Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 96 (3.12.1903)
- Date
- 1903-12-03
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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jttAa.«« <-~-- ji .k‘**i'-'s-\^k.l£hÄkckZ/ iS-zjäk-e.AMaaSitjsz - 2133 übernimmt das Amt des Martin Luther, er unterscheidet zwischen Religion und Politik. Ueber die krasseste Verschiedenheit der religiösen Anschauung hinaus weiß er ein Einigungsband zu schaffen zwischen Orthodoxen und Neologen und Sozialisten und Nihilisten. Er erreicht dies durch sorgfältige Ausschaltung der Religion aus seinen Verhandlungen, die gleichwohl die höchsten Interessen des Gesammtjudenthums zu vertreten sich anmaßen. „Denn," so hieß es auf dem zweiten Kongreß, „der Zionismus darf nicht einer ein-. zelnen Geistesrichtung entsprechen, weil er dann aufhört, der Ausdruck des gesammten Judenthums zu sein." Wenn aber dem Kongreß, diesem „offiziellen Ausdruck des Gesammtjudenthums". Orthodoxie nichts ist, als „eine einzelne Geistesrichtung", so hat er das Tuch zerschnitten zwischen sich und jedem denkenden Frommen. Denn der orthodoxe Jude ist sich bewußt, daß der Bestimmung nach wohl jeder von einer jüdischen Mutter Geborene, faktisch aber nur der ein Jude ist. der treu und ganz die Gebote seines Gottes erfüllt, er ist sich dessen bewußt, so lange es Brauch ist in seinem Kreise, daß der Vater wie einen Todten das Kind betrauert, das '"n vom Wege der Wahrheit gewichen.. Den Prinzipien des Zionismus zur Folge, der den Begriff des Nationaljudenthums aufgebracht hat, ist es aber durchaus nicht einzusehen, warum es nicht auch christliche Juden geben soll, d. h. Nationaljuden, die der christlichen Konfession angehören. Vielleicht kommt es noch dazu.- M. H.! Die Abstammung des Zionismus von Reform und Antisemitismus liegt so klar zu Tage, und die Grundprinzipien des Judenthums reden eine so beredte Sprache gegen den ganzen durch und durch unjüdischen Kern dieser Bewegung, daß die Frage eines Anschlusses im Kreise der Gesetzcstreuen wohl niemals aufgetaucht wäre, wenn nicht die zionistischen Führer ihrem Thun ein Motto gesetzt hätten, dem kein fühlender Mensch — und nicht nur Jude — sein Ohr verschließen kann: Die Befreiung der osteuropäischen Juden! Hier eine Bewegung voll Feuer und Begeisterung, mit Führern voll Kraft und Hingebung, mit einer Organisation, die ihresgleichen sucht, und diese Bewegung, sie verheißt die Erlösung aller Juden, der geistig wie körperlich gequälten — —: Und dort steigt der Angstruf von Millionen Menschen herzdurchdringend zum Himmel, dort wimmern Kinder ob getödteter Eltern, erliegen Weiber der Frevelfausi von Bauern, stöhnen Greise unter den Martern derPeiniger, dort steigern Minister den Druck zum Hohn, wird das Laster beschönigt, die Unschuld begeifert, der Arm entwaffnet, der zur Wehr sich erhebt, der Mund gestopft, der Gerechtigkeit heischt, der Fuß gehemmt, der zur Flucht sich bewegt, das Opfer dem Räuber entgegengetrieben, daß er sich ersättige der geilen Lust-und dieses Opfer ist nicht klein, sind Millionen Brüder, die Edelsten des Stammes, die das Feuer schon sehen und die Hölzer zum Brand, und sich voll Bangniß fragen: „Wo ist das Lamm für den Altar, der' hier errichtet wird?" Ach Gott, sie selber sind es, die am Abend sprechen: „O wäre es Morgen," und am Morgen den Abend ersehnen, die allen Ländern ihre Kraft anbieten: „Nehmt uns auf, wir wollen ja nur arbeiten. Unser Brod, wir wollen es bezahlen, unseren Schlummer, wir wollen ihn verdienen." — Aber Land für Land verschließt sich ihnen, und sie müssen sich wenden und znrückkehren an den ungastlichen Herd, in die Höhle Polyphems, der Genossen auf Genossen schlachtet — — — M. H.! Kischinew und Hömel und Nikolajew und Dalkow und Kiew reden eine beredtere Sprache, als die zündendste Brandrede stimmbegabter Zionisten, und rufen uns zu, uns, den Brasn „Zaudert nicht lange, da Eile noth thut, berathet nicht, da Sein und Nichtsein auf dem Spiele, schließt euch der Bewegung an, die allein noch Hilfe und Rettung verspricht. Und steht ein Haus in Flammen, wird La wohl gefragt, weß Geistes der Reiter? Jst's nicht-genug, daß er retten, retten Will, da das Feuer Vernichtung heranlodert?"-- M. H.! Wären wir die einzigen. die trotzdem ihr festes Nein entgegenstellteri, "wir, die wir nur schaudernde Beschauer der Noth sind, da die himmlische Fügung ein günstigeres Geschick uns heran hat reifen lassen, so könnten die Gegner mit einigem An^ schein von Recht wohl mit Fingern auf uns weisen: „Seht da, die herzlosen Geldsäckler, die entarteten Kinder Abrahams, die selbst angesichts einer solchen Tragödie zu jener Toleranz sich nicht aufschwingen können, die da spricht: Ihr seid zwar ganz anders als wir, eure Prinzipien sind falsch, eure Wege verkehrt, eure Führer entfremdet, — aber es gilt die Brüder zu retten, -bs ton rcnx 7D2N "]Wö, all eure Sünden decke die ßte&fi" Doch dem ist, Gott sei Dank, nicht so. Wahrlich,-wahr? lich! Einzig, wie der Herr im Himmel, ist sein' Volk. Israel auf Erden. O könnten wir alle Verkenner Israels, all seine Feinde und Hasser herbeirufen zu diesem Schauspiel nie dagewesener Größe und Heldenkraft. O könnten wir ihnen zurufen: Schauet hin nach Rußland und wagt noch zu zweifeln, daß Gottes Erstgeborener Israel! Mit allen erdenklichen Lockmitteln sucht eine gewaltige Partei Rußlands Juden zu gewinnen. und ach. es ist ja nichts Großes, was diese Partei von Rußlands Juden erbittet. Nur die Erlaubniß wünscht sie. Rettung bringen zu dürfen vor Hunger und Elend, vor Bedrückung und Knechtschaft — —: Aber die herrlichen Geistesfürsten Rußlands, die großen Rabbiner in ihrer überwiegenden Mehrzahl, - schütteln das ehrwürdige Haupt und erwidern festen - und bestimmten Tones: „Rettung wollt ihr uns bringen, ihr glücklichen Söhne des Westens? Rettung vor Hunger und Elend, vor Knechtschaft und Bedrückung? O retten wollt ihr den Leib, aber ihr gefährdet die Seele!