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Der Israelit · 1903-10-22 · Heft 84 (22.10.1903) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 84 (22.10.1903)
Date
1903-10-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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nehmsten ist. Und nach diesem Rezept wurde auch in der Versammlung verfahren." — Der Spott, mit dem das Antisemitenblatt von seinem Standpunkt aus die Herren Missionare verfolgt, ist in diesem Falle nur zu berechtigt, denn die Hauptsache hatten sie vergessen, das Seifenpulver! Berlin, 12. Olt. Die heutige Repräsentantensitzung bot sehr wenig, man befand sich noch unter dem friedlichen Eindruck der Festesstimmung.' Die Quote. für die Gemeindesteuer wurde auf 21/40 pCt. des Einkommens festgesetzt. In den Schul- und Talmud- Thoravorstand wurden die Herren Sanitätsrath Dr. Stein, Prof. Kalischer und Dr. Schäfer gewählt. Frau Johanna Meyer geb. Alexander hat dem Krankenhause 1000 Mk. zugewandt. Eine veränderte Vertheilung der Traugebühren wird genehmigt, auch sollen in Zukunft die Inschriften auf den Leichensteinen von der Friedhofs-Kommission geprüft werden. Es folgen Rechnungsabschlüsse. Das Reichenheim'sche Waisenhaus barg 74 Zöglinge, von denen 33 die Gemeindeknabenschule, 20 die Gemeindemädchenschule, die übrigen andere Lehranstalten besuchten. Die entlassenen Knaben wurden meist Handwerker, die Mädchen Putz macherinnen und Buchhalterinnen. Die Gemeinde gab einen Zuschuß von 29,883 Mk. Dieser, sowie die beiden folgenden Abschlüsse werden deckiargirt. Bei dem Abschluß der Friedhofs-Kommission bittet Herr Kommerzienrath Friedländer, dem Wunsche vieler Gemeindemitglieder Rechnung zu tragen, an den Feiertagen Beamte anzustellen, um eine Beerdigung anzumelden. Rach unserer Meinung dürsten solche Beamte doch nur Nicht-Israeliten sein. E. R. Berlin, 16. Okt. „lieber die Stellung der Juden zu den politischen Parteien" referirie gestern Rechtsanwalt Sonnenfeld im „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens". Abgesehen von den reinen Antisemiten und Deutsch-Konservativen könnten die Juden Kandidaten aller Parteien ihre Stimme geben, auch der größere Theil des Zentrums werde die Rechte der Juden nicht beschränken lassen. Der Sozialdemokratie könne man in der gleichen Frage volles Vertrauen entgegenbringen, dagegen trete sie in positiven Fragen nur sehr kühl für die Juden ein. Auch fehle es bei ihr an gelegentlichen Ausfällen gegen die „jüdischen Ausbeuter" u. dgl. nicht. Die Freisinnige Vereinigung sei stets mit Feuer und Wärme für die Juden eingetreten, hoffentlich werde sie die Nationalsozialen, die bisher in der Judenfrage unsichere Kantonisten waren, zu ihrem Standpunkt bekehren. Die Freisinnige Volkspartei suche man neuerdings durch Verdächtigung ihrer Führer in den Geruch des Antisemitismus zu bringen. Es sei dies eine krasse Undankbarkeit gegen. Eugen Richter und die gesummte Parteileitung, die vielfach jüdische Kandidaten aufgestellt, aber damit gerade bei den jüdischen Leitern der lokalen Parteiorganisation wenig Anklang gefunden habe. Angesichts der Aufstellung von drei jüdischen Landtagskandidaten in Berlin, werde sich mancher Jude fragen, ob nicht damit des Guten zuviel gethan sei. Kopsch habe im Zentralverein gegen den'Antisemitismus gesprochen in einer' Weise, daß ein rechtsstehendes Blatt von ihm als dem „unbegreiflicherweise noch immer nicht zum Judenthum übergetretenen Herrn Kopsch" sprach. Und dieser Mann werde jetzt des Antisemitismus verdächtigt. Wenn die Juden so gegen ihre besten Freunde aufträten, wer werde sich noch für sie in's Zeug legen wollen? Mehr Selbstbewußtsein und Stolz, aber auch weniger Aengstlichkeit und Mißtrauen sei den Juden zu empfehlen. (Beifall.) In der Debatte erklärte Dr. Lewin, die antisemitischen Untcrströmungen fänden in der Partei allzu, große Berücksichtigung. Der Fall Krisch sei den Freisinnigen recht peinlich. Die jüdischen Abgeordneten hätten der Parteileitung aufgezwungen werden müssen. Für die rumänischen Juden sei wohl der Sozialdemokrat Bernstein, aber kein einziger Freisinniger im Reichstage eingetreten. Dr. Moses weist darauf hin, daß weder Kopsch, noch die Parteileitung gewagt hätten, die in einem offiziellen Aktenstück niedergelegten Thatsachen klipp und klar als unwahr zu bezeichnen. Es sei ja auch nur ein Glied mehr in der Kette von Beweisen für den versteckten Antisemitismus der freisinnigen Parteileitung. Mag sein, daß die Juden vielleicht überempfindlich seien, aber die freisinnige Pa.rtei habe darauf Rücksicht zu nehmen. Der Ehrentitel einer Judenschutztruppe gebühre nur der Freisinnigen Vereinigung. Abg. Müller- Sagan bezeichnet es als bodenlose Lächerlichkeit, die freisinnige Parteileitung antisemitischer Neigungen zu bezichtigen. Bei Aufstellung von Kandidaturen müßten allerdings alle Verhältnisse in Rechnung gezogen werden, um den Erfolg nicht zu gefährden. Die Anschuldigungen gegen Kopsch seien nur auf einen Racheakt Bernsteins zurückzuführen. Die Partei lasse schon aus Prinzip die Rechte der Juden in keiner Weise, antasten. (Beifall.) Von Interesse war noch die Mittheilung des Vorsitzenden. Rechtsanwalts Dr. Horwitz, daß die Freisinnige Volkspartei ihm, wie dem zweiten Vorsitzenden, Rechtsanwalt Dr. Fuchs, Reichstagskandidaturen angeboten habe, die sie aber aus Mangel an Zeit abgelehnt hätten. BrcStau, 19. Okt. Ueber eine interessante Controverse zwischen Landrath und Regierungspräsident wirb berichtet: Einige Kaufleute aus Oels und Bernstadt hatten sich an den Landrath Grafen v. Kospoth mit der Bitte gewandt, den Mutzelmarkt (Vermiethstag), mit Rücksicht auf das Versöhnungsfest vom 1. auf den 2. Oktober zu verlegen. Der Landrath beschied die Petenten abschlägig. Der Breslauer Regierungspräsident verfügte indessen, daß die Verschiebung zu erfolgen habe. Dies gibt dem Landrath, Grafen von wwwguguii

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