Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 81-82 (16.10.1903)
- Date
- 1903-10-16
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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1793 . selbst noch nicht hinreichend geklärt ist, um definitiv pro oder contra entschieden zu werden. Selbstredend wird kein denkender Lehrer seine Schüler mit Hausaufgaben „belasten", insofern unter Belastung hier Ueberbürdung verstanden sein will. Ob aber gerade beim jüdischen Unterricht nicht eine gewisse häusliche Thätigkeit unerläßlich sein dürfte, möchte unschwer zu erweisen sein. Gerade der Lehrer auf dem Lande, der alle Jahrgänge gleichzeitig zu unterrichten hat, wird ohne häuslichen Fleiß der Schüler nicht auskommen können. Es ist eben leichter, außer der Schule über dieselbe zu urtheilen, als in derselben zu arbeiten. Daß in Baden stch Niemand fand, der eine poetische Uebersetzung des Gebetbuches fertigte, will für vorliegnede Angelegenheit absolut nichts besagen. Es kann Jemand ein tüchtiger, gewissenhafter Lehrer, ein frommer, gläubiger Jude, ein Kenner der jüdischen Sprache und des jüdischen Schriftthums sein, muß er deßhalb auch poetische Begabung besitzen? Reimgeklingel ist auch noch lange keine Poesie. Poetische Begabung ist eine Naturanlage, die nicht erlernt werden kann. Immer und immer wieder wird, auf die Thätigkeit der Rabbiner hingewiesen und so Lehrer und Rabbiner gleichsam in eins verschmolzen. Die Redaktion des Franks. Fam.-Blattes weist in ihrer Fußnote selbst darauf hin, daß zwar Lehrer und Rabbiner beide nur in ihrer Eigenschaft als Lehrer der Religion betrachtet seien, daß aber Herr Ploni die beiderseitigen- Verhältnisse, Rechte, soziale und materielle Stellung etc. nicht genügend auseinander gehalten habe. Es erübrigt stch für mich, darüber weitere Ausführungen zu. machen, insbesondere, da meine jüngste Erwiderung schon darauf Bezug nahm. Herr Ploni sagt, ich habe ihn nicht verstanden. Wenn damit gesagt sein soll, daß er mit seinen Worten etwas anderes meinte, als ich herausfknden zu müssen glaubte, so läßt stch gegen solche Behauptung nichts einwenden; jeder weiß selbst am besten, was er meint und sagen will und ich bin weit entfernt davon, an der guten Abstcht zu zweifeln oder 2^22 nufin zu sein. Aber ist denn die Schilderung aus jenem Offenbacher Büchlein nicht eine Darstellung des „geistigen Niveaus", besonders wenn behauptet wird, die Verhältnisse seien noch heute so. seien nicht besser geworden, — es sei also mit dem jüdischen Wissen nicht weiter gekommen, als bis zu etwas Raschi, einigen Traktaten Mischna und der „Anschauung" des Talmud? Doch ich nähere mich wieder dem persönlichen Gebiete und das will ich vermeiden. Um nun wieder auf die Seminarfrage zu kommen, müßte zunächst erst festgestellt werden, was unter Seminarfrage verstanden werden will, ob die fünfbezw. sechsklassige Lehrerbildungsanstalt oder nur das zweibezw. dreijährige Seminar, das im Anschluß an die Präparandenschule die eigentliche Fachbildung gewährt. Gegen unsere süddeutschen jüdischen Präparandenschulen Burgpreppach und Höchberg dürfte wohl kaum etwas zu sagen sein; sie gewähren tüchtige, jüdische und profane Bildung und erfüllen ihre Zöglinge mit wahrhaft frommem Sinn und jüdischer Begeisterung; Das.. Seminar hat in dieser Hinsicht nur weiter zu bauen. Und wenn Mängel an den jüdischen Seminarien gerügt werden, so liegen sie ganz gewiß nicht auf dem Gebiete des speziell jüdischen Lebens,, sondern streifen mehr das Gebiet des Seminars als pädagogische Fachanstalt. Es ist ja wohl richtig, daß entsprechend dem Grundsätze, für unsere Kinder sei das Beste gerade gut genug, die bestmöglichste Ausbildung der. Lehrer anzustreben ist; in keinem Stande wird aber auch wohl dies Streben nach erweiterter und. vertiefter Bildung in höherem Grade anzutreffen sein, als gerade im aufstrebenden Lehrerstand. Wird aber eine solche Forderung bei der heutigen sozialen und materiellen Stellung des Lehrers sich realisiren lassen? Darum. nochmals, erst hier den Hebel ansetzen, hier Wandel und Besserung schaffen! Das viele Hin- und Hergerede hat keinen Werths-, wenn nicht neue Momente zu tage. gefördert werden^ Herr Ploni erhofft in dem. neuen „richtigen" Seminare^» bezw. durch die dort ausgebildeten Lehrer, das einzige Heil, ich halte eine solche Seminargründung für unnöthig und behaupte, daß auch wir Lehrer von heute Wissen, Können und guten Willen haben, das jüdische^. Leben zu heben und zu fordern, daß aber die Verhalt- - nisse sehr oft unsere Bestrebungen vereiteln und wir nicht allein für die von Herrn Ploni geschilderten Uebelstände verantwortlich gemacht werden können. Mögen sich nun die Kollegen selbst zur Sache äußern. Für mich ist die Angelegenheit insolange erledigt, als nicht neue Gesichtspunkte in's Treffen geführt werden. . Ein süddeutscher Lehrer. Cydtkuhne», 2. Okt. In Erinnerung an. den denkwürdigen Durchritt des Kaisers nach dem Brande in Wystyten vor zwei Jahren fand in der dortigen Synagoge am Neujahrstage ein feierlicher Gottesdienst statt. Herr Rabbiner Niederland gedachte in seiner Predigt der Humanität und wahrhaft königlichen Gnade Sr. Majestät. Zum Schluß wurden Psalmen abgesungen und Gebete für unfern Kaiser und den Zaren verrichtet. - — Am gestrigen Jom Kippur vollzog sich in un-. serer bis auf den letzten Platz gefüllten Synagoge ein. sehr seltener, hochreligiöser Alt, nämlich die „Lffent- .. liche Veschneidung" (Vrithmiloh) des zu Ausgang Rosch-ha-Schonoh dem hiesigen Kaufmann H. S ch L - l e r geborenen Knaben. Unser Kultusöeamter Herr Jaffee wies in kurzer Rede auf die Aufnahme des Knaben an so heiliger Stätte in den „Bund Abrahams" hin, und dann führte dieselbe in wenigen Minuten —