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Der Israelit · 1903-12-10 · Heft 98 (10.12.1903) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 98 (10.12.1903)
Date
1903-12-10
Page
– (sequence 26)
Language
German
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Sprache der moldavannischen. Landbevölkerung bitten: „Lass' mir Min. Leben, Kirikä, ich gebe dir Geld, so viel du willst.'", was ihm aber nichts nützte. Als die Mörder mit Galanter und dem jungen Baranowitsch fertig waren, wollten sie auch mich in die Hände bekommen, was ihnen jedoch nicht gelang, da ich am Zaune mich festgeklammert hatte; als sie Ernst machten, mir die Beine abzusägen, liest ich mich freiwillig herunter. Sie verlangten, ich solle ihnen alles geben, was ich bei mir habe. Ich gab ihnen das Baargeld, die Uhr, die. Kette und sonstige Werthsachen; während dieser Zeit fielen von allen Seiten Hiebe auf mich, trotzdem gelang es mir auf geradezu wunderbare Weise die Flucht zu ergreifen und, wenn auch verwundet, mit dem Leben davon zu kommen. Im Stalle des Hofes waren mehrere Frauen und Kinder versteckt, darunter die Frau Galanters; als sie das furchtbare Jammern ihres Mannes vernahm, weinte sie Iaiitl Die.Mörder drangen nun in den Stall und schlugen die dort befindlichen Frauen und Kinder. Auch mein zweijähriges Kind, das sich dort auf den Armen meiner Frau befand, wollten die Mörder umbringen. Als meine Frau um Erbarmen für das unschuldige Wesen bat, faßte es einer der Bösewichte und warf es in eine Lehmgrube, wo es viel später kaum mehr athmend aufgefunden wurde. Der Zeuge bestätigt, daß alle jüdischen Hausbewohner Solowkins vergebens um Hilfe und Schutz anflehten: als Solowkin auch mit diesem Zeugen konfrantirt wurde, gab er zuletzt nur zu, daß er in der Nähe dieses Hauses einen Erschlagenen, den Tischlermeister Kanter, mit dem Tode ringend gefunden habe. Einer der Anwälte fragt den Polizei-Pristaw Solowkin: Warum haben Sie nichts gethan, um diesem Unglücklichen Hilfe zu bringen oder ihn mindestens in das Spital zu überführen? — Solowkin: Ich hatte an diesem Tage den Kopf verloren. Ich war ganz verwirrt und begab mich vorerst zum Gendarmerie-Obersken, um ihm darüber Bericht zu erstatten. — Der A n w alt fragt weiter: Verfahren Sie immer so in solchen Fällen? — Solowkin schweigt. Es wird dann der dreizehnjährige Handelsschüler Chaim Galanter vorgerufen, der sich ebenfalls in einem Dachverstecke befunden hatte und von dort aus zusehen mußte, wie sein Vater hingeschlachtet wurde. Als dann ein Polizei-Inspektor in den Hof kam, baten ihn der Knabe und dessen Mutter um Hilfe, dieser aber sagte: „Macht euch von hier fort, wenn ihr Angst habt, daß man auch euch ermorden wird!" Chaim Galanter schildert ganz genau, wie Solowkin dort gestanden' sei, und erinnert ihn an jedes seiner Worte und den Tonfall seiner Stimme, mit welcher er die Hilfeheischenden anschrie. Solowkin will sich an nichts erinnern und, was den Schüler Chaim Galanter betrifft, verdächtigt er ihn, daß er ein Werkzeug der unter Polizeiaufsicht stehenden Agitatoren aus den Kreisen der studirenden Jugend sei, von der er (Solowkin) besonders gehaßt werde. Bei diesen Worten entsteht große Bewegung in den Reihen der Vertreter der Anklage, und diese verlangen, Solowkin solle sich nicht in allgemeinen Verdächtigungen ergehen, sondern die Personen nennen, die er einer Einwirkung auf den Knaben Galanter verdächtige. Solowkin beruft sich darauf, daß die geheimen Vormerkungen der politischen Polizei nicht bekannt gegeben werden können; auf Verlangen der Rechtsanwälte wird Solowkin vom Präsidenten dieses Amtsgeheimnisses entb unden, er weiß aber auch dann keine bestimmten Personen oder Thütsachen zu. nennen und spricht nur allgemein von verdächtigen Personen, die auf den jungen Galanter eingewirkt hätten. - Als nächster Zeuge erscheint Chaikel Paskar, derselbe, aus dessen Waarenlager sich Solowkin die bereits bei Beginn der Verhandlung erwähnten Mefferscheiden aneignete, indem er sie einem Hausirer zum Verkaufe übergab. Paskar wohnte in demselben Hofe, wurde ausgeplündert und verwundet, er sah Polizeibeamte in der Menge und Solowkin mit Seelenruhe den Vorgängen anwohnen. Ein Vertreter der Angeklagten fragt: „Der Zeuge schildert, wie man ihn beraubte und schlug, kann er auch den Grund hierfür angeben?" — Paskar: Dasselbe möchte ich auch wissen; vielleicht kann man es mir hier erklären, warum man unschuldige, friedliebende Leute so plötzlich überfallen hat. Der Zeuge schildert ferner, wie der Vicepolizeipristaw Dobrosselsky an der Spitze des exzedirenden Pöbels, die Hände auf den Rücken gelegt, herumspazierte. Auf die Frage, ob der Zeuge die Polizei um eine Wache für sein Geschäft angegangen habe, antwortet derselbe, ein solches Ansinnen habe er für gänzlich aussichtslos gehalten. Als letzter Zeuge wurde heute der Juwelier Atatzkh vernommen, dessen Laden sich im Centrum der Stadt, in der Puschkingaffe, befindet und während der Exzesse vollständig ausgeraubt wurde. Die Polizei stand direkt dabei, der Vize-Gouverneur und andere höhere Funktionäre hielten sich in der Nähe auf. Er zeigt aus den nächst dem Gerichtstische sitzenden Untersuchungsrichter Rodsewitsch, an den. er sich' am verhängnißvollen Tage um Intervention gewendet hat; auch der Friedensrichter Worsar befand sich unweit seines Geschäftes und begab sich auf Bitte des Zeugen zum Vize-Gouverneur, konnte diesen aber nicht zum Einschreiten veranlassen. Der Notarius Peffarczewsk und Student Malai haben die Plünderer, angeeifert, sich an das Juwelengeschäft Heranzumachen, wo . ihrer eine sehr reiche Beute harre. Zeuge sah selbst, daß Revieraufseher Karuso einen großen Zeiiungsbogen entfaltete, viele Werthsachen aus dem Laden darin verpackte und seines Weges ging. Obwohl er. Atatzky, dies dem Leiter der Voruntersuchung, Freynat, aus-

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