Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1903-12-10 · Heft 98 (10.12.1903) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 98 (10.12.1903)
Date
1903-12-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2449890-2449980--59626-2523884
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Auf einen Moment erhellte sich das Angesicht des dusteren Mannes, er nickte dem lieblichen Kinde freundlich zu, gleich darauf aber war dieser lichte Augenblick verschwunden, noch finsterer als vorhin blickte er vor sich nieder. Die Kinder hatten sich entfernt. Frau Müller hatte in der vorigen Nacht kern Auge geschloffen, trotzdem überlegte sie, ob sie nicht noch am heutigen Abend den Gatten bitten, ihn beschwören' sollte, den unheilvollen Entschluß, den er in Betreff des morgigen Tages gefaßt hatte, zu widerrufen. Aber der Schlaf überwältigte sie, ihr Haupt sank zurück in die Sophaecke und ihre Augen schlossen sich. Als sie wieder erwachte, waren die Sabbatlichter erloschen, trotzdem war es nicht vollständig finster, denn der Mond erhellte die Nacht. Sie blickte um sich. Müller hatte bereits sein Lager aufgesucht und seine tiefen, gleichmäßigen Athemzüge bewiesen, daß auch ihn der Schlaf übermannt hatte. Wie er so ruhig schlief, und plante doch so Entsetzliches. — Oder hatte er vielleicht seinen Entschluß geändert? — Sonst erschien es ihr kaum denkbar, daß er so sanft hätte schlummern können. Hoffend und bangend blickte sie nieder auf den schlafenden Mann, den Vater ihrer Kinder, mit dem sie bisher trotz kleiner Differenzen so glücklich gelebt. — Nein, es was undenkbar, er konnte nicht vor den Augen seiner Kinder den Sabbat entweihen, den er sie selbst gelehrt hatte, als eines der heiligsten Gottesgebote hoch und hehr zu halten. Jetzt ward sein Schlaf unruhig, er wälzte sich von der einen Seite auf die andere und seine Lippen flüsterten unverständliche Worte. Sie neigte sich über ihn und jetzt vernahm sie: „W'schomru b'ne Jisroel es Haschabbos." - Sie athmete schwer auf, war das ein gutes Zeichcn oder war's ein böses? '— Aber sie mußte sich niederlegen, sie fühlte sich vollständig erschöpft, sie mußte schlafen, schlafen, um sich zu stärken für die Aufgabe, die morgen ihrer harrte, um im wahrsten Sinne des Wortes dem irrenden Gatten eine Hilfe zu werden ihm gegenüber^ 7 .. Bleiern senkte sich der Schlaf auf ihre Lider, und ohne zu erwachen, schlief sie bis zum Morgen. Als sie die Augen aufschlug, fiel ihr erster Blick auf die Lagerstätte ihres Mannes. Sie war leer. Müller war. früher als sonst am Sabbat aufgestanden, sie horte ihn im Nebenzimmer beten. - Er betete. — Gottlob! Da konnte er doch nichts Böses sinnen. — Doch halt! — was betete et da? — Er mußte das Morgengebet bereits verrichtet haben und betete jetzt das Mußafgebet, zu dem er sonst immer in die Synagoge zu gehen pflegte. — Herr Gott im Himmel! Jetzt verstand sie's, er war früher aufgestanden, um früher zu beten, weil er dann hinunter in's Geschäft gehen wollte! — O diese Blasphemie! diese Blasphemie! ---- (Fortsetzung folgt.) '■***. rn’o «**'. Mitgeteilt von L. Cohen—Borken i. W. «nenpr NW2 Dips o'is* raün ,.is-r ny\ 12p Y.vn pnn>sY /nabe» Vtf »s‘sd rrbraa aaxi -nenSan xasS D’abvTrvöi -ei ’-sop N222 t2fn ^>2111 ♦nan "na raun tsmvi pnn rxi Einsender richtiger Losungen erhalten ein Bnä». Der § r ae l it“ erscheint wöchentlich jb w c lmiü, 33ontag* und Donnerstag*, jedesmal in mindestens zwei Bogen- Preis pro Vicrtcljabr bei der Voll 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher Man abonnirt gonzjährlich. halbjährlich oder vierteljährlich Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel vrrckrhrk durch V. Z7. S l ein ach ev, Veiprig, Rosgilah- )b. — Inserate 25 Pfennig die viergrspaltcne Nonparcillezeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Ncclamcthcil 75 Pfennig. — Tirccte Francoznfendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für's Ausland 16 Mark, an die Expedition franco einsenden. Post.eitungsliste 3932. Telephon 1015. Stcllcsuchcnde und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und streitag erscheinende »Kleine Ausgabe des Israelit" vier Wochen lang gratis und franco erhalten. Wünscht man den Empfang der «Kleinen Ausgabe" längere Zeit, so kann man sich für 25 Pfennige das Vierteljahr indcß ausschließlich bei der Post auf dieselbe unter Nr. 3933 abonnircn Auf Wunsch stunden wir dke Zahlung deS JnfertionSbetragS an außer Stelle Befindliche bis nach Erlangung einer solchen. „ . Inhalt (Hauptblatt): Mommsen und die iüdisLe Geschichte. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin Graudenz. Würzburg. Grob-Gerau. — Vermischtes. —.Feuilleton: Wahrheit und Dichtui'g (Feuilleton). Inhalt der ersten BrUaae: Cb- B. Rabinowitz?"L7. — Zeitungsnachrichten und.Corrcsvondenzcn: Deutschland: Brctzlon. München. Höchst i. O. Eydtkuhnen: Graudenz. Frankreich: Paris. — Mittheiluiigen aus den ludnchen Armenvcreinen und für dieselben: Fürth. — Vermischtes. Inhalt der rwrlten BtUage: Der Prszeh gegeit die Kischinewer Excedenten. Belletristische Beilage: Nach der lernen Station. — Der Jude (Fortsetzung). Ertra-Bellaac«: ittegüter der rituellen Speisehäuser und Hotel-Restaurants des «Vereins zur Forderung ritueller Sveischänser" (-sitz Hainburg). — Bestellkarte auf den .Israelit". Verantwortliche Redaktion OScar Lehmann in Maurz — .Erpedition des .Israelit". Schottftrahe Nr. 2. Mail« Druck und Vertag der Hoh. Wtrth'scken Hofbuchdruckerer Actien-Gesellschaftin Man«. Hierzu fünf Beilagen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.