Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 97 (7.12.1903)
- Date
- 1903-12-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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44. M 97.' Gentrak-Hrgan für bas orthodoxe IudenLhum. Begründet von Nr. Teffntann in § Mo «tag, de« 18. Kiölcw 5664. 7. Dezember 1903. I» Kiorrß Wk« Lie'.Kislhwkwcr EMeotkil. Kisch inew, 27. November. Bei der heutigen Gerichtssitzung warf gleich die erste Zeugenaussage ein grelles Licht auf einen der wichtigsten Helfershelfer Kruschewans. Der Mann heißt Stepanow und ist seines Zeichens Handwerker; er spielt als Zunftobmann in seinen Kreisen eine gewisse Bolle, besitzt aber fast gar keine Schulbildung, und man weiß allgemein, daß er gänzlich unfähig ist, auch nur einige Zeilen abzufassen. Trotzdem ist er Mitarbeiter der „Snamja", und Kruschewan hat von ihm einen der wüthensten Hetzartikel gegen die Juden in seinem Blatte zeichnen lassen. Diesen Artikel, auf den Stepanow ungemein stolz ist, kennt er beinahe wörtlich auswendig, und als er heute als Zeuge vernommen wurde, deklamirte er ihn von Anfang bis zu Ende. Der Präsident hatte die ganze Zeit die „Snamja" vor sich liegen und darin die Aussagen Stepanows verfolgt. Sie hörte sich an wie die Deklamation eines Schulknaben und weckte allgemeine Heiterkeit. . Präs.: Wissen Sie denn nichts weiter auszusagen, als was in dem Artikel enthalten ist? Der Zeuge schweigt verlegen. — Präs.: Haben Sie auch noch an anderen Journalen mitgearbeitet, als nur an der „Snamja"? — Zeuge: Lch hatte nie Gelegenheit, .bei anderen Blättern mitzuarbeiten; jedoch die offizellen Eingaben an die Behörden, betr. die Handwerkerinnung, verfasse und schreibe ich immer selbst. (Stürmisches Gelächter.) Advokat Großmann: Haben Sie wirklich 'den in der...Snamja" erschienenen Artikel selbst verfaßt? — S i e v a n 0 w: Ja. — Advokat Grobmann : Dann erklären Sie mir folgendes Räthsel: Der Aufsatz in der «Snamja" ist in vorzüglichem Russisch, in litterarischer Sprache verfaßt, während ich hier eines der von Ihnen als Obmann verfaßten und eigenhändig geschriebenen Schriftstücke in der Hand habe (er zeigt ein solches vor), worin es in jeder Zeile von grammatikalischen und orthographischen Fehlern wimmelt. Advokat Groß mann verliest Satz für Satz diese authentische schriftliche Arbeit Stepanows, die allgemein erheiternd wirkt. . Der Zeuge wird verwirrt, faßt sich aber und erwidert: Dieses Schriftstück habe ich in großer Eile geschrieben, da ich zu einer korrekten Abfassung keine Zeit hatte, während ich für den Artikel in der „Snamja" 'mich durch einige Wochen unter Benützung von Lehrbüchern vorbereiten konnte. (Wiederholtes Lachen.) Warum lacht man denn darüber? Ich habe in Sachen der Handwerker anläßlich des in Petersburg abgehaltenen Kongresses der Zünfte Eingaben verfaßt, über welche Niemand gelacht hat. Karabischewski: In Ihrem Artikel in der „Snamja" kommt u. a. der Satz vor: „Ueber die' Juden werden noch alle Plagen ergehen, die über Pharao gekommen sind!" Können Sie vielleicht sagen, wer ist das „Pharao"? Was ist das für ein Mann? — Stepanow (denkt eine Weile in augenscheinlicher Verlegenheit nach): Ich glaube, daß dieser Name in der Bibel vorkommt!" — Karabtschewsk i: Gut. Wissen Sie auch, in welchem Lande Pharao gelebt hat? — Stepanow: Ich bitte um Verzeihung, ich habe in meinem Leben keine Geographie gelernt! — Advokat Grusenberg: Sie sind laut Ihrer Angabe ein ständiger Mitarbeiter an Kruschewans Blättern. Sie haben also gewiß den Artikel im „Beffarabeh" gelesen: „Die Assimilation der Juden"? — Stepanow: Ich glaube, man macht sich über mich lustig, daß man mich über unverständliche „türkische Dinge" ausfragt. Ich habe das Wort Assimilazija nie gehört. — Grusenberg: So? Und wie kommen Sie zu den Ausdrucken: „Kongreß, Kultur,