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Der Israelit · 1903-12-03 · Heft 96 (3.12.1903) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 96 (3.12.1903)
Date
1903-12-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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gewesen. Mit ergreifenden Worten nahm der Schwager des Verstorbenen, Herr Rabbiner Dr. Stein- Schweinfurt, von dem Hingeschiedenen Abschied, besonders hervorkehrend die große rws, die seltene Bescheidenheit, die ihn zierte und ihm Aller Herzen zuwandte. . Tiefgebeugt von dem Schmerz beweinen Gattin ugd Kinder, Mutter und Geschwister und alle ihm Nahestehenden, alle, die ihn gekannt, sein Dahinschriden. ^.Möge "err die Trauernden trösten und ste aufrichten, möge bei der großen nx-o der wahrhaften Gottesergebenheit, die die Familie des Verstorbenen besitzt. Vas Bewußtsein eine Stütze und ein Trost sein, daß das Andenken dieses wahrhaften Zadik stets leben wird .in. Aller. Herzen. rrai vbz. 'V:O e st e r reich. Wien, 1. Dez. Am Dienstag, den 24. Nov.. ti Uhr Vormittags, wurde in der Kluckygasse im 20. Bezirke, "eine neue von Dr. Arnold Hildesheimer im Sinne seiner verstorbenen Mutter Rosa Hildesheimer. mit einem Gründungskapital von 110,000 Kronen gestiftete und vom israelitischen Volksküchenverein errichtete rituelle Volksküche eröffnet. Oberrabbiner Dr. Güdemann hielt als Vorsitzender des Vereines die Begrüßungsrede. Rabb. Dr. Feüchtwang die Festrede. Es waren anwesend: in Vertretung des Polizeipräsidiums Regierungsrath Ritter v. Feyerfeil, Polizeibezirksleiter Dr. Tauber, der Ab- .thLilungskommändant der Sicherheitswache- Freiherr vün Schönermark, der Vertreter des Vezirksrathes Herr Peter Mayer, der Vizepräsident der Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern mit den Kultusvorstehern Dr. Berger Eltbogen und Dr. Steiner, die Rabbiner Dr. David und Dr. Gelbhaus. Dr. Fialla,. Vertretungen verschiedener Tempel- und humanitärer Ver- ' eineder Gatte der Stifterin, Herr Leo Hildesheimer, und. die Schwester derselben, Frau Prof. R. Mauthner, die Ehrenpräsidenten des Volksküchenvereins Frau Venvenisti, - Frau kaiserlicher Rath Dr. Kohn, Frau Dr' Weiß.'Frau Jda Diamant, Frau Elibogen. Frau Amalie . Beck, Herr Markus Bondi, Herr und Frau Heinrich Weiner, Hofrath Winternitz und Gemahlin, Regierungsräth Dr. Schlag, der Vizepräsident. der türkisch-israelitischen Gemeinde Sicco Adutt, Schieds- - gerichtspräsident I. L..Neufeld etc. . Der moderne Bau * würde' mach den Planen des Architekten Fränkl vom Stadtbaumeisier Melcher ausgeführt. Nach der Er- . vsf^ung wurden.auf Kosten der Familie Hildesheimer s 600 Personen ausgespeist. Als Ehrendamen fungirten . die,Damen Kadisch, Kohn und Trebisch, die von den anmuthigen TLchertn des Herrn Regierungsrath Dr. ,Schlag^(Grete ünd/Else) unterstütztwurden.- i u nt ’5 n i e n.; v Bukarest. 27. Nov. (Vervollständigung d e s K a b i n e t s.) Nachdem Herr Emanuel Porum- '' bäru zum Minister für öffentliche Arbeiten ernannt worden ist. besitzen wir nun endlich ein vollständiges liberales Ministerium und die Jnterimswirthschafi. die viel Unzufriedenheit erzeugte, Hort auf. Herr Porumbaru' war in der letzten Tagung Vizepräsident der Kammer. Da er in wirthschaftlichen Fragen eben so beschlagen ist, wie in denen der auswärtigen Politik, wurde er zum Führer jener Mission ausersehen, die nach Konstantinopel ging, um einen Handelsvertrag mit der Türkei abzuschließen. In jüngeren Jahren hat Herr Porumbaru ein Buch über die Donaufrage gechrieben, welches bis heute, vom rumänischen Standpunkte aus, als grundlegend bezeichnet werden kann. Als vor zwei Jahren die Judenfrage an der Tagesordnung war. erinnerte Herr Porumbaru daran, daß er bereits einmal vorgeschlagen habe, nach belgischem Muster ein kleines und großes Jndigenat einzuführen und den Juden das kleine Bürgerrecht zu gewähren, — womit eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft geschlagen würde. Zum Schlüsse sei noch bemerkt, daß Herr Porumbaru Präsident der rumänischen Abtheilung der interparlamentarischen Friedensvereinigunz ist.- Feuilletott. Mehrheit und Dichtung. Von Friedrich Rolt. Es war ein trüber, unfreundlicher Tag; langsam rollte der sog. Bummelzug auf den Schienen dahin, als wolle er um keinen Preis seine Ahnfrau, die Postkutsche von Anno dazumal, überflügeln. Es war kühl, in den Koupees waren deßhalb die Fenster geschlossen. - In einem Koupee dritter Klasse befand sich nur ein einzelner Passagier. In dem geschlossenen Raume war cs ihm vermuthlich zu heiß geworden, denn er hatte den Paletot ausgezogen und an den Haken gehängt, Rock und Weste aufgeknöpft und sich selbst der Länge nach auf die eine Bank ausgestreckt, wo er jetzt laut schnarchend eines recht gesunden Schlafes sich zu erfreuen schien. Der Schlafende war ein Mann in den sog. besten Jahren, nicht geradezu ärmlich gekleidet, aber doch so, daß man auf den ersten Blick erkannte, er werde nicht zu den oberen Zehntausend gerechnet. Seiner Physiognomie nach gehörte er-zur semitischen Raffer " Der Zug hielt an einer Station, der-Schläfer merkte es nicht. Die Thüre des Koupees ward geöffnet, em zweiter Passagier stieg ein, der erste war. trotzdem nicht erwacht. Der zuletzt Eingestiegene machte es sich gleichfalls bequem, dann, während der Zug sich wieder in Bewegung setzte, betrachtete er mit höhnischen Blicken den noch immer schlafenden Reisegefährten.

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