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Der Israelit · 1903-12-07 · Heft 97 (7.12.1903) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 97 (7.12.1903)
Date
1903-12-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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ökonomische Situationen* etc., die in Ihrem Artikel in der «Snamja" Vorkommen"? — Stepanow: Dies^Worte habe ich in meiner Grammatik gefunden.. .Damit endete für heute die Einvernahme dieses Prachtexemplars eines Mitarbeiters der vom Ministerium des Innern subventionirten «Snamja". Die strenge Prüfung dieses klassischen Entlastungszeugen ist aber noch lange nicht zu Ende, denn er wird noch später zugleich mit seinem Gesinnungsgenossen Pronin darüber vernommen werden müssen, welche Rolle sie beide an den kritischen Tagen gespielt haben. Es liegen mehrere Aussagen vor, daß die Excedenten von Pronin und Stevanow bewirthet, mit Geld reichlich versehen und angeeifert wurden. Der folgende Zeuge ist der Stellvertreter des Polizeipristaws des zweiten Stadtreviers Namens Dobroselsky. Er ist gleich seinem Kollegen Solowkin - (das ist der richtige Name des bereits oft erwähnten Polizeikommissärs) bemüht, die Juden als die ersten Angreifer und sogar als Plünderer und Zerstörer christlichen Eigenthums hinzustellen. Auf die Frage, ob er hierfür thatsächliche Beweise anführen kann, weiß Zeuge sich keiner bestimmten Fälle zu erinnern; sein Gedächtniß scheint ihn überhaupt im Stiche gelassen zu haben, da er sich selbst hinsichtlich der stadtbekannten Vorgänge nicht mehr genau zu entsinnen vermag. ... In der nachmittägigen Verhandlung legte >er Staatsanwalt Exemplare der Proklamation vor, die vor dem. Osterfeste zur Aufreizung gegen die Juden verbreitet worden waren. (Wir haben die gravirende Stelle bereits in voriger Nummer veröffentlicht.) S ch m a k o w verlangt, daß man einen der bekanntesten Mitarbeiter Kruschewans, M. L. Laso, als Zeuge vorlade; da dies vom Gerichtshöfe abgelehnt wird, stellt Schmakow das Ersuchen um Urlaub, da er in dringender Angelegenheit nach Moskau zu reisen habe. Während seiner Anwesenheit in Kischinew hat er im Redaktionsgebäude des „Bessarabetz" gewohnt. Die Kosten seines Aufenthaltes wurden von der sog. Wohlthätigkeitsgesellschaft „Bessarabetz", einer von Kruschewan. geschaffenen Institution, bestritten. Kischinew, 29. November. Gestern wurden fünfzehn Zeugen vernommen, darunter als erster der Revieraufseher Blagoj. Am 19. April hatte er in der Vorstadt Skuljanskaya-Nogatka Dienst; er sah eine Schaar, junger Bursche, gefolgt von ,einer größeren Menge erwachsener Männer, welche gegen die Juden loszogen. Ungefähr 200 Mann Militär.wären, in der Nähe postirt; sie leisteten den Plünderern Hilft. betheiligten sich an der Beute und hatten sich von den geraubten Gegenständen viel angeeignet.- Der Oberst des Regiments sah sich dann veranlaßt, eine Untersuchung einzuleiten, und drei Wochen lang sind beinahe täglich, aus den Plünderungen herrührende Sachen an das Polizeirevier abgeliefert worden..—. - . " , .; X-. . Der Präsident fragt den Zeugen: Wie haben sich die Juden wahrend der Exzesse verhalten? — Blagoj: Durchaus passiv; sie thaten nichts, was als Angriff hätte gedeutet werden können. — Prüf.: (zum Zeugen): Haben Sie es versucht, den Excedenten entgegenzutreten? — V'lagoj: Da es mir nicht zustand. Maßregeln zu ergreifen, beschränkte ich mich darauf, den Leuten Vorstellungen zu machen; sie lachten mich aber aus und erklärten: «Wie kommst Du dazu, uns das zu verbieten, da doch der heilige Synod uns gestattet hat, die Juden zu schlagen?* — Präs.: Was thaten die Polizeiwachmänner? — Zeuge: Sie waren ungehalten darüber, daß ich sie davon abhielt, sich ihrerseits zu betheiligen. Einer fragte mich, weßhalb ich für die Juden Partei nehme und nicht, wie in anderne Revieren, die Execdenten in ihrem Unternehmen unterstütze. In einem einzigen Falle konnte ich mit gezogenem Säbel einer Rotte entgegentreten, die einen Juden morden wollte, und diesem das Leben reiten. Der folgende Zeuge, ein anderer Revieraufseher Namens VorowitzkL aus dem zweiten Stadtbezirke, sagte in entgegengesetztem Sinne aus. Die Juden seien bewaffnet gewesen und hätten in seinem Revier die Christen geschlagen und mißhandelt. Auf die Frage nach der angeblichen Bewaffnung der Juden kann er nur sagen, daß mehrere junge Leute unter denselben Stöcke trugen und hierdurch aufreizend er- - schienen. Es wurden dann zwei Wachmänner vernommen, die ganz im Geiste ihrer Vorgesetzten auch ihrerseits die Juden als die Urheber der Excesse und demnach als . die Schuldigen bezeichneten. Don' besonderem Interesse war die Aussage des Besitzers der Theeschankwirthschaft «Moskwa", Namens G r i g o r i e w. In dessen Lokal ist das bekannte Pamphlet Pronins, in welchem zur Betheilig- und an den ' bevorstehenden Excessen aufgefordert wurde, zur Vertheilung gelangt. Auf die Frage, was . für Leute sein Lokal zu besuchen pflegen, erwidert der ..... Zeuge, daß sich bei ihm kleinere Kaufleute, Beamte und Handwerker einfinden, sowohl Christen als auch Inden. — Präs.: Wie verhielten sich die Juden und Christen zu einander? Saßen sie an denselben Tischen oder mieden sie sich gegenseitig?— Grigorjew:, Ich habe eine Spannung nie bemerkt. Es saßen oft Christen und Juden freundschaftlich beisammen. * Der nächste Zeuge .war ein Angestellter P r a - , n in s. Er sagt aus, er hätte am 19. April um 9- Uhr morgens gesehen, daß die Juden einen Christen " überfielen und verwundeten; er konnte aber seine Be-/ hauptungen im Kreuzverhöre,nicht aufrecht...erhalten,,,, .,

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