Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 98 (10.12.1903)
- Date
- 1903-12-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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zartester Jugend stehende Tochter dem ältesten Sohne Dr. Lehmann's s. A. zur Gemahlin. Auch seine übrigen Kinder verheirathete er nach diesen Grundsätzen an Sprossen streng-frommer, angesehener Familien. Noch im vorigen Jahre bei dem grossen Brande in Bobruisk, ' als tausende von jüdischen Familen obdach- und ver-; mögenslos wurden, stand er an der Spitze aller Wohl- : thätigkeitseinrichtungen, und der Gouverneur von .. Minsk überbrachte die Spende des Zaren im Betrage ' von 50,000 Rubel ihm, da man wusste, daß er die j Verkeilung gerecht und richtig handhaben werde. Und nun ist er dahingegangen, der große, edle Mann, der liebende Gatte, der zärtliche Vater und besorgte Großvater, der seinem Vaterlande so treue . Sohn. Während seines mehrmonatlichen Leidens wurden in fast allen Synagogen Rußlands Gebete um seine Heilung zum Allvater emporgesandt; in Bobruisk selbst wurden monatelang Tag und Nacht Tehillim gesagt. Aber es war beschlossen in Gottes Rath, daß diese reine Seele nicht langer auf Erden weilen sollte, und trauernd steht neben der engeren Familie dos gesammte russische Judenthum an einem frischen Grabhügel, der einen so kostbaren Schatz birgt, '".rt? -xn!? X:'2Z KJ3 X*!EP2 'hzr* Aengstlich fragt man sich im Minsker Gouvernement, wer wird nun für uns in die Bresche treten? Wer wird in Zukunft Fürsprech sein bei den Behörden, wenn die ach! von allen Seiten leider so oft drohende .Gefahr herankommen wird. Möge der Herr in seiner Gnade andere.Männer erstehen lassen, die ihren Brüdern beistehen in der Stunde der Gefahr, die nicht achten ihrer eigenen Ehre und ihres eigenen Vermögens, wenn es gilt. Hilfe zu leisten, wenn es erforderlich ist. Möge der Herr in Seiner Gnade die trauernde Gattin trösten, die ihm ebenbürtig in jeder Beziehung und felsenfest im Vertrauen und in der Liebe zum Allgütigen, auch in dieser schweren Stunde anerkennt, daß, was von Ihm kommt, mag es uns gut oder schlimm erscheinen, mit Dank und Preis ausgenommen werden muß. - Möge der Herr in Seiner Gnade auch die trauernden Kinder und Enkel trösten, die stets in dem Vater und Großvater ein hehres Beispiel erblicken mögen, ihm nachzueifern in allen seinen hohen Tugen- . dem- - .N'2NN Zeitttirgsnachrkchtett rrrrd Eorrespondenzen. Deutschland. BreSlau, 2. Dez. Am 28. v. Mts. beging in voller Rüstigkeit der Oberlantor Spiro von der hiesigen Storchfynagoge seinen 70. Geburtstag. Mehr als dreißig Jahre hat er im Dienste der Gemeinde als Vorbeter wie auch als Mohel gewirkt. Durch fein klangvolles Organ, dem man jetzt nur wenig die Spuren des Alters anmerkt, wie durch Bewahren der alten, tradilionellen Weifen unserer Synagogengesange, hat er viel zur Erhebung des Gottesdienstes beigetragen. Noch immer lauschen die zahlreichen Besucher des ehrwürdigen Gotteshauses in andachtsvoller Stimmung — namentlich an den hohen Festtagen — seinem erhebenden Vorträge. Ein guter Kenner des talmudischen Schriftthums, ist er auch als Meister des hebr. Stils bekannt. Der Jubilar erfreut sich durch seine Pflichttreue, seine strenge Religiosität, durch sein schlichtes, biederes Wesen, nicht nur der Achtung und . Wertbschätzung des Gemeindevorstandes, sondern auch' der Sympathien weitester Kreise unserer großen Gemeinde. Nicht unvergessen sei hier seine wahrhaft kollegiale Gesinnung, die sich oft bethätigt hat in opferfreudigem Wirken für bedrängte Kollegen. Möge es dem Siebzigjährigen noch lange vergönnt sein, in körperlicher und geistiger Frische, im Vollbesitze seiner klangvollen Stimme die vielen Besucher unseres Gotteshauses zu erheben und erbauen. München, im Dez. (Sehen Sie, das ist ein Geschäft!) In den „Neuesten" war dieser Tage folgende vielsagende Annonce zu lesen: „Jsraelit. junge Dame (verheiräthet), welche gesinnt ist. einen anderen Glauben anzunehmen, sucht für sich und. ihre drei Kinder reiche Persönlichkeit als Pathen. Gütige Offerten unter-- befördert die Expedition." Vorsichtiger Weise hat die junge, israelitische Dame einstweilen nicht verrathen, welchen anderen Glauben sie anzunehmen beabsichtigt, denn sie konnte ja nicht wissen, ob die reiche Persönlichkeit, die sich zur Uebernahme der Pathenschaft meldet, katholisch, protestantisch oder türkisch ist. Hoffentlich findet sich kein Geistlicher eines christlichen Bekenntnisses, der es der smarten „Dame" ermöglicht, mit dem Taufwaffer ein Geschäft zu machen. Höchst i. C., 4. Dez. Ein großes Trauergefolgr bewegte sich vergangenen Sonntag nach dem israelit. Friedhofe Michelstadt. Galt es doch, dem nach 55jähriger, ersprießlicher Thätigkeit als Religionslehrer und. Jugendbildner, in die ewige Heimath abberufenen Herrn Jakob Gottschall die letzte Ehre zu-erweisen. Se. Ehrw. Herr Landesrabbiner Dr. Marx aus Darmstadt widmete dem Entschlafenen in der Friedhofshalle einen überaus ehrenden Nachruf. Unter Zugrundelegung der Textworte: vzv 1x20 2py» xrt rinn verglich Redner den von uns Hinweggegangenen Jakob Gottschall mit unserem Stammvater r2x spy\ Wie bei dem Wegzuge unseres Patriarchen Jakob -2-7 n;a rm n:s ,vm n:a der Glanz, das Licht unb. der Ruhm von seiner Heimath schwand, so sei auch mit dem Wegzuge dieses vtyrr pn der Ruhm