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Der Israelit · 1903-12-07 · Heft 97 (7.12.1903) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 97 (7.12.1903)
Date
1903-12-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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i 2147 mand bei Euch ermordet!" Ich sagte: „Komm, ich werde Dir die Lerchen zeigen, die im Blute liegen." Er tam dann mit mir zu jener furchtbaren Stätte, sah sich die Szene an und sagte: „Richtig!" Dann wandte er sich zum Gehen, wobei er unwillkürlich in die Blutlachen treten mutzte. Er hielt sich detzhalb eine Weile auf. um sich die Schuhe zu reinigen, lieh sich aber trotz des Flehens der jüdischen Bewohner nicht bewegen, auch nur das Geringste Zu deren Schuhe zu veranlassen. Diese schlichte Darlegung wirkte erschütternd ans alle im Gerichisfaal anwesenden Personen. Die Vertreter der Anklage beantragen die nochmalige sofortige Vorladung Solowkins. damit er mit Baranowitsch konfrsntirt werde, da er bekanntlich vor wenigen Tagen unter Eid ausgesagt hatte, er habe nicht gewußt, daß in seinem Rayon Mordthaien geschehen seien. Der Gerichtshof beschließt die Vorladung. Solowkin erscheint kreidebleich; Varonowitsch erinnert ihn an die Szene, wie er vor ihm auf den Knien gelegen und unter Hinweis auf das noch nicht getrocknete Blut seines Kindes ihn um Hilfe angefleht hatte.' Salowkin stellt alles in Abrede, er behauptet, er erinnere sich nicht mehr. Es wird Frau Baranowitsch, die Mutter des erschlagenen Knaben, verhört, die auf drei Mörder hinweist, welche sie mir einer Eisenstange schlugen, bis sie obnemachtig wurde. Ein Mädchen, Lea K i g i l l, bestätigt als Zeugin, daß die vier von Baranowitsch bezeichnten Mörder dessen Sohn, sowie Galanter erschlagen haben; sie war gleichfalls in .einem Verstecke und konnte die Vorgänge im Hofe beobachten. Zettimgsirachrlchtcn und Corresponden;erl. Deutschland. Mainz, 29. Nov. Heute vor hundert Jahren wurde in Altona Gottfried Semper, einer der bedeutendsten Künstler des 19. Jahrhunderts, geboren, der dem gesammten deutschen Baugewerbe Stil unb Richtung gab. Die erste Bau-Aufgabe, die er in Dresden übernahm, galt der Errichtung der Synagoge. Zu einer Verwirklichung -der Ideale des jungen Meisters war hier umsoweniger Gelegenheit geboten, als in Folge der knappen Mittel der damaligen jüdischen Gemeinde an allen Ecken und Enden gespart werden mutzte. Trotzdem verräth das Gebäude, ein romanischer Zentralbau, die glänzende Begabung Sempers, vor allem in der meisterhaften baulichen Charakteristik, in der weihevollen Monumentalität, die in der mächtigen achteckigen Kuppel, die den quadraten Pfeilerbau beherrscht und abschlietzt, zum Ausdruck gelangt. In der farbenreichen Dekoration des Innern weisen klar siilisirte maurische Motive auf die Welt des Orients hin. Besonders bezeichnend für den strengen Begriff von Stileinheit, den sich Semper schon damals zu eigen gemacht hatte, ist die Thatsache, daß er die Kultus- Geräthe und -Gefäße insgesammt selbst entworfen hat. Berlin, 30. November. Wir erhalten - folgende Zuschrift: Am gestrigen Tage fand hier eine Sitzung des engeren Ausschusses für die Gesammtorganisation der Israeliten Deutschlands statt; die von einigen dreißig Mitgliedern aus den. meisten Gegenden des Reiches besucht war. Diese Sitzung führte zu einem entscheidenden Ergebniß. Fünfstündige Debatten, an denen stch auch Landtagsabgeordneter Justizrath Cassel beiheiligte, überzeugten die Anwesenden von der Nothwendigkeit für unsere Glaubensgenossen. ihre Sache nicht ausschließlich bestimmten politischen Parteien anzuvertrauen, sondern selber in die Hand zu nehmen, sowie den Grundsatz der Oeffentlichkeit zu aceeptiren, schon damit jeder Verdacht geheimer Verhandlungen, Pläne und Umtriebe vermieden werde. Die von dem engeren Ausschüsse vorgelegten Satzungen für die Gesammtorganisation wurden mit einigen unwichtigen Abänderungen angenommen und der engere Ausschuß mit der endgültigen Fassung der Satzungen beauftragt. In einem der ersten Monate des kommenden Jahres wird die konstituirende Delegirtenversammlung der Israeliten Deutschlands einberufen werden. Horwitz. Philippson. Oesterreich. Wien. (D a s i st erlaubt.) Deutsch-nationale Studenten haben es durchgeseht, daß der seit langen Jahren an der hiesigen technischen Hochschule bestehende Chemisch-technische Verein seine Statuten einer Ae'nderung iw antisemitischen Sinne unterziehe. Es kam bei der Generalversammlung, welche sich mit dieser Statutenänderung befaßte, zu höchst drolligen prinzipiellen Erörterungen. Bei der Bestimmung, daß nicht nur Juden,' sondern auch Arier, welche mit Juden verkehren, aus dem Verein ballotirt werden können, fraate ein Mitglied der Versammlung, ob es dann auch verboten lei. bei Juden Nachhilfe-Unterricht zu eribeilen. Nein rief man ihm von allen Seiten zu. „das ist erlaubt!" Der Vorfall ist zu köstlich und zu tvvisch, als daß man an dieser Erscheinung des zeitgenössischen Antisemitismus achtlos vorbeiaeben sollte. Der deutsche Jüngling darf also mit einem Juden nicht gratis verkebren. sondern stch ihm nur aeqen Geld berdinaen. — Das ist der Sinn der Ausnabmsbestimmnng in den Statuten des Chemisch-technischen Vereins. Nur wo ein Profit berausschaut. darf , der stramme Antisemitismus weich werden, und um Geld durchrnlassen. dürfen die dicksten Prinrivien ohne Weiters durchlöchert werden. Ein praktischer germanischer Nallenstandpunkt, der dem geldgierigsten „Talmndjuden" zu schäbig wäre.

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