Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 98 (10.12.1903)
- Date
- 1903-12-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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m zieht, wie dies Döllinger in seinem großen Werke „Judenthum und Griechenthum als Vorhalle zum Christenthum" thut, der versteht weder die Entstehung des neuen Glaubens, noch den blutigen Krieg, in den das verzweifelte Volk getrieben wurde. Weder Josephus noch alle Inschriften der Welt können hier allein als Quelle dienen. Auch den Aufstand des Bar-Kochba unter Hadrian versteht man nicht, wenn man nicht die Hoffnung auf messianische Erlösung, die tief im Judenthum wurzelt, stets im Auge behält. Und so stehen denn Mommsen und Gregorovius, in seiner sonst so vortrefflichen Monographie über „Kaiser Hadrian", diesen Kämpfen wie Fremde, wie kalte Beobachter gegenüber. Gallier, Germanen, Briten führten schwere Kämpfe gegen die Römer, sie kämpften für ihre Freiheit; aber die Judenkämpfe sind mehr, sie haben einen religiös-meffianistischen Charakter. Ein Einblick in das Buch Daniel mit seinen Schilderungen und Bildern, die damals vielfach auf das römische Reich bezogen wurden, hätte den neueren, nichtjüdischen Geschichtschreibern des jüdischen Volkes manches erklärt. So anregend und belehrend, so interessant und anziehend Mommsens Schilderung von „Judäa und den Juden" auch sein mag, ihr fehlt das tiefere Eindringen in das Wesen dieses unglücklichen Volkes, das ja doch nur aus seinem Schriftihum erfaßt werden kann. Die hervorragendsten Orientalisten wie Franz Delitzsch oder Wünsche haben dies erkannt. Und wie einstens Reuchlinus scheuten sie sich nicht, zu jüdischen Gelehrten zu geben und sich von ihnen über jüdisches Schriftihum belehren zu lassen. Dies wäre auch nothwendig gewesen. wenn Mommsen'.s Darstellung nicht nur blendend, sondern auch dem Charakter des jüdischen Volkes entsprechend hätte sein sollen. Ohne Kenntniß griechischer und römischer Quellen ist es schwer, griechische oder römische Geschichte zu schreiben, ohne die hebräischer, jüdische Historie. Und doch sei den Manen des großen Meisters für das Kapitel, das er der jüdischen Geschichte gewidmet. Dank gebracht. (Dr. M. G r L n f e l d in der „R. Fr. Pr.") Zettungsrrachrrchten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 6. Dez. Die Thätigkeit des „Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes" für die Erziehung jüdischer Fürsorge-Zöglinge erfreut sich immer größerer Anerkennung von seiten der höchsten Staatsbehörden. Das Preußische. Ministerium des Innern hat, wie schon früher die-Knaben-Erziehungs-Anstalt zu Nepzin, so auch jetzt die Fürsorge-Erziehungs-Anstalt für Mädchen in Plötzensee bei Berlin, den Oberpräsidenien und Kommunalverbänden für die Unterbringung entsprechender. Zöglinge bekannt gegeben. Ebenso hat das Grotzh. Hessische Ministerium des Innern den Ausschuß des Gemeindebundes als Behörde für die Unterbringung jüdischer Fürsorge- Zöglinge den ihm untergebenen Instanzen bezeichnet. Es ist speziell für Preußen das erste Mal, daß eine Staatsbehörde offiziell eine jüdische Institution als mittelbares staatliches Organ betrachtet und behandelt. — Die „Friedrich-Wilhelm-Viktoria - Stiftung" des „Deutsch-Israelit. Gemeindebundes" sieht sich genöthigt, ihre Aufforderung an die jüdischen Gemeindebeamten zu wiederholen, daß sie unsere Glaubensgenossen. die eine Lebensversicherung beabsichtigen, zum Anschluß an die Versicherungsgesellschaft „Viktoria" bestimmen. Rur durch die hieraus für die „Friedrich - Wilhelm - Victoria - Stiftung", vertragsmäßig erfließenden Einkünfte wird diese in den Stande gesetzt, den in immer weiterem Umfange an sie herantretenden Anforderungen der jüdischen Gemeindebeamtenschaft. um Erleichterung ihrer Lebensversicherungen gerecht zu werden. Versäumen diese Beamten, der dringenden Bitte der Stiftung nachzukommen, so schädigen sie dadurch ihren eigenen Stand auf das schmerzlichste. - Grairdcnz. In Angelegenheit meines Kalenders zum zweiten Male, dies Mal von Herrn Sulzbach selbst, angegriffen und verdächtigt, sehe ich mich veranlaßt, zur Steuer der Wahrheit und zur Wahrung meiner litterarischen Ehre, Folgendes zu erwidern: Herr Sulz buch selbst gibt zu:. 1) daß die V a r m i z w a h a n g a b e n z u - er st von mir bestimmt wurden (die Form, ist belanglos; diese überlasse ich meist dem darin erfahrenen Setzer); 2) daß e r die einschlägige Stelle in unserem Ritualkodex nicht kannte; 3) spricht er dann den hiernach geradezu komisch wirkenden Verdacht aus. daß ich eine unbestrittene Gesetzesbestimmung im Schulchan Aruch bewußt ignorirt hätte, um s e i n t r Autorität folgend, von ihm abzuschreiben. . •/ •> Ohne jeden Kommentar geht klar daraus hervor: 1) daß ich nicht nöthig habe, Kalenderangaben abzuschreiben; ' 2) daß Herr Sulzbach in religionsgesetzlicher Hinsicht nicht zuverlässig genug wäre, um ihm zu folgen; der untere 3) genannte Verdacht richtet nach all diesem sich von selbst. - : ‘v Ausdrücke wie „sich aus der Klemme ziehen" und „Verlegenheitsphrasen" weise ich als meiner unwürdig einfach zurück. Meine Selbstständigkeit und Gewisseni Hastigkeit auf dem Gebiete der Kaleuderberechnung