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Der Israelit · 1903-12-03 · Heft 96 (3.12.1903) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 96 (3.12.1903)
Date
1903-12-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Krieg?", denkt er, „das geht nicht. Da muß ein Fehler sein. Was kann denn noch heißen? Halt!" ruft er freudig, heißt ja auch Brod! Also Vrod! Aber wie paßt das hierher?" Und nun geht ein Wetterleuchten über seine hohe Jupiterstirne und bald springt Minerva selbst, die Göttin der Weisheit, mit Schild und Panzer hervor. In diesen drei Worten Cl£ U* müssen zwei Fehler sein. Es hat ursprünglich ein doppeltes Lamed gestanden. Also nicht sondern Und statt muß es heißen cnpir Dos Ganze also: Q1^ — Verschwunden ist das Gerstenbrod! Ein wahrhaft erschütternder Gedanke. Und im Zusammenhänge hieß die ganze SteNe etwa wie folgt: „In den Tagen Schamgars, des Sohnes Anaths, in den Tagen Jaöls hatten die Wege des Verkehrs aufgehört, und die Wege zu gehen hatten, mußten Schleichwege einschlagen. Aufgehört hatten ste in der Wehrlosigkeit in Israel, sie hatten gänzlich aufgehört — bis ich, Deborah, aufstand, bis ich als Mutter aufstand in Israel. Da es sich neue Götter erkor, da war das Gerstenbrod verschwunden! Nicht Schild noch Speer war zu sehen unter Vierzigtausenden in Israel." Solche Beispiele lassen sich beliebig vermehren und zeigen, welche possierliche Sprünge die sogenannte Bibelkritik macht. Aber es sollte noch ärger kommen. Ein Ereigniß trat ein, das ganz geeignet war, speziell den jüdischen Bibelkritikastern den Abgrund zu zeigen, zu dem ihre Bahn sie führen muß. Lebt da in Berlin ein Professor, der das Unglück hat, einen berühmten Vater zu haben. Sie wissen gar nicht, m. H., wie unangenehm das oft sein kann, so einen berühmten Vater zu haben. Die Glorie der Ahnen ist eine Leuchte, die noch die spätesten Enkel bestrahlt, und ihre Fehler sowohl, wie ihre Unfähigkeit der grinsenden Mitwelt verklärt. Ach. der Friedrich war viel kleiner, als der Franz und hörte so oft klagen: Das ist nicht Franz. Dem beschloß er mit allen möglichen Mitteln abzuhelfen. Ja, er wollte sogar den Franz noch Lbertreffen. Der batte sich in seiner Einfalt noch so redliche Muhe gegeben, die harten Nüsse der Bibel zu knacken und hatte im Schweiße seines Angesichtes die schwierigen Stellen zu erläutern versucht. Das soll nun anders werden. Keinen Tropfen tbeueren arischen Schweißes mehr für diesen babylonischen Plunder, der so lange die Germanen betbört, fort mi.' dein Nimbus der leidigen Juden, die nichts sind, als eitle Nachbeter. Also zeterte Delitzsch und rührte die Trommel, und Hermelin und Purpur beschattete seine triefende Stirne. Da ging ein Rauschen durch die kritischen Wälder, und dieses Rauschen wuchs an zu tosendem Sturm ohnegleichen. Eine furchtbare Aufregung ergriff viele Köpfe, das Ende aller Religionen' weissaate man. Strome von Tinte'wurden zu Ebren der gefährdeten Bibel veraosten. Proteste über Proteste veröffentlicht, namenlose Angst ergriff die gläubigen Eltern für das Seelenheil ihrer Kinder.— und mitten dazwischen tönte eine triumphirende Stimme: „Etsch, wer ist nun größer, der Franz oder der Fritz?" (Schluß folgt in der zweiten Beilage.) Zeitungsnachrichten und Correspondenze«. Deutschland. Berlin, 30. Nov. Wie wir hören, hat Herr Pros. Barth, der seit längerer Zeit mit Borbereitungett für eine hebräische Sprachlehre beschäftigt war, auf die. Einladung zur Theilnahme seitens des Vorstandes der „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judenthums" (vergl. unsere Fußnote an der Spitze unserer vorigen Nummer, in der das Wort „Wissenschaft" irrthümlich wegblieb) . stch nur unter der Bedingung bereit erklärt, seine Arbeit eventuell der Gesellschaft zur Herausgabe zu überlassen, wenn dieselbe in keine äußerliche Verbindung mit theologischen und biblischen Arbeiten anderer Gelehrter gebracht, sondern mit der Aramäischen Sprachlehre von Prof. Landauer aus jenen Arbeiten ausgeschieden würde. Andernfalls seien, obgleich nach dem Pläne des „Grundrisses" jeder Autor nur für sein Werk die Verantwortung tragen und dies auch jedem Band ausdrücklich vorgedruckt werden solle, Mißverständnisse nicht ausgeschlossen. Hiervon gedenkt Herr Prof. Barth, wie er mittheilt, auch weiterhin nicht abzugehen. Köln, 29. Nov. Soeben haben wir einen Edlen zur letzten Ruhestätte begleitet, einen .-v> H'mr, einen Frommen, Gerechten, einen der so Wenigen, die im Leben keinen Feind besessen. Tob. W o l s s. A., würdiger Sproß seines hochgeehrten und edlen Vaters, des in aller Welt bekannten Rabbi Wolf s. A., ist nach kurzer, schwerer Krankheit zu einem besseren Leben abberufen worden. Erzogen und ausgewachsen in niw chdh mVw rrr’-V ' ging sein ganzes Sein, sein Denken und Fühlen hierin auf. Er gehörte zu jenen, die *TD2 cep rrm die im Stillen gottesfürchtig denken und handeln, denen nur das Eine vorschwebt: Gutes zu üben. Er. der seinem Nächsten nie ein harics Wärt gesagt, der stets nur nach dem Höchsten gestrebt, nicht im lauten, öffentlichen Leben, nein, im Innersten seines Herzens, der von frühster Jugend an sich in die. Gefilde der Thora vertiefie, er, der nach der rvwi ws sich gesehnt und sie gefunden, der nie seinem Geschäfte nachging, ohne vorher Thora gelernt zu haben, ihm ward als schönster Abschluss seiner Lebenslaufbahn die' 2« w ">iw zu Theil. —•••■ Die große Theilnahme bei der Beerdigung, wie sie wohl kaum je hier gesehen ward, legte Zeugniß davon ab, wie allgemein geehrt und geächtet der Entschlafene

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