Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 81-82 (16.10.1903)
- Date
- 1903-10-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Staatspolitik und Kulturfragen im klassischen Alierthum, und dann ein Nachwort, indem der geniale'Autor uns zeigt, daß Kautsky über dasselbe Problem genau so. denke, wie er. Und diese bunte Schrift will uns in die Geheimnisse des Kosmos einführen, uns die Entstehung des Judenthums zeigen? Daß der jüdische Verlag gerade Herrn Lublinski mit der Anfertigung dieser Schrift beauftragte, darf nun weniger Wunder nehmen, sind doch jene Herren Demokraten und Unparteiische. Und Herr Lublinski ist gerade unparteiisch. Antisemit.sollte er sicher nicht sein, da er geborener Jude ist. Jude ist er ebenfalls nicht, denn er hat schon seit zwei Jahren dem Judenthum seine Freundschaft gekündigt. Also er ist Ex-Jude und deßhalb unparteiisch. Werfen wir nun einen Blick auf die ' angebliche, „wissenschaftliche These" dieser Schrift, damit wir sie zu würdigen verstehen. Was der Autor in einer Schrift von 70 Seiten sagt, läßt sich in einem kurzen Satz zusammenfaffen. Der Monotheismus sei ein Produkt wirthschaftlicher und sozialer Verhältnisse und hätte demnach gar keinen Einfluß auf das Kulturleben der Völker. Der Monotheismus sei eine solche kleinliche Idee, daß er gar nicht bestimmend auf reale Geschichtsereignisse wirken könne. Aber, wenn sich bei den Juden der Monotheismus zu einer realen geschichtlichen Macht herausgebildet hat, ist es nicht auf die nackte Idee des Monotheismus zurückzuführen, sondern da spielen hauptsächlich die ökonomischen und politischen Verhältnisse mit. ‘ Jetzt Wollen wir den weisen Beweisführungen des Autors nachgehen. Die Juden als eigentliches Nomadenvolk (seit wann?), konnten sich nicht in einem wohlcrganisirten Staate wohl fühlen. Auf palästinensischem Boden bildete sich eine Priesterkaste, die das Volk ausbeutete. Salomo war rin Tyrann. Der Tempel sollte ein Ausbeutungsinstrument und politische, aber keine religiöse Stätte gewesen sein. Salomo wäre Polytheist und Götzendiener gewesen. Unter Salomos Herrschaft hätten seine Frauen im Tempel ihren heimischen Götzen geopfert. Der Judenstaat hätte einen feudal-absolutistischen Charakter. Die Juden wären feig und lediglich die Philisternoth hätte eine Aristokratie von Kriegern und Politikern herangebildet, die nicht aus Patriotismus das Volk Gottes beschützten, sondern um ihrer eigenen Interessen willen politisirten sie. „Salomo, der Pantoffelheld . ." „Der Judengott hieße damals „Zeboat". Die Propheten wären keine großen Geister und sind nup als politische Demagogen des Proletariats anzusehen. Das Volk mußte der Priesterkaste zehnten, es lag unter.dem Joche der Despotie, es' stellte sich eine Unzufriedenheit ein, die nachher einen revolutionären Charakter angenommen hätte und die Propheten wären die Wortführer dieser. Revolution. Sie schufen sich „einen einzigen . Gptt", der liebt und rächt und die Alleingottheit wäre ihnen ein politisches Instrument. Jesaias sei demnach ein Vorläufer des Sozialismus (Marxismus)? und des Christenthums. Wo es mit dem „Beweis" nicht recht gehen will, wird geschimpft und gegeifert, wie ein Kind, wenn es keine Antwort findet, die Zunge zeigt. Man kann da nicht zwischen „Beweis" und „Behauptung" gut unterscheiden. Es lohnt nicht weiter, über die Schrift allein ein Wort zu verlieren, da der weise Autor zu den sogenannten wissenschaftlichen Antisemiten gehört, welche durch Corrigirung und Verkrüppelung wahrer, Wissenschaft-, licher Grundsätze das herauszulesen suchen, was für ihre Hirngespinste am behaglichsten ist. Herr Lublinski läßt am Judenthum kein gutes Haar, und so wenig es mir einfallen wird, mit dem Propaganbamacher für die Bagdadbahn oder mit Herrn Wellhausen über das Judenthum und seine Entstehung zu disputiren — noch viel weniger werde ich es mit Herrn Lublinski thun. Was unter allen Umständen nicht ungerügt bleiben darf, ist Folgendes: Die Entstehung des Judenthums setzt mit Salomo an. Die mm 'trein raren ignorirte der Autor vollständig. Die Feststellung dieser Thatsache genügt. Um einzusehen, mit welcher Objektivität der Autor an das Werk ging. Man verzapft und faselt von sozialen Verhältnissen, ohne die mm ven raren einer Betrachtung zu würdigen. Enthalten doch die ntrcn mm ’trem die erste und erhabenste soziale Gesetzgebung. . Wenn wir mit Herrn Lublinski wenig polemisiren. so kann man doch nicht umhin, einen energischen Protest dagegen einzulegen, daß der Zionismus durch die Veröffentlichung solcher Elaborate in den Augen der Welt herabgesetzt wird. Es muß nochmals hervorgehoben werden, daß der „Verlag" kein zionistisches, sondern nur ein rein privates Unternehmen ist, und man hüte sich davor, wenn man recht handlen will, thörichte Handlungen oder gar grobe Vergehen einiger unreifer Burschen der zionistischen Idee zu unterschieben. Jeder Zionist wird die Veröffentlichung solcher dummantisemitischen Schriften durch Juden verwerfen und verdammen. ZerLuNgSNschVichLeN uns SsrresyosrdeKzerr. Deutschland. - Berlin, 12. Okt. Den Morgenblättern zufolge wurde der Fleischergeselle Moritz. Lewy, der im Verlaufe der Konitzer Mordaffaire wegen Meineides zu mehrjähriger. Zuchthausstrafe verurtheilt worden war, gestern vom Kaiser begnadigt. ’ - Moritz Lewy ist am 16. Februar 1901 vom Konitzer Schwurgericht zu vier Jahren Zuchthaus verurtheilt worden; die dagegen eingelegte Revision hatte