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Der Israelit · 1903-10-22 · Heft 84 (22.10.1903) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 84 (22.10.1903)
Date
1903-10-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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nach dem „Unteren Werd" an das Haus Rabbi Koppel Pardubitzer's fahren. Pardubitzer hatte, wie Beck wohl bekannt war, ebenfalls gute Beziehungen zu den Allerhöchsten Hof- und Veamtenkreisen. Diese wollte Vcck ebenfalls ausnützen, um seine schwarzen Pläne zu verwirklichen. Sein von Geld- und Ehrsucht durchwühlter Geist kannte keine Ruhe mehr, so lange er nicht den Oberrabbiner von Prag, diesen vermeintlichen Störer seines Glückes und seiner Ruhe, bei Seite geschafft hatte. Run wußte Beck, wie Pardubitzer mit allen Fasern seines Herzens an dem theuren Lehrer und Meister hing, daß er ihn also niemals zu einem direkten Schritte gegen Rabbi Jom tob Lipman Heller gewinnen werde. Aber indirekt, ihm die Ausnützung der guten Beziehungen zu überlassen, die Pardubitzer mit dem höchsten Wiener Adel und der Geistlichkeit unterhielt, das hoffte er bei seinem langjährigen Geschäftsfreunde zu erreichen. Natürlich erforderte das viel Borsicht und Umsicht. Es war nöthig, daß Pardubitzer die Ueberzeugung bekam, der Coup gegen den Prager Oberrabbiner sei schon vorbereitet und werde ausgeführt auch ohne Pardubitzers Mithilfe. Zu diesem Zwecke mußte Beck seinem Freunde schon einen Blick in sein Spiel gestatten, aber zu tief durfte er ihn nicht hineinschauen lassen, weil immerhin zu riskiren war, daß Pardubitzer die ganze Sache dem Qberrabbiner verrathe. Beck hatte sich keinen bestimmten Plan für die Behandlung Padubitzer's zurecht gelegt, sondern sich darauf verlassen, er werde im Laufe der Unterhaltung schon den rechten Weg finden. Pardubitzer war überrascht und erschreckt, als er seinen Geschäftsfreund bei sich Vorfahren sah. Er war zwar kein seltener Besuch, aber er war immer vorher angekündigt und durch die Lage des Geschäfts geboten. Aber heute lag nichts besonderes vor. Pardubitzers böses oder vielleicht richtiger gutes Genüssen erinnerte ihn beim Anblick Beck's, daß er ihm noch den Bericht über die Unterredung 'mit dem Oberrabbiner schuldig geblieben war. Rach den ersten Begrüßungsförmlichkeitcn fragte Beck seinen Freund: „Was meint Ihr wohl, weßhalb ich eigentlich hier bin?" „Bei Eueren vielseitigen persönlichen und geschäftlichen Beziehungen, die Euch mit Wien verbinden, ist das schwer zu sagen, zumal in unseren gemeinsamen Angelegenheiten mir nichts bekannt ist, das die weite Reise nach Wien verlangt." „Meint Ihr?" entgegnete Beck. „Erinnert Ihr Euch nicht mehr des Gegenstandes, dem unser letztes Wort in Prag galt, und über dem ich eigentlich noch ohne Nachricht von Ihnen bin?" Pardubitzer wurde roth und blaß, spielte einige Augenblicke mit der schweren goldenen Uhrkette, die ihm über die Brust hing und sprach dann verlegen: „Ich habe Euren Auftrag nicht vergessen, ich habe ihn sogar noch an demselben Morgen ausgeführt, aber —-" „Aber," fiel Beck rasch ein, als Pardubitzer stockte, „aber es bedarf Eurer Antwort nicht mehr! Ich habe sie vor vierzehn Tagen direkt von dem Oberrabbiner selber erhalten. Er hat mich statt mit 1400 Gulden, mit 2000 eingeschätzt! Zweifelt Ihr noch, daß hier ein Akt persönlicher Feindschaft vorliegt, den ich nicht ohne weiteres hinnehmen kann?" „Hat der Oberrabbiner Euch allein so hoch eingeschätzt oder hat er auch den Erech (Schatzung) der anderen erhöht?" fragte Pardubitzer. „Seid mauchel. lieber Freund," erwiderte erregt Herr Beck, „aber Ihr redet wie ein Kind. Ein Narr ist unser Oberrabbiner nicht. Selbstverständlich hat er zur Dekoration auch andere in die Höhe geschraubt, das konnte er nicht anders, ebenso hoch wie ich ist keiner eingeschäht!" „Aber das war doch auch vorher so?" entgegnete Pardubitzer. - „Ich sehe," erwiderte Beck, „wir beide werden auf diesem Wege nicht einig. Die Sache muß ich behandeln, wie ich sie auffasse und nicht wie ein anderer darüber denkt. Meine Vermögensverhältnisse kennt Niemand so gut als ich selber. Auf Grund dieser Kenntniß weiß ich, daß man mir ein Unrecht thut, das ich mir nicht gefallen lasse. Ich habe den Oberrabbiner schon damals durch Euch warnen lassen; er hat meineWarnung durch eine Steuererhöhung höhnisch in den Wind geschlagen. Nun werde ich ihm zeigen, daß Raphael Beck nicht der Mann ist, der sich in dieser Weise behandeln läßt. Ich werde nicht ruhen und rasten, bis er wieder von Prag fort' ist, und wenn ich bis an den Kaiser müßte." „So gern hättet Ihr Eueren Führer nicht fort." entgegnete Pardubitzer, „als wir Wiener ihn gern wieder hier hätten. Vielleicht ließe sich die Sache gütlich auf diese Weise erledigen?" „Glaubt doch so was nicht," warf Beck aufgeregt dazwischen. „Wenn er in Wien sein wollte, wäre ec nicht nach Prag gegangen. Er geht auch heute nicht wieder nach Wien, es wäre denn in Ketten, und daß es dazu kommt, dafür werde ich sorgen!" Diese Worte hatte der sonst so gesetzte, gelassene Beck mit einer Erregung gesprochen, wie sie Pardubitzer noch nie an seinem Freunde beobachtet hatte. Er hielt betroffen inne und die Unterhaltung stockte einige Augenblicke. Während derselben hatte Beck seine Ruhe wieder gefunden, und als ob gar nichts vorgefallen wäre, fragte er in trockenem, geschäftsmännischem Tone: „Habt Ihr mir früher nicht einmal gesagt, daß Ihr Beziehungen zum Kardinal Clesel habt, darf ich.

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