Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 83 (19.10.1903)
- Date
- 1903-10-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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2Ü 1809 WNSMSW schlafene war und schloß mit einem Gebet. Alle vier Redner wirkten tief ergreifend auf die Zuhörer und ihre Reden werden hier noch lange in aller Gedächtniß bleiben. An der Feier nahm auch theil der Landrath des Kreises Jarotschin, Mitglieder der Stadtverordneten-Versammlung und des Magistrats. Auch die Nachbargemeinden hatten Vertreter entsäüdt, um den Entschlafenen zu ehren, dessen Andduke» in unserer Gemeinde beständig fortleben wird. Oesterreich. Wien, im Okt. Aus Przemysl wird dem „Jsr. Gemdbl." geschrieben: Durch einen Befehl des zehnten Corpscommandos wurde sämmtlichen kommandirenden Offizieren aller Waffengattungen zur Pflicht gemacht, die Soldaten darüber zu belehren, warum ste trotz der beendeten dreijährigen Dienstpflicht noch weiter in den Kasernen bleiben müssen. Ob bei dieser Gelegenheit den Offizieren auch die entsprechenden Weisungen gegeben wurden, wie und mit welchen Argumenten ste die Propaganda bei den Soldaten zu machen haben, wissen wir nicht; wir kennen jedoch den genauen Wortlaut einer solchen Rede, einer wahren Brandrede, die der Oberleutnant Formanek von der.zehnten Kompagnie des zehnten Infanterieregiments vom Stapel ließ. Der Herr Oberleutnant führte seine Soldaten während einer Uebung in ein abseits liegendes Wäldchen, und dort hielt er folgende Ansprache: „Soldaten des dritten Jahrgangs, J.hr solltet jetzt nach Hause gehen, und wenn Ihr nicht gehen werdet, die Schuld daran tragen die Juden. Die österreichischen und insbesondere die galizischen Juden wandern nach Ungarn aus, dort magyarisiren sie sich und agitiren gegen Oesterreich. Die Juden, die in Oesterreich Haustrer und Händler sind, bekommen in Ungarn hohe öffentliche Würden, und detzhalb bekämpfen ste Oesterreich. Das, was die Ungarn verlangen, wird ihnen niemals bewilligt. Weil man jedoch mit den -Ungarn im Guten nichts ausrichten kann, werden wir bald scharf gegen sie Vorgehen müssen. Wir werden nach Ungarn einmarschiren und die Leute dort durchprügeln, dann werden die erst Ruhe geben! Deßhalb seid jeden Augenblick darauf vorbereitet, daß wir nach Ungarn gehen und uns dort schlagen werden. Und sollte cs zur Schlacht kommen, dann sollt Ihr es Euch merken, daß die Juden es verschuldet haben!" Diese Ansprache blieb nicht ohne Wirkung. Auf dem Heimwege von den Uebungen bedrohten die Soldaten die Juden, die ste unterwegs trafen, wie auch ihre eigenen jüdischen Kameraden. Ein blutjunger Kadett bei der nämlichen Kompagnie, Namens Pischek. beschimpfte dabei die iüd. Reservisten auf's Gröblichste. Rußland. Hornel, im Okt. In den Berichten über die Unruhen in Homel vom 11. bis 14. September ist wiederholt erwähnt worden, daß die Polizei und das Militär die Plünderer haben gewähren lassen, aber jedesmal' gegen die Juden eingeschritten seien, wenn diese sich zur Wehre setzten. Diese schier unglaublichen Mittheilüngen scheinen durch die Aussagen der von der Polizei vernommenen Personen bestätigt zu werden. Wir entnehmen diesen Zeugenaussagen Folgendes: ' Ein Christ sagt aus und ein Angestellter in. einem Magazin bestätigt es: Bon dem Kabinet des Dentisten Pewsner bis zur Wohnung des Dr. Eheifcz nahmen an den Demolierungen auch vier Polizisten und ein. Gendarm theil. Hinter ihnen ging der zweite Polizeichef der ersten Stadtabtheilung. Sie alle, mit Aus-' nähme des Chefs, warfen Steine in die jüdischen Fenster. Angestellter einer Transport-Gesellschaft: Montag (14. Sept.) früh um 8 Uhr ist der Zeuge zu dem. Hause, wo sich das Kontor der Gesellschaft befindet, gekommen und wendete sich an den Polizeichef Czernoluski, der mit einer Patrouille dastand, mit der Bitte, er möge drei Soldaten an das Thor zur Beschützung des großen Waarenlagers stellen. Czernoluski antwortete: „Ich kann die Kompagnie nicht theilen." Der Offizier, welcher die Patrouille kommandirte, antwortete auf seine Bitte: „Aber in der Gesellschaft' dienen doch keine Russen!" . . Ein Hausbesitzer, ein anderer Mann gleichen Namens und ein Lehrer:- Eine Abtheilung Soldaten', angeführt von einem Pölizeichef, und Gendarmen zer-. sprengten einen Haufen Juden und säuberten den Weg fjir die Plünderer, die einen Theil der Häuser der Rumjanzowsschen Straße bei dem Krankenhause zerstörten. Dabei hörten die Zeugen, wie die Frauen des Generals Tetijew und des Bezirksgerichtsmitgliedes Melnikow den Räubern zuriefen: „Schlaget die Juden!" Ein Zeuge aus der Samskowaja-Straße: Sein Haus wurde zweimal geplündert. Zwei Räuber, mit Keulen bewaffnet, schlugen vor den Augen der Polizei alle Juden, die nach dem Bahnhof vorbeifuhren. Erst als das Publikum, über das Benehmen der Polizei empört, zu schreien anfing, trieb man die Räuber fort. Umveit vom Hause des Abram Paley hatten sich ungefähr 100 Juden zur Abwehr gegen die Räuber aufgestellt. Sie wandten sich an einen Offizier, der eine Truppenabtheilung kommandirte, . mit der Bitte um Hilfe. Diese wurde ihnen versagt. Polizei war nicht zugegen. Der Offizier befahl den Juden, auseinanderzugehen, und ohne das Resultat seines Befehls, abzuwarten, ließ er eine Salve auf die Juden,abgeben..-, in Folge dessen sechs Mann fielen. Die Juden, kletterlen durch eine Hecke in den Garten Lykows und. von dort erschossen sie zwei Plünderer. Die Bande ging weiter und der Offizier ließ es geschehen. Ein Christ: Am Freitag den .11. September rettete der Zeuge mit großer Mühe einen Juden, der bei seinem Hause von den Räubern überfallen wurde.