Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 83 (19.10.1903)
- Date
- 1903-10-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1808 schaftler zu tverden, da habe ich angeklopft an dieser Kneipe und an jener Kneipe, ganz bescheiden und lrummbucklig. wie ein kleiner Kleiderjude . . . Kaum haben sie meine Nase gesehen, kaum haben sie gehört: Siegfried Markuse — Was? Siegfried Markuse? . . Bedauern — unsere Fuchse sind vollzählig .. ." Der Vater sagt dann pathetisch: „Wir wollen Menschen sein"; damit meint er die Kluft zu Überdrücken. Gewiß: Mensch sein! Aber was versteht er darunter? Einen Charakter haben. So oder so. Entweder oder. Nicht katzbuckeln, aber auch nicht schwindeln und lugen. Sonst wird' man immer den Juden herausschmeißen — und mit Recht. Das lassen Sie sich gesagt sein — Herr Dr. Markuse — wenn es einen solchen Rabbiner gibt. Ich glaubt nicht. ZeLLurrgsriKchrLchterr und Corresporrdenzeir. Deutschland. Berlin, 16. Oft. Die „Staatsb.-Zeitung" sucht für ihre antisemitischen Zwecke Kapital daraus zu schlagen, daß die im Interesse ihres Verlegers, Reichstagsabgeordneten Vruhn. und ihres Redakteurs Dr. Bötticher eingereichten Gnadengesuche um Umwandlung der gegen sie erkannten Gefängnißstrafen von sechs Monaten bezw. einem Jahre in Festungshaft ab-' schläglich beschieden wurden, während bekanntlich das Gesuch des Moritz Lewy und vor nicht langer Zeit auch ein Gnadengesuch des Redakteurs des „Ulk", Mehring, genehmigt wurden. Es bedarf wohl keines Wortes darüber, wie ungerechtfertigt und anmaßend diese „Erinnerung" des antisemitischen Hetzblattes ist. Mit demselben Rechte könnte ja jeder andere, dessen Gnadengesuch von der Krone abgewiesen wurde, sich dadurch beschwert erachten und die Flucht in die Oeffentlichkeit ergreifen. Hoffentlich ist dock dir „Staatsb.-Zeitung" mit uns davon überzeugt, daß auf die Entschließungen des Monarchen die Konfession des Bittstellers nicht von Einfluß ist. Was soll dann also die ganz lächerliche Gegenüberstellung der zwei kaiserlichen Entscheidungen? Berlin, 16. Okt. (Dippold, der Zuchthäusler. Antisemit.) In einem Briefe, der vom Ersten Staatsanwalt vorgelegt wird und zur Verlesung gelangt, schreibt Dippold: „es ist ungeheuer, wie viel Juden es auf der Berliner Universität gibt; es ist nur ein Trost, daß in unmittelbarer Nähe der Universität die katholische Hedwigskirche steht." An einer anderen Stelle, heißt es, daß er dem unglücklich getödteten Heinz Koch in die Feder diktirt hat. er sei durch einen „Judenbengel" verführt worden zu einem unsittlichen Verkehr mit einer Kellnerin. Nun, der Antisemitismus des Zuchthäuslers stand im umgekehrten Verhältniß zu seiner Wahrheitsliebe. Iarotfchin, im Okt. Unsere Gemeinde hat einen schweren Verlust erlitten. Der allgemein geachtete Bezirksrabbiner Salo Bloch starb am 23. v. Mts. im 63. Lebensjahre. Der Heimgegangene war seit 1868 hier thätig. Als Prediger war er weit über die Provinz bekannt. Außerdem war er Vorsttzender des Beerdigungsvereins, des Armenvereins, Leiter der Religionsschule, Mitglied des Kuratoriums der Abraham und Henriette Rohr'schen Stiftung zur Förderung des Handwerks unter den Juden der Synagogengemeinden zu Posen und Jarotschin, ferner seit 1874 Ortsschulinsvektor der jüdischen Volksschule. Vor einigen Jahren wurde Rabb. Bloch vom sel. Bäron Moritz Hirsch nach Ostpreußen gesandt, um die Auswanderung der russischen Juden zu leiten. Auch in dieser Stellung hat er sich vorzüglich bewährt. Schon vor der Beerdigung liefen zahlreiche Beileidsbezeugungen von Nah und Fern ein ohne Unterschied der Konfession, unter anderem eine sehr herzlich gehaltene vom deutschen Botschafter in Paris, Fürsten von Nadolin. der gegenwärtig hier auf Schloß Jarotschin weilt. Die Gemeinde war natürlich eifrig bemüht, eine würdige Trauerfeier zu veranstalten. Nach dem Morgengottesdienst wurde die Leiche am 27. September durch die Chewra Kadischa vom Trauerhause nach der Synagoge überführt, die kaum die Menge der Theilnehmer ohne Unterschied der Konfession faßte. Zu Eingang der Feier sang der Kantor das Lied: „Haschem mo odom." Hierauf sprach Rabbiner Dr. Freund- Ostrowo, der vom Vorstande beauftragt war, das Lebensbild des Entschlafenen zu entwerfen. Nach diesem Redner ergriff Rabbiner Dr. Rosenthal -Breslau das Wort, um herzlichen Abschied von dem Freunde zu nehmen. Er verglich das Wirken des Entschlafenen mit Hillel und einem Schüler Arons, der Frieden suchte und Frieden stiftete. Die anwesenden Rabbiner Dr. Rosenthal-Vreslau, Dr. Freund-Ostrowo. Dr. Königsberger-Pleschen, Dr. Hevpner-Koichmin, Dr. Lewin-Wreschen hoben nunmehr den Sarg vom Katafalk und trugen ihn bis zum Leichenwagen. Hier übergaben sie ihn den Gemeinde- Vertretern. die dann den Leichenwagen bis zum Friedhofe begleiteten. Dem Zuge voran gingen die Kinder der jüdischen Volksschule mit ihrem Lehrer. Die Gemeinde hat eine neue, schöne Leichenhalle erbaut, welche der Entschlafene leider nicht, mehr einweihen konnte. Dies that nun im Aufträge der Gemeinde Rabbiner Dr. Königsberger -Pleschen. Zuletzt sprach Rabbiner Dr.' L e w i n - Wreschen. Am Grabe sprach Dr. Freund- Ostrowo Namens der Montefiore Loge-Berlin, deren Mitglied der Ent-