Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 96 (3.12.1903)
- Date
- 1903-12-03
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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fs£r fut iiit 5§öra ai*z fo lange xfß cud? nur irgend etwas anderes dorgröet zu wollen, als die bloß: Unterstützung unserer Auswanderung. Gefahr für die Thora besteht, so lange ihr auch nur irgend etwas mehr für uns geben wollt, als euer Geld allein. Gefahr für die Thora besteht, selbst wenn wir als gesonderte Partei uns euch anschließcn wurden, denn wenn auch wir uns von euren Einflüssen freihalien können — »A. leicht beweglich ist ja die Fugend, eure Redner sind gut, sind feurig und hinreißend — wer garaniirt, daß auch sie widersteht? — — Und. redet euch überhaupt nicht ein, daß unser Loos das schlimmste. Q, wir kennen Brüder, denen die Verheerung der Zeit noch weit Schlimmeres gebracht Hai. als uns, Brüder, denen weit Theureres geraubt Wörden ist', als dem Kinde, das die Elketn verloren, als dem Greise, der gemartert worden, diese Brüder, ihr seid es selbst, ihr armen Söhne des Westens. Fühlt nicht mit uns blos inniges Mitleid, suchet nicht uns blos ihätig zu Helsen! Bemitleidet euch selbst, helfet euch selbst, sowie wir euch bemitleiden, sowie wir euch gerne helfen möchten, wenn wir nur könnten. Umbrandet. von Todesgefahren stehen wir doch Tag für Tag auf und mit dem wiedergewonnenen Sonnenstrahl schallt unser Ruf in die weite Welt: ras nbv: zys nci -ipVn rs na* V'rx ur.y.' Heil uns, wie gut ist unser Theil, wie lieblich, unser Loos, wie schön unser Erbe! Denn gut und lieblich und schön ist's, das welterobernde vve brr-!V durchs Leben zu tragen, gut und lieblich und schön ist's, Gottes Gesetze zu hüten und zu wahren, zu Hallen und zu lernen und also zu arbeiten für'» einstige Heil der Allmenschheit!' Nur in körperlichem Goluß schmachten wir. Ihr aber, ihr armen Brüder des Westens, ihr habt die schweren Ketten eines d o v p e l - ien geistigen Goluß zu tragen, denn das Erbe der Väter habt ihr verloren, seid morsche Blatter, die der Wind entfegi hat dem kraftblühenden Stamme. Der Geist eurer Wiffenschaft ist verkehrt,' der Geist eures Glaubens hat sich verflüchtigt, kommt her zu uns. und lernt von uns. in Ketten und Banden sich frei und glücklich zu fühlen!" ' M. H.! Das ungefähr sind die Worte, die du großen Rabbiner Rußlands den entfremdeten Söhnen sem sano corpore auch die sana mens hinüber Zu retten verstanden. Soweit man im Goluß, entfernt von der theuren Heimarb und ohne das ärgert m glücklich sein kann, sind wir es. Daß wir keine Offiziere und Richter werden können, vermag unser Haar nicht ergrauen zu kaffen. Uns in Beruf nicht Lebenszweck, vielmehr nur Lebensmittel. Gewiß würde es uns freuen, wenn unsere Mitbürger es fertig brachten, fedes Verurtheil abzuschütteln, ja in Anerkennung zu. verwandeln, es würde uns freuen vor allem in ihrem eigenen Interesse. Da sie es noch nicht vermögen, bringen wir ohne Erbitterung der Thora dieses Opfer — ein kleines im Vergleich zu früheren Opfern —= hierin mit Mar Nordau sprechend: Wir können warten. Indem wir uns unfern Mitbürgern gegenüber sorgfältig jedweder Aufdringlichkeit enthalten, widmen wir uns mit ungetheilter Kraft der Verwirklichung jener ewigen Ideale, die unser großer Meister f. A. zwar nicht neu gebracht, aber einer schwankenden Welt mit genialer Klarheit und Schärfe von neuem in'» Bewußtsein gerufen hat, jener Ideale, zu denen hinan uns auch heute noch Kanzel und Schule erziehen wollen. Die Ueberzeugung, daß dies thatsächlich der Fall ist, daß der Geiii Rabbiner Samson Raphael Hirsch's s. A. lebendig in unserer Gemeinde weiterlebt, weitergelehrt,! weitergepflanzt und weiter fortgesetzt wird, diese Überzeugung bildete dir eigentliche Würze des Jubiläums, das wir im vergangenen Jahre begehen durften.*) Es war kein gewöhnliches Jubiläum einer Schule, wie es so häufig gefeiert wird, es war das Jubiläum eines Prinzips, dessen Lebensfähigkeit uns zwar niemals zweifelhaft war, nun aber vor aller Welt als erwiesen gelten darf. Und dieses Prinzip, was ist es denn anders. als die Proklamirung der Religion, d. h. der Thora, als Herrscherin über alle Seiten unseres Seins, also, daß es kein Wissen, kein echtes Wissen geben darf, das sich ihr entziehen muß oder kann, daß alles sich in ihren Dienst stellen kann und muß, wenn es Berechtigung, Dauer und Bliithe im Kreise unseres Lebens finden will. Lebensthat wie Lebensweisheit muß Gott' allein unterstellt fein, und somit ist dieses Prinzip der lauteste Protest gegen Babel und Bibel wie Zionismus. Es findet seine Vertretung in unserer Schule, die :hre *) Vergleiche/.Jsraelit- Nr. 33 de» lfd. Jahrgang». Gefährdet die Seele der Jugend vor allem, dir von euren Worten neuen Klanges sich hingerissen füblt, in deren Herz ihr ein andere- Ideal senkt, als das einzige Ideal der Thora. Uns aber geht dir Thora über alles, ist uns unser höchstes, unser einziges Gut, mit dem uns Gott beglückt Hat, das wir vererben wollen, unverfälscht und unverftümmelt, unseren Kindern und Kinde-kindern bis in's tausendste Geschlecht. Und droht hier vielleicht nur Gefahr für die Thora, dorr sicher d-r. Hunger, dir Roth, dir Knechtschaft, dir Bedruckung — — wir wählen die sichere Pein unseres Leibes, statt der möglichen Gefahr für die Thora. Sei des Westens junifjn, indem sie in überwältigender? Mehrzahl sich standhaft weigern, dem Zionismus — \ und zwar sowohl dem ’zrjz als auch dem rrx — bei- 1 zutreien. Und wir, m. H., was sollen wir rhun, di: wir erschüttert dastehen vor solcher Hrldengroße? Was; anders, m. H., als sie bewundern und wetteifernd ver- \ suchen, ihnen nachzuftrröen.- j Ihnen nachstreöen wollen wir, denn sind sie auch : glücklich, wir sind noch glücklicher. Uns har die Gnade; Gottes von den schwersten Leiden des Goluß befreit und j hat uns Zugleich den herrlichen Mann gesandt, der di:-