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Der Israelit · 1903-10-19 · Heft 83 (19.10.1903) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 83 (19.10.1903)
Date
1903-10-19
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Von feinem Balkon sah er, wie ein Haufen jüdischer Knaben, etwa zwanzig an der Zahl, von der Samskowajä-Straße sich in die Kusnetznaja retteten; hinter ihnen liefen mit gezogenem Säbel der Polizeichefgehilfe Czernoluski und ein Schutzmann mit einem Revolver. Czernoluski jagte die Knaben und schrie: „Schieß, schieß!" Auf diesen Befehl feuerte der Schutzmann einigemal auf die laufenden Knaben. Aehnlich haben sich 36 andere Zeugen, deren Aussagen vorliegen, ausgesprochen. Wie weit diese Aussagen richtig find, wird die Gerichtsverhandlung ergeben, aber man darf wohl jetzt schon dem Wunsche Ausdruck geben, daß auch etwaige Uebergriffe der Polizei und des Militärs nicht unbestraft bleiben mögen. Der ruffische Jufiizminister Graf Murawjew selbst hat vor einigen Tagen einem Korrespondenten erklärt, daß die Voruntersuchung wegen der Ruhestörungen in Kischinew mit größter Sorgfalt und Unparteilichkeit geführt werden — das Gleiche kann man wohl auch mit Bezug auf die Unruhen in Homel erwarten. ■vw.*«, \*T”' **.*.. ... & i » . . o y c. a gog e.) Im galizischen Städtchen Strzeliska Nowa entstand am jüdischen Versöhnungstage in der Synagoge auf die Nachricht, daß im Orte Feuer ausgebrochen sei, eine furchtbare Panik. Hunderte von Frguen, die auf der Galerie beteten, stürzten händeringend zu dem Ausgange im engen Stiegenhaus, wo sie haufenweise aufeinander fielen und die Ausgangsthür mit ihrem Körper versperrten. Es mußte, um Raum zu schaffen, eine Zwischenwand im ersten Geschoß der Synagoge niedergerissen werden. Auch drang man auf Leitern von außen zu der Frauengalerie, und es gelang, die nachdrängenden Frauen zu beruhigen. Der herbeigerufene Arzt fand viele zertretene und ohnmächtige Frauen, bei denen die Wiederbelebungsversuche in den meisten Fällen wohl Erfolg - hatten. Drei Frauen jedoch blieben todt. Vier Frauen sind lebensgefährlich verwundet, viele andere erlitten geringere Verletzungen. Amerika. Newyork. Die „Oesterr.-ungar. Zeitung" meldet: „Mit aufrichtiger Befriedigung verfolgen wir die Thätigkeit der „United Austrian Hebrew Charities Association," die mit ihrem Liebeswerke in das tiefste Dunkel menschlichen Elends, das stch in die Kellerlöcher und in die Dachstübchen der Ostseite verkriecht, den Sonnenstrahl menschlichen Mitgefühls bringt, und wir zollen aufrichtige Bewunderung dem Präsidenten dieser Gesellschaft, dem Rev. Dr. Adolph Spiegel, der seine Menschenliebe sowohl in den Dienst der Humanität, gestellt hat, als er auch seine unermüdliche Thatkraft in Angelegenheiten des öffentlichen Wohles zu jeder Zeit bethätigt. Rev. Dr. Spiegel hat vor 34 Jahren in Buczacz. Öesterrelch. das Licht der Welt erblickt. Gegenwärtig ist er der Seelsorger der Schaarith Zedek Congregation in Henry Street, einer der größten und ältesten Gemeinden deutsch-amerikanischer Juden, welche Stellung er durch vier Termine inne hat. Die Gemeinde ist ihm in inniger Verehrung: zugethan und hat ihrer Erkenntlichkeit durch Ueberreichung von Liebesgaben Ausdruck verliehen; die Präsentation dieser Ehrengeschenke erfolgte durch Männer;, die im öffentlichen Leben der Stadt Newyork bedeutende Stellungen innehaben, durch Congreßmcm Goldfogle und Richter Steckler. Rev. Dr. Spiegel hat nach Beendigung des spanischen Krieges als Seelsorger in Porto Rico gewirkt. Durch seine Bemühung wurde auf dieser Insel, in Ponce, die erste jüdische Rcligionsgemeinde begründet. Die amerikanische Regierung in Porto Rico hat ihn in allen seinen Bestrebungen unterstützt, insbesondere aber' in seiner Hilfsthätigkeit, welche er anläßlich eines Erdbebens entfaltete. Das Erdbeben hatte zahlreiche Familien obdachlos und elend gemacht, und es gelang seinem eifrigen Bemühen, den Widerstand des katholischen. Clerus zu brechen, der seine zahlreichen Gebäude den : Unterstandslosen verweigerte. Er steht im besten An-- denken, fowhl in Porto Rico, als auch in Domingo., Westindien, den früheren Stätten seiner Wirksamkeit Seitdem er hier die Seelsorge seiner Gemeinde Lhernommen hat, sehen wir ihn bei mehreren. Gelegenheiten im Interesse des öffentlichen Wohles eingreifen. Anläßlich der Fleischvertheuerung und der dadurch heraufbeschworenen Riots wurde er von den Delegaten, die 250 Congregationen in Newyork und New-Jersey vertraten, als Arbitrator erwählt, um die Angelegenheit des Volkes gegen die Großschlächter zu vertreten. Nachdem er gehörige Einsicht in die Angelegenheit gewonnen hatte, wußte er von den Großschlächtern Konzeffionen zu erringen und den häßlichen Ausschreitungen ein Ende zu machen. Mit dem vollen Gewichtefeiner Persönlichkeit setzte er sich für die ordentliche Verwaltung der Stadt Newvork ein, und er gehörie dem Notifikations-Komitee an, welches Seth Low. Grout und. Farnes der Unterstützung der Fusion versicherte. Dieses Komitee, deren Präsident W. H. Baldtvin. Direktor der Long Island Eisenbahn war, bestand aus der Elite der hiesigen Bürgerschaft. Rev. Dr. Adolph Spiegel ist seit Anfang dieses Jahres Präsident der „United Austrian Hebrew Charities Association", gehört dem Board of. Ministers des jüdisch-theologischen Seminars an, zu dessen Board of Advisers er früher gehörte. Unserer heutigen Nummer liegt ein Auf» ruf der „Alliance JSraelite Universelle** bei, worauf wir hiermit besonders aufmerksam machen»

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