Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 84 (22.10.1903)
- Date
- 1903-10-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Kospoth. Veranlassung zu einer amtlichen Bekanntmachung in Nr. 42 des Oelser Kreisblattes vom 28. Septmber. Darin seht der Landrath auseinander, weßhalb seit Jahren allgemein die Anberaumung des Mutzelj markte« auf den 1. Oktober erfolgt ist. Jüdische Kaufleute von Oels hätten ihn ersucht, den Mutzrlmarkt des Versönhungsfestes wegen zu verlegen, weil sie selbst geschädigt wurden, wenn sie gehindert würden, der ländlichen Beorderung am Markttage Maaren zu verkaufen, und weil auch die Marktbesucher zum Theil verhindert würden, ihre Besorgungen zu machen, wenn sie nicht die gewohnte Auswahl an. Geschäftslokalen und Maaren fänden. Dies Gesuch habe er abgelehnt:, „weil ich bei der hinreichenden Anzahl nichtjüdischer Geschähe die in Bezug auf den Vortheil des Publikums geäußerten Befürchtungen nicht theile, und im übrigen einer einzelnen Klasse der Bevölkerung nicht das Recht zugestehen kann, lediglich im Interesse ihres Geschäfts auch nur ausnahmsweise die Aufhebung einer allgeniein bestehenden Einrichtung zu beanspruchen. Ganz anders läge der Fall, wenn mir nachgewiesen wäre, daß in Folge des Feiertages die jüdischen Kaufleute aus Rücksichten des religiösen Kultus verhindert seien, Dienstboten zu miethen; alsdann hätte ich diesen Grund respektirt." Der Regierungspräsident aber habe „nach Bekanntgabe meines ablehnenden Standpunktes" sämmtliche Landräthe dienstlich angewiesen, die von ihm verfügte Verlegung des Vermiethungstages auf den 2. Oktober d. I. bekannt zu machen. „Indem ich dieser.Weisung meiner Vorgesetzten Dienstbehörde hierdurch pflichtmäßig Folge leiste," so schließt die Erklärung des Landraths, „habe ich es doch für erforderlich erachtet, die Gründe für meine entgegengesetzte Stellung zu dieser Frage — auch mit Rücksicht auf die politischen Zustände im hiesigen Wahlkreise — an dieser Stelle amtlich bekannt zu geben, um ersichtlich zu machen, daß keine bloße Willkür ihr zu Grunde liegt." Würzburg, im Okt. vLni ntsw Tin sv pns nrr'ir> „Das Scheiden eines Frommen aus der Stadt ist von fühlbarem Eindruck." Wie sehr mußten wir diese talmudische Wahrheit bei dem so unerwarteten Hinscheiden eines unserer besten, edelsten Männer, eines eifrigen, Lberzeugungstreuen Jehudi und hervorragenden Wohlthäters, des Herrn Kaufmann Levy Forchheimer dahier, erfahren. Den Jom Kippur noch faltend und betend verbringend, mit nso sich noch beschäftigend, sollte es ihm nicht mehr vergönnt sein, letztere zu benützen; am zweiten Tage dieses Festes hauchte der Fromme, wie bereits kurz berichtet, seine reine Seele aus, '■© tziw \sbmb um im Schatten des Allmächtigen zu weilen, das r.'vun in, das Fest der Einsammlung zum himmlischen Vater 2« HvN cbm zu feiern und zu genießen. Ja für ihn war der Scheidetag aus dem Erdenleben ein Erntefest, an dem er sein reiches Saatfeld im öffentlichen wie im Privatleben einheimsen sollte. Denn wie selten einer wirkte der - Dahingeschiedene überall da thatkräftig mit, wo es sich ' um Wahrung des Religonsgesetzes, um Errichtung und Erhaltung von' Wohlthätigkeits-Jnstitutionen handelte, wo zu helfen und zu verbessern war. Diese seine Hingebung, Thatkraft und Opferwilligkeit fand allseitig die entsprechende Anerkennung .und so kam es. daß ihm in der Gemeinde so viele Ehrenstellen übertragen, von arm und reich, hoch und nieder so viel Vertrauen entgegengebracht wurden. So war Forchheimer seit 14 Jahren ununterbrochen Mitglied der Kultus-Verwaltung, als welches er sich durch regelmäßige Theilnahme an den Verathungen und thatkräftiges Mitwirken am Gemeindewohl auszeichnete. Die israelitische Kranken- und Pfründneranstalt hatte in ihm einen eifrigen, warmen Vertreter, sowohl hinsichtlich ihres materiellen Standes, als in der Pflege der Kranken und Insassen. Als Kaffirer des Frauenvereins seit 2o Jahren hat Forchheimer Hochverdienstliches geleistet. Das Vereinsvermögen zu wahren und zu mehren, war zunächst seine Sorge, nicht minder aber auch die Erreichung des Vereinszweckes, die richtige Verwendung der Mittel für Dürftige und Nothleidende. Sein besonderes Augenmerk richtete er in dieser Beziehung auf die sog. verschämten Armen, und mit der größten Schonung und Rücksicht wußte er die Zuwendung anzubringen. Er war in dieser Hinsicht der zärtlichste Vater der Armen, und wer sonst Niemanden seine Lage offenbarte, der that es vertrauensvoll Forchheimer gegenüber. Auch auf die praktische Ausübung der Vereinspflichten in Liebesdiensten Kranken. Sterbenden und Trauernden gegenüber, wirkte er anregend und aneifernd. Ebenso erwarb er sich als Mitglied in der Verwaltung des Hilfs- und Wanderunterstützungs-Veceins hohe Verdienste. Wie sehr er bereit war. seine Kraft und. Zeit in den Dienst des Guten und Edlen, des Wahren und Höheren zu stellen, bewies sein Interesse an der isr. Präparandenschule zu Höchberg, so daß ihn das Kuratorium desselben zu seinem Vorsitzenden erwählte. Mit unverdrossener Hingebung und vielem Verständniß widmete er sich auch dieser Aufgabe, was besonders bei Ernennung von neuen Lehrkräften zur Geltung kam. Das war das öffentliche Wirken Forchheimer's. In seinem Privatleben war er der echt fromme, bescheidene Mann, der sorgsame, pflichtbewußte und beflissene Familienvater. Unter gleicher Mitwirkung seiner edlen, in der öffentlichen Wohlthätigkeit hervorragenden Gattin, war sein Haus ein echt religiöses, qastfreundliches, für Thorabeflissene und Hilfsbedürftige stets offenes. Die Kindererziehung war eine verständnißvolle, vom Geiste der 'Thora und Religion durchdrungene, so daß der Edle das Bewußtsein mit in's