Lehrpersonen für die Militärbildungsanstalten, und es habe daher das preußische Kriegsministerium an das bayrische das Ersuchen gestellt, ihm Lehrer namhaft zu machen, die sich militärisch vorzüglich geführt hätten und auch sonst für solche Lehrstellen geeignet erscheinen. Man habe nun ihn in erster Linie namhaft machen zu sollen geglaubt, theile ihm dies behufs reiflicher Üeberlegung mit, damit ihn eine derartige Berufung nicht völlig unvorbereitet treffe und spreche die Erwartung aus, daß er diesen ebenso ehrenvollen als vortheilhaften Ruf nicht von der Hand weisen werde. Damit war aber auch die Sache zu Ende, denn es erfolgten eben von jener Seite keine weiteren Schritte. Ohne weitere Reflexionen sei eben nur bemerkt, daß in Bayern auch für jüdische Lehrer eine derartige Anstellung nicht in's Bereich der Unmöglichkeit gehören. Doch das Pensionsstatut sieht noch weitere Fälle vor, die möglicherweise für viele jüdische Lehrer von Interesse und Bedeutung sein könnten. Es soll nämlich dem Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schulangelegenheiten und dem Staatsministerium der Finanzen Vorbehalten bleiben, daß auf Vorschlag der Verwaltungsräthe der Kreispensionsanstalten mit Zustimmung der Landräthe Kategorien seminaristisch gebildeter Lehrpersonen, welche an gemeindlichen Mittelschulen für Knaben und Mädchen, an Schulen von Stiftungs- und Wohlthätigkeitsanstalten und anderen gemeinnützigen Unternehmungen als-Lehrer oder Lehrerinnen wirken, die Theilnahme an den Pensionsanstalten nach vorgängiger budgetmäßiger Willigüng der staatlichen Pensionszuschüsse eingeräumt werden können.. : Solcher Lehrpersonen dürfte es aber unter den jüdischen Kollegen mehrfach geben. Rach meiner Auffassung wären doch wohl die jüdischen Lehrer an Waisenhäusern. an Jdiotenanstalten u. dergl. hierzu zu rechnen. Es dürfte sogar die Frage sein, ob nicht auch die Lehrer an den jüdischen Lehrerbildungsanstalten l u. dergl., sowie an den jüdischen Privatanstalten hier! einzubeziehen wären. Jedenfalls sollten Schritte in dieser Hinsicht gethan werden, und es wäre sehr zu jvünschen, daß sie von Erfolg gekrönt sein mögen. Wenn in den Ausführungsbestimmungen gesagt wird, daß Lehrpersonen, die durch die seitherige milde Praxis das Stecht der Mitgliedschaft zugeüilligt erhalten hatten, obwohl ihnen eigentlich kein rechtlicher Anspruch zusteht. das Recht der Mitgliedschaft auch fernerhin verbleiben solle, so läßt dies wenigstens hoffen, daß man auch in Zukunft nicht zu rigoros verfahren werde. Möchte die neue Pensionsregelung recht vielen jüdischen Lehrern so zu einer Pensionsversorgung verhelfen. L. A. in M. Tarmstadt, 10. Dez. Der Zweiten hessischen Kammer ist ein Gesetzentwurf zugegangen, durch den das Beerdigungswesen den Kirchengemeinden genommen und den .politischen Gemeinden übertragen werden soll, ohne daß dafür eine Vergütung gewährt wird. Feuilleton. EÄahrheit und ucyrung. Von Friedrich Rott. 14 Jetzt hörte sie deutlich, was er betete: „Du hast den Sabbat eingesetzt-die ihn in Wonne begehen, denen werden ewige Ehren zu Theil, die ihn genießen, haben bereits Leben errungen- Deiner Herrschaft freuen sich, die den Sabbat hüten und ihn ..Wonne" nennen, das Volk, das den Siebenten heiligt, sie alle sättigen sich und werden wonnevoll von Deinem Guten." Mit welcher Andacht er betete, als käme jedes Wort aus seinem Herzen — und dann sollte er hinunter gehen wollen, öffentlich den Sabbat zu entweihen? Undenkbar! — Unmöglich! — Rasch erhob sie sich und ordnete ihre einfache Toilette, dann begab sie sich in's Nebenzimmer zu ihrem Manne, der eben den Gebetmantel abgenommen chaite und zusammenlegte. Freundlicher als gestern erwiderte er ihren freundlichen Morgengruß.; / „Willst Du zu Kiddusch hergeben, ich möchte frühstücken, denn es ist Zeit, das Geschäft auszumachen." Sre war im Begriff das Kafseetuch über/ den Fruhstückstisch zu breiten, bei seinen Worten entsank.