Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 83 (19.10.1903)
- Date
- 1903-10-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449890-2449965--59237-2523805- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
*1801 Hause angehören, muffen von dem in Frage kommenden Rabbiner im Religionsunterrichte dahin erzogen werden, daß dieselben schon von selbst nicht in ein am Sabbat geöffnetes Geschäft eintreten. Insbesondere wird der betr. Rabbiner auch im Elternhause seinen Einfluß geltend zu machen wissen, daß das Kind nur in ein am Sabbat geschloffenes Geschäft eintritt/ Auf dem Lande fällt die gleiche Arbeit dem Ortslehrer zu. der dort weit glücklicher ist. als-der Rabbiner der Stadt, denn wenn der Lehrer auf dem Lande sich Autorität zu verschaffen versteht, kann er seine Gemeinde in den meisten Fällen ganz nach eigenem Willen in Bezug auf njro rrnr. leiten. Er wird, wenn ein Kind in einer Stadt in's Geschäft eintreten soll, sich bemühen, den Eltern ein am Sabbat geschloffenes Geschäft ausfindig zu machen, die einschlägigen Vereine stehen ihm ja gerne mit Rath und That zur Seite und er wird eine große Mizwa haben, wenn es ihm gelingt, dem Kinde eine am Sabbat geschlossene Lehrstelle ausfindig zu machen. Was kann nun in der Stadt geschehen, um diese jungen Leute der nrr-.n rran zu erhalten, ja. noch viel näher zu bringen? Wenn wir die Gefahren, die sich >-en jungen Leuten leicht zugesellen, betrachten, ergibt sich die unbedingte Roihwendigkeit, das lleine Häuflein Nichtarbeitender zusammenzuschaaren, am besten einen Verein zu gründen, damit so weit als möglich die betr. jungen Leute nur unter sich verkehren, unter sich innig verkehren. Ties wäre meines Erachtens die einzige Möglichkeit, unsere Jugend in ihren jüdischen Anschauungen zu fördern. Diese Pflicht ist unbedingt Aufgabe jedes Rabbiners. Er muß es verstehen, diese zarten Pflänzchen, die auf fruchtbarem Boden gedeihen und zu verheißungsvollen Stämmen sich entwickeln können, durch sorgsame Pflege zu werihvollen Zierden des jüdischen Gartens, in dem cr~zr. r.6*c:: rrrzv rrrr, emporwuchern, zu erziehen. Natürlich soll und braucht nicht Thora allein das Unterhaliungsthema dieser Vereinigungen zu bilden, p* "p~ -> “*.** -xbr, rsrganz nett verbindet sich unsere Thora mit der allgemeinen Bildung. Wie vorteilhaft ist es für die jungen Leute, so sie in den Jahren ihrer geistigen Reaktion, wenn in den jungen Herzen Zweifel über Religion und sonstige wichtige Lebensfragen hervorkeimen, in dem Rabbiner, natürlich in dem frommen Rabbiner, einen allezeit zugänglichen, liebevollen Berater erblicken, der schon durch sein Auftreten bezaubernd, heilend, schützend wirkt Wie viel Segensreiches hätten da unsere Rabbiner, und wie weit dankbarer und erfolgreicher ließe sich auf diesem Gebiete arbeiten, als durch die viele Zeit beanspruchenden, resultatlosen Vorträge in den Litteraiurvereinen, dem Schmerzensjudenthum unserer Zeit. Wie weit sind uns unsere Andersgläubigen voraus, wenn wir an die katholischen Gesellenvereine, an die evangelischen Gesangvereine etc. denken, die doch alle die Erhaltung und Hebung des religiösen Gefühls herbeiführen sollen. Nächstens toerde ich mir erlauben, einige Krebsschäden aufzudecken, die schon so manchen jungen Mann — seiner jugendlichen, ungeklärten Charakteranschauung nach mit vollem Rechte — zum Arbeiten am Sabbat veranlaßten. Möchten meine Zeilen einige Beherzigung bei den geehrten Lesern finden, und gewiß könnte auf dem besprochenen Gebiete viel geleistet werden, während fast nichts geleistet wird. jvzo vnx Io. Okt. Der „Verein zur Bekleidung armer jüdischer Kinder," an den in letzter Zeit ganz besonders starke Ansprüche gestellt worden sind, veranstaltet zum besten seiner Unterstützungskasse am Samstagj 31. Oktober, ein großes Wohlthatigkeitsfest in den Räumen des Architektenhauses, Wilhelmstraße 92/93. Erste hiesige Künstler haben ihre Mitwirkung zugefagt. Karten zu 1.30 Mk. sind in der Geschäftsstelle des Vereins, Siegbert Würzburg, W. 30, Eisenacherstr. 71, Amt 6 «, 12,670, zu haben. Berlin. Das „Israelitische Kranlenheim" der Chewra Kadischah der Israelit. Synagogengemeinde Adaß Jisroel versendet seinen zweiten Rechenschaftsbericht. Tie neuen, wesentlich größeren und günstiger gelegenen Räume, die ehemals Hadra'sche Klinik (Königgräherstratze 46»), haben sich in jeglicher Hinsicht bewährt. Die stetig wachsende Frequenz beweist, daß die Heilstätte das Vertrauen weiter Kreise sich erworben hat. Von den 269 Kranken, 158 Männern, 100 Frauen und 11 Kindern, wurden in insgesammt 6560 Verpflegungstagen 72 in der inneren Station, der Herr Privatdozent Dr. Ferdinand Blumenthal, Oberarzt an der königlichen Charitee und Assistenzarzt des ,Herrn Geheimraihs Lehden, vorsteht, und 158 in der äußeren Station, welche von dem gefeierten Chirurgen Herrn Tr. Adler geleitet wird, behandelt. Als geheilt wurden 153 — 58.88 pCt., als gebessert 60 — 22.30 pCt., als unaeheilt 13 — 5,83 pCt. entlassen, verstorben sind 25 — 9,29 pCt. Kranke. Die Einnahmen betrugen 36.828.90 Mk., davon Verpflegungsgelder 23,255.90 Mk., Beitrag der Chewra-Kadifchah 2000 Mark. Jahresbeiträge 2695 Mk.. Spenden- 2169.55 Mark etc. Ta die Ausgaben sich auf 38,006.64 Mk. beliefen, so schließt die Jahresrechnung mit einem Fehlbeträge von 2178 Mk. ab. Es ergeht drßhalb der Ruf an alle Wohlthäter. der Anstalt ihre Theilnahme' zuzuwenden. Tas Kuratorium bilden die. Herren A. Goldschmidt (Neue Friedrichstraße 45), Vorsitzender,-- Oskar. Berlin. Stellvertreter, Sal. Ginsberg, Ren-., dank, Dr. Meier Hildesheimer, Schriftführer, Edm. < Lissa. G. Rosenberg und David Struck, Beisitzers... - 3 Potsdam. Tie Geschichte der.hiesigen jüdischen. ' Gemeinde hat der derzeitige Rabbiner derselben,' Herr Tr. Kälter, verfaßt. Sie ist jünger als die Ge-