Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 84 (22.10.1903)
- Date
- 1903-10-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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ohne indiskret zu sein, fragen, welcher Art diese Beziehungen sind?" „Gewiß," entgegnete Pardubitzer. „der Kardinal schuldet mir 16,000 Goldgulden." „Würdet Ihr diese Schuld mir abtreten?" „Nicht gerne. Erstens ist der Schuldner gut und zahlt pünktlich seine Zinsen. Wäre es mir ernstlich darum zu thun, das Kapital zurück zu haben, so wäre das ein leichtes. Aber ich bin froh, daß es nicht zurückgezahlt wird, obwohl der Zinsfuß nur ein sehr mäßiger ist, weil ich gerne die Beziehungen mit dein Kardinal aufrecht erhalte zu Gunsten unserer Gemeinde. Der Kardinal ist den Juden von Haus nichts weniger als gewogen, er besitzt aber das Ohr des Kaisers. Es ist uns gelungen, schon manches Unheil zu verhüten, eben durch diese Beziehungen zu Kardinal Clesel. Dann würde eine solche Cession an Euch sich auch dem Kardinal gegenüber schlecht ausnehmenr" »Also Ihr wollt nicht?" erwiderte Beck gereizt. „Wenigstens will ich mir's überlegen," antwortete Pardubitzer. „Reden wir nicht mehr davon!" bemerkte mit erzwungener Gleichgiltigkeit Raphael Beck und verabschiedete sich bald darauf von Pardubitzer. Auf dessen Befragen theilte er mit, daß er sich mehrere Tage in Wien aufhalte und es jedenfalls zu ermöglichen suche, vor seiner Abreise noch einmal vorzusprechen. Als Beck das Haus verlassen hatte, schloß Pardubitzer sein Comptoir ab, um mit Ruhe über das Gehörte nachzudenken und seine Maßnahmen zu treffen. Bei dem Charakter, der Erregtheit und den weitgehenden Verbindungen Beck's war die Stellung und viel¬ 1826 leicht gar das Leben des Prager Oberrabbiners gefährdet. Wenn er (Pardubitzer) den Oberrabbiner direkt warnte, so werde es dem Scharfsinn Beck's nicht entgehen, von welcher Seite die. Warnung kam. Das würde einen ewigen Haß mit diesem einflußreichen, gefährlichen Menschen zur Folge haben, dem er nach Kräften aus dem Wege gehen wollte. Aber noch fester - stand seine Absicht, den Oberrabbiner auf die bevorstehende Gefahr aufmerksam zu machen. Pardubitzer hatte einen Schwiegersohn in Frankfurt a. M. Diesem schrieb er in heiliger Sprache den ganzen Sachverhalt und ersuchte ihn, von Frankfurt aus durch ein anonymes, nach Prag gerichtetes Schreiben den Roschhakohol auf den Ernst der Lage aufmerksam zu machen. Dieser werde dann mit dem Oberrabbiner Rücksprache nehmen. Er könne auch einfließen lassen, daß, wie er sicher wisse, man sich in Wien glücklich schätze, wenn der gefeierte Meister wieder nach dort zurückkehre. Diesen Brief schickte Pardubitzer mit Rücksicht auf die allgemeine Unsicherheit durch einen Extracourir nach Frankfurt a. M. und ersuchte feinen Schwiegersohn, ebenfalls den Brief nach Prag ver Extra-Postestafette zu senden. Mehr ließ sich für den Augenblick nicht thun, als höchstens die Wege und Besuche Raphael Beck's genau zu verfolgen. Dieses Amt übertrug Pardubitzer seinem ältesten Sohne, der allabendlich über alle Persönlichkeiten berichtete, die Beck im Laufe des Tages aufgesucht hatte. (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wilclsentltcli zweimal, montag* und Donnerstag*, jedesmal in mindestens zwei Bogen Preis pro Viert-ljabr bei der Post 3 Ma.k ohne Brstellaeld. Ausland entsprechend höher Man abonuirt aanzjähilich, halbjährlich oder vierteljährlich Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Vrr Buchhandel verkehr! durch V. F. § l ei n ack er, Vcipxig, Roßplah )0. — Inserate 25 Pfennig die vlerg.spaltene Nonpareillezeile oder deren Raum. Preis der Zeile im N<clamrtl,cil 75 Pfennig. — Tirecte Francozustndu, g unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oester reich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen öst.rr, sü,'s A'-Lland 16 Mark, an die Expedition frarco cinsenden. Postzeitungsliste 3932. Telephon 1015. Stellesuchende und sonstige Interessenten können ans Wunsch die jeden Tienstag und greitag erscheinende „Kleine Ausgabe des Israelit" vier Wochen lang gratis und franco erhallen. Wünscht man den Empfang d r »Kleinen Ausgabe" längere Zeit, so kann man sich für 25 Pfennige das Vierteljahr ind ß ausschließlich bei der Post ans dieselbe unter dir. 3933 abonnircn. Auf Wunsch stunden wir die Zahlung deS JnsertionHbetragS an außer Stelle Befindliche bis nach Erlangung einer solchen. . Inhalt (Hauptblatt) r Babel in der Bibel. — ^Zeitungsnachrichten und Crrrespondi-nien: Deutschland: Berlin. Breslau. Würzburg. Rostock. Malchin. Spandau. Oesterreich: Lemberg. Frankreich: Paris. Ntthland: Petersburg. Amerika: Philadelphia. - Vermischtes. Feuilleton: Rabbi Jom tob Lipman Heller (Fortsetzung). Inhalt der ersten Beilage: Die Jude,»frage in Frankreich im Jahre 178«.).— Zeitungsnachrichten u Correspondemen-. Deutschland: Berlin. Trier. Pädagogische Beilage: Gewährung und Versagung — bedeutungsvolle Erziehungsmittel. v?tra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. _.____'_ Verantwortliche Redactlon: OScar Lehmann ln Mainz. - Expedition deS ^Sraelit". Schottstrabe Nr- L Mainz. Druck und Verlag der I oh. Wtcth'sLen Hosbuchdruckerei Mtien-Gesellschaft ln Main». Hierzu drei Beilagen.