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Der Israelit · 1903-10-16 · Heft 81-82 (16.10.1903) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 81-82 (16.10.1903)
Date
1903-10-16
Page
– (sequence 20)
Language
German
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1794 es war ein hochheiliger Anblick — der bekannte Mohel Herr I. M. Landau aus Wirballen aus. EduardSegall. Würzburg, 9. Okt. Eine schmerzliche Kunde durchzitterte heute die Herzen Vieler: Levy Forchh e i m e x, der große Wohlihäter. der Vater der Armen, der Freund seines Volkes, der unentwegte Verfechter der alten, reinen, heiligen Religion unserer Väter, ist todt» - Trauernd stehen Schaaren von Leuten aus allen Bevölkerungsklassen. Handwerker und Studenten, an der Bahre ihres Freundes. Ueberaus groß ist die Antheilnahme an seinem Hinscheiden; die Presse rühmt übereinstimmend seine hohen Charaktereigenschaften. Zwar hat er nicht das Alter der Patriarchen unseres Volkes erreicht; 62 Jahre alt, schied er von uns. Aber das Leben mißt sich nicht an der Zahl der Jahre, sondern an dem, was diese Spanne Zeit ausgefüllt hat. Und der Inhalt seines Lebens war reich, unendlich reich sogar, wenn man die schlichte, äußere Form, in der er lebte und wirkte, in Betracht zieht. Es bleibt vielleicht einer berufeneren Feder überlassen, zu schildern, wie die herzlichste Religiosität seines Kindergemüthes sich mit der Schärfe seines Verstandes und der Festigkeit seines Wollens zu einem harmonischen Ganzen verband. Was er in einem Vierteljahrhundert als Kassirer des israelitischen Frauenvereins wirkte, wird ewig in unserem Gedächtniß bleiben: was er aus dem innersten Grunde seiner Frömmigkeit heraus zu seinem und anderer Seelen Heil that, wird Gott ihm lohnen; was er, selbst ein leuchtendes Merkmal alter Größe, für die Reinhaltung und Förderung der Idee des Judenthums schuf, wird in dem Herzen dankbarer Epigonen lebendig bleiben.; Die Biirde dieser Zeitlichkeit durfte er von sich legen, und die Reiseschuhe am Lichtthor der Ewigkeit niederstellen. Wir trauern um den Heimgegangenen, dem die Sonne des Friedens leuchtet, um ihn, von dem das Wort gelten kann: „Die viele, in der Gerechtigkeit unterweisen, werden leuchten wie die Sterne, immer und ewiglich." Schön. Würzburg, 3. Okt. Die antisemitisch-bauernbündlerische „N. Bayer. Landesztg." schrieb im Januar in einem Artikel, der jüdische Arzt Dr. Mayer in Rimvar sage beim Besuch von christlichen Kranken den christlichen Gruß und besprenge sich mit Weihwasser. Dr. Mayer stellte Beleidigungsklage, über welche nach mehrmaligen Vertagungen nunmehr das Schöffengericht zu urtheilen hatte. Von einer großen Anzahl Zeugen konnte kein einziger die Behauptungen des Bundlerorgans bestätigen. Das Urtheil lautete für den zeichnenden. Redakteur, der vorgab, den Artikel nicht selbst geschrieben zu haben, auf 300 Mk. Geldstrafe. I Aus Baden, »sb s*w cvb rvw rpc;a fc. Jeder Gottes halber gegründete Verein hat dauernden Bestand. Dieser Satz findet wieder seine Bestätigung an der seit vielen Jahren von Herrn Bezirksrabbiner Dr. Löwenstein zu Mosbach gegründeten Lernkonferenz in 2pp dnrr /en ,8-r:. n.Tpa für die Lehrer seines Bezirks Ende vorigen Monats fand die letzte, für das Jahre 5663 in Mosbach unter Vorsitz des genannten altbewährten Lehrmeister, bei vollzähliger Betheiligung, trotz schwieriger Fahrverbindung und erheblicher Auslagen, statt. Es ist dies das schönste Zeichen dafür, daß die Lehrer des badischen „Hinterlandes" — bei kärglichem Einkommen — wie kein Beamtenstand, für die höchsten Ideale Begeisterung und Sympathie hegen. Wie üblich, kamen am Schlüsse Standes- und Amtsfragen zur Besprechung. So stellte unter anderm Lehrer E. Wertheimer aus Hardheim zur Diskussion: „Welche Mittel und Wege sind zu empfehlen, um die leider noch nicht überall verbotene Unsitte, das thierquälende Gänsestopfen, zu beseitigen?" Wegen vorgerückter Zeit beschloß man, aus diese Frage bei nächster Versammlung zurückzukommen. Herr Dr. Löwenstein schloß hierauf die Konferenz mit dem Wunsche gesunden Wiedersehens zur amtlichen Konferenz am 18. Oktober c. in Wertheim am Main.. Rußland. Sewastopol. Der Gouverneur von Taurien über die Juden.) Die Rede des Gouverneurs von Taurien, Trepow, an die hiesigen Juden lautet wörtlich folgendermaßen: „Ich habe mich gefreut. Eurem Gottesdienste beizuwohnen. (Der Gouverneur hatte die Synagoge im Dorfe Kamenka besucht.) Ich trat die Regierung von Taurien keineswegs als Judenfeind an. Von Anfang an hielt ich es für nothwendig, soweit das Gesetz dies erlaubt, den Juden Gelegenheit zu bieten, zeitweilig außerhalb der vorgeschriebenen Grenze zu wohnen. Es thui mir aber leid, mich gezwungen zu sehen, einzugestehen, daß das Verhalten Eurer Glaubensgenossen meinen Erwartungen nicht entsprach. Bei allen vorgekommenen Tumulten waren die Juden nicht nur betheiligt. sondern die Anstifter. Ich kann wohl verstehen. daß die bestehenden Einschränkungen Euch und Eure Glaubensgenossen hart drücken, aber der Weg, den Ihr gewählt Habt, um sie zu beseitigen, muß zu einem ganz entgegengesetzten Resultat führen. Ich nehme an. daß Ihr in der Hoffnung lebt, gleiche Rechte zu erhalten wie die übrige Bevölkerung. Der einzige Weg, das zu erreichen, ist, die Regierung durch anständiges Benehmen davon zu überzeugen, daß Ihr größeres Vertrauen verdient." Es will schon viel sagen, daß der Gouverneur wenigstens anerkannt hat, daß die Juden in Rußland bedrückt werden. .

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