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Der Israelit · 1903-12-03 · Heft 96 (3.12.1903) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 96 (3.12.1903)
Date
1903-12-03
Page
– (sequence 21)
Language
German
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2135 * Zöglinge beide Bildungselemente mit gleicher Hingebung lehrt, nicht aber als zwei nebeneinander selbstständig bestehende Gebiete, vielmehr als ein einheitliches Ganzes. Diese Einheit wird erreicht, indem alles Wahre und Nichtige als willkommene Hilfe zur besseren Erkenntniß der Lehre aufgefaßt wird. Diese Durchleuchtung alles anderweitig Erworbenen -mit dem Gottesgeiste der Thora vermag allerdings die Schule allein bei dem ihr zugewiesenen großen Stoffe nicht ganz zu vollenden und bildet somit die im Sinne Rabbiner Hirsches s. A. in's Leben gerufene Jeschiöa, deren erster Bericht Ihnen an der Schwelle des neuen Jahres zugegangen ist. durch besondere Hervorkehrung der Thora als Endziel aller Bestrebungen ihre glückliche Ergänzung.-M. H.! Dieses Prinzip, das wir mit berechtigtem Stolze das unsere nennen, macht, konsequent durchgeführi, unerbittlich allem Gefasel ein Ende, das in jüngster Zeit von einer allmählich sich regenden spezifisch jüdischen Kunst aufgekommen ist. Mit einer kurzen Besprechung dieser sog. jüdischen Kunst treten wir in den letzten Theil unseres Rückblicks. Die Gliederung des Menschen zugleich als Gliederung unserer Rede benutzend, hatten wir Geist und Körper untersucht -und überall als Ursache des bestehenden Uebels dasselbe Gebrechen gefunden: Die I s o - lirung der Thora! Krankheit des Geistes hatten wir vorzugsweise in Westeuropa, Krankheit des Körpers in Osteuropa diagnostizirt. Wie aber Geist und Körper im Menschen derart innig verflochten sind, daß ihre Gesundheit sich wechselseitig bedingt, ja, daß der Geist selbst ein körperliches Organ, das Hirn, hat, an dessen Integrität auch die seine gebunden ist, so gibt es auch eine Thätigkeit des Menschen, in der diese seine Doppelnatur harmonisch sich vereinigt, und das ist seine Thätigkeit auf dem Gebiete der Kunst. Und weil eben der Mensch nur Gott und Thier zugleich ist, sagt Schiller mit Recht in seinem gedankenreichsten Gedichte: „Im Fleiß kann dich die Biene meistern, in der Geschicklichkeit ein Wurm dein Lehrer sein, dein Wissen theileft du mit vorgezogenen Geistern, die Kunst, o Mensch, hast du allein." Stellen Sie sich nun, m. H., einen Menschen vor, der in seiner Person West- und Osteuropa vereinigt, am Körper krankt wie der osteuropäische Jude, an Geist wie der westeuropäische — und Sie haben den modernen jüdischen Künstler. Es sind zumeist Herren in jüngerem Lebensalter, die entweder in ihrer Jugend selbst die Knute Väterchens gespürt. oder doch kraft ihres unleugbar tiefen Gemüthes die Wunden ihrer Brüder wie.am eigenen Leibe empfinden. Bis hierher wäre noch alles gut. Das Schlimme ist nur, daß sie gewöhnlich im Alter von 20 Jahren von Europas zwittriger Äuftlärung ergriffen werden und meistens der naturwissenschaftlichen Anschauung oder dem Atheismus zum Opfer fallen. Ihr Geist hat sich von den Traditionen des. gesetzestreuen Judenthms gänzlich losgesagt, aber ihr Herz liebt das arme,' zer-. quälte Judenvolk mit lodernder Liebe, und ihr Gemüth fühlt sich noch immer seltsam geheimnißvoll hingezogen zu den uralten Bräuchen ihrer Nation, dergestalt, daß ein.Lberzeugter Atheist eine von schwärmerischer, Begeisterung und von tiefem Verständnis. für die. 'Volksseele durchwehte Schilderung eines Kol-Ridrö-. Abends geben kann, ob er gleich längst schon an diesem. Abend behaglich an seiner Schweinskeule, nagt^ Rechnen Sie hierzu noch das gewaltige Fieber, des Zionismus und ein klein Bischen Zola und ein klein^ Bischen Ibsen, und eine starke Dosis Heine — und Sie. haben Werke, die zwar sehr, sehr interessant, mitunter sehr gut geschrieben sind, offenbar von einem stark talentirten Mann herrühren, den unbedingt eine jüdische- Mutter geboren haben muß, der zweifelsohne von einem jüdischen Vater stammt-alles haben Sie, aber ja keine jüdische, echt jüdische Kunst. .Es sind Werke' von Männern jüdischer Nationalität, und ..wenn ein Nationaljude auch schon de facto ein Jude ist, der mag. immerhin das durch den Zionismus erweckte Morgenroth einer neuen Zeit triumphirend künden. Wir w?F?. . den in sein Triumphgeschrei nicht einstimmen. '-. Ein.' anderes und höheres ist uns die wahre, jüdische Kunst,"' als deren für ewige Zeiten unerreichbares Vorbild unS unser Sängerkönig gilt mit seinen unsterblichen Psal-, men. Warum sind die Psalmen Gemeingut der Menschheit geworden. Stütze und Trost aller Leidenden, Ausdruck des Jubels aller Frohen, während die nicht min- der köstlichen Perlen der Aggadah nur den Juden zugänglich? Weil das eine Kunst ist und das andere Wissenschaft. Und damit haben Sie zugleich auch das * Wesen der echten jüdischen Kunst ausgedrückU- Vor allem muß auch sie, wie alles beim Juden, im Dienste - Gottes und Seiner Thora stehen. men 'M. „Nicht ' nur meine Macht, sondern auch mein Sang ist Gottes." ' riefen einst Israels Söhne am Meere. O gebe-Gott,' daß uns gerade für unsere Zeit jüdische Künstler aufstehen, die jüdische Kunst ausüben.. Sehen Sie,^ m. H.! In herrlicher, deutscher Sprache liegen seit Jahrzehnten die Werke Rabbiner Hirsch's s. A. der ganzen Welt , zur Einsicht auf, diese Werke, die in so begeisterten Worten die Mission Israels künden, die auf jeder Seite Lehren der allumfassendsten Menschenliebe enthalten., wie sie die Thora uns gebietet. — M. H.! Ist die Verkennung des Judenthums seitdem geringer geworden? Ach, der Antisemitismus und die immer von ' neuem wiederholte Blutlüge reden eine gar' deutliche Sprache. Woher kommt das? Weil man in maßgebenden Kreisen all diese Werke als keine voräussetzungslose Wissen-- schaft abmacht. M. H.! Die jüdischen Künstler der Zukunfk'werden einst durch die Kunst, diese Menschen-' vereinigende, Hatz versöhnende. Leidenschaft scheuchende Göttin, die herrlichen Ideen des Judenthums in begeistertem Sange den Mitmenschen künden, daß ihren

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