Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 84 (22.10.1903)
- Date
- 1903-10-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449890-2449966--59261-2523830- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
1824 Spandau, 20. Oft. In dem nahegelegenen Haselhorst bei Svandau ist bekanntlich eine große Armeekonservenfabrik. Wie gemeldet wird, Hai dort jetzt die Schlachtperiode begonnen, es sollen 3000 Ochsen bester Qualität verarbeitet werden. Des weiteren wird in der Zuschrift hervorgehoben, daß beim Tödten der Rinder seit einiger Zeit in Haselhorst die Schächtmethode angewendet wird. Oesterreich. Lemberg, 20. Oft. Wie der „Neuen Fr. Presse" von hier gemeldet wird, ist in Czorikow der bekannte Rabbi Friedmann, der auf die orthodoxen Juden in Galizien und Bukowina großen Einfluß ausübte, im 92. Lebensjahre gestorben. F t a n t t t l dj, Paris. (E i n Juden st aat aus Madag a s k a r?) Neben Rußland, wo sich Stimmen erhoben haben, den Juden eine autonome Heimstätte auf russischem Machtgebiet anzubieten, erscheinen nunmehr auch Franzosen auf dem Plane, um darauf hinzuweisen, daß Frankreich eigentlich in dieser Sache die Initiative ergreifen müßte. So äußert sich in dem Organ Georg Clemanceaus „L'Aurore" der bekannte Journalist und Politiker Maurice Le Blond folgendermaßen: „Es ist wahr, daß die Restauration Palästinas uns etwas mystisch erscheint, aber andererseits ist die Lage der Juden in Rußland unerträglich geworden. Wir dürfen uns nicht mehr mit platonischen Protesten begnügen, es muß eine Lösung herbeigeführt werden. Die englische Regierung erklärt sich bereit, ein ostafrikanisches Gebiet den Juden zur Verfügung zu stellen. Wären wir noch die erste Nation der Welt, so wäre es an Frankreich, der „vroit8ck6l'ßomllt6"(Ges. z. Währung der Menschenrechte), diese Initiative zu ergreifen. In unseren Kolonien, zum Beispiel in Madagaskar, müßten wir die Opfer der russischen „Toleranz" beherbergen." Rußland. Petersburg. (Wendung in der russischen Judenpolitik.) Das Anerbieten der englischen Regierung, den Juden in Uganda (Britisch- Ostafrika) Land für eine Kolonie zu überlassen, soll in Petersburg zu Erwägungen geführt haben, die ein günstigeres Geschick für die Juden in Rußland herbeiführen können. Der offizielle „Warszawski Dnewnik". das Organ des Warschauer Gouvernements, schreibt wörtlich: In Wirklichkeit würde dann (im Falle der Ausführung des Uganda-Projekts) der beste Theil der Judenschaft, der am meisten produktive, jener, der am meisten befähigt ist, dem Staate Positives und Werthvolles zu geben, aus Rußland auswandern. Wir werden einen Theil unserer Upterthanen, denen wir große Kräfte für die Lebensfähigkeit des russischen Reiches entnehmen könnten, an England abgeben. England aber wird die Juden benützen, um Erfolge zu erzielen, die zu erzielen wir uns als unfähig erwiesen haben. Warum aber sollen wir England ein Geschenk machen? Wäre es unmöglich, bei uns ein Gebiet in der Wand-- schurei oder am Pamir oder sonst irgendwo den Juden anzubieten, wo ein iqit Autonomie versehenes Gemeinwesen unter russischer Oberhoheit geschaffen werden könnte?" Zu diesem Artikel ist zu bemerken, daß „Warszawski Dnewnik" ein offiziöses russisches Organ ist, das bisher eine durchaus judenfeindliche Haltung einnahm und die Auswanderung der Juden aus Rußland für zweckmäßig erklärte. Amerika Philadelphia. (Rabbinerkongreß.) Vor einigen Tagen ist hier der zweite Jahreskongreß der orthodoxen Rabbiner abgehalten worden. Die Errichtung von Parochialschulcn für Religions- und wissenschaftlichen Unterricht wurde lebhaft befürwortet und den Gemeindevorständen empfehlen, lieber Trauungen und Scheidungen wurde in großer Ausführlichkeit berathen und der Beschluß gefaßt. Trauungen nur dann vorzunehmen, wenn die vom Landesgesetz dafür vorgeschriebenen Formalitäten erfüllt sind, und Scheidungen nur in solchen Fällen auszusprechen, wo die betreffenden Parteien vom bürgerlichen Richter bereits geschieden sind. Trauungs- und Scheidungsurkunden sollten nur von Mitgliedern des Rabbinerverbandes und von solchen Personen ausgestellt werden, die durch Diplome dazu berechtigt sind. Es sind leider in den letzten Jahren häufig von unqualifizirten Personen Trauungen vorgenommen und Scheidungen ausgesprochen worden, die vor den Staatsbehörden ungiltig waren, und die betheiligten Personen wurden dadurch in große Ungelegenheiten gebracht. vermischtes. Mschirrew. Die Emigration der Juden aus Kischinew nach dem Auslande nimmt immer größere Dimensionen au. Vom 15. Juni bis zum 1. September wurden vom Polizeimeister der Stadt Kischinew an 182 jüdische Familien Auslandspasse ertbeill. Odessa. Die hirsiac Universität wurde vom Minister angewiesen, 26 Juden über die Norm aufzuncbmen. Fenilleto «-* Wi %m loli SiDiimn HM. o] Von Heinrich Lebermann, vni. Mit verschmitztem, selbstzufriedenem Lächeln schritt Veck die große Freitreppe des Kanzlerpalais herab, warf sich in seinen Wagen und ließ denselben