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Der Israelit · 1903-10-16 · Heft 81-82 (16.10.1903) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 81-82 (16.10.1903)
Date
1903-10-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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keinen Erfolg. Lewy hatte eidlich erklärt, daß er den ermordeten Ernst Winter nicht, gekannt habe. Auf Grund einiger Zeugenaussagen, mit denen aber andere im Widerspruch standen, hatte das Schwurgericht angenommen, daß diese Angabe unwahr gewesen sei. Es gibt aber viele Leute, welche überzeugt sind, daß Lewy zu Unrecht verurtheilt worden sei. Die antisemitische Presse nutzte jenen Wahrspruch für ihre Hetzereien aus und stellte es unter bewußten Fälschungen so hin, als ob der Spruch der Geschworenen einen bestimmten Schuldverdacht gegen die Familie Lewy in Bezug aus die Ermordung des Winker enthalte, und hatte in diesem Zusammenhang immer wieder von einem „Ritualmord" gesprochen. Beides ist inzwischen bündig widerlegt worden. Die Familie Lewy steht außerhalb jedes Verdachts, und gleichzeitig ist amtlich festgestellt worden, daß von einem „Ritualmord" keine Rede sein kann. Die „Voss. Zeitung" berichtet zu der Begnadigung Moritz Lewys, Gründe für dieselbe seien nicht angegeben. In dem Begnadigungsgesuch (laut Berl. Tagebl." von den Eltern und von dem Rechtsanwalt Sonnenfeld eingereicht) war hervorgehoben worden, daß eine Reihe hervorragender Rechtslehrer, Psychologen und Mediziner den Zeugenbeweis unter den Umständen, wie sie in Könitz herrschten, als ganz unzuverlässig, und zu einer Verurtheilung ungenügend bezeichneten. Wenn die Verurteilung gleichwohl erfolgte, müsse namentlich das Strafmaß, besonders im Vergleich mit den Strafen, die in anderen Fällen verhängt worden sind, exorbitant erscheinen. Das Gesuch war von einer Reihe Juristen, Philosophen und Medizinern unterstützt. Das Begnadigungsrecht ist ein Recht der Krone — so hört man jedesmal von konservativer Seite/, so oft in den Parlamenten an dem Begnadigungsrecht Kritikgeübt wird. Daher ist es auffällig, daß der konservative „Reichsbote" zu der jetzt erfolgten Begnadigung des Schlächtergesellen Moritz Löwy aus Könitz, die jedem begreiflich ist, der sich des Prozesses und der VeUrtheilung erinnert, bemerkt, es würden hoffentlich die Gründe für diese Begnadigung öffentlich mitgetheilt werden. Kempen i. Pos., 9. Okt. Der hiesige „Israelit. Frauen-Verein" beging am 8. Oktober die Feier seines fünfzigjährigen Bestehens. welche in würdiger Weise durch einen Wohlthätigkeitsakt eingeleitet wurde. Nachmittags 6 Uhr fand in der prächtig geschmückten Synagoge Festgottesdienst und Predigt statt, woran nicht nur Vereinsmitgliederinnen, .sondern auch zahlreiche Gäste theilnahmen, welche den im vollsten Lichterglanze .erstrahlenden Tempel füllten. Nach gemeinsam ausgeführtem^Gesang des Ma tauwu durch unsere beiden Kantoren Iawitz und Kowalski bestieg Herr Rabbiner Dr. Münz die Kanzel und hielt eine ergreifende Ansprache, in der er aus die hohe Bedeutung des Vereins hinwies. Die Rede schloß mit eineni' Hoch auf Se. Majestät den Kaiser. Nach Absingen mehrerer Psalmen wurde die Feier mit dem Mincha- Gebete beendigt. . _ Eine besondere Ehre wurde dem Verein durch die Anwesenheit des König!. Landraths, Herrn Geh. Regierungsrath v. S ch e e l e, zu Theil. Den Vorstapdsdamen Frau Rosalie Auerbach und Frau Charlotte Z a d i k. welche dem Verein ununterbrochen 80 resp. 25 Jahre angehören und sich um denselben ganz hervorragend verdient gemacht haben, wurden als Anerkennung Ehrendiplome überreicht. Der Verein, welcher ca. 150 Mitglieder zählt, hat es sich von der Gründung, an zur Aufgabe gestellt, arme Wöchnerinnen, sowie sonstige Hilfsbedürftige zu unterstützen. Während des jünfzigjährigen Vesiehens hat der Verein nach dieser Richtung hin ganz Hervorragendes geleistet und so darf er auf eine segensreiche Wirkungszeit zurückblicken. » Möge der Verein weiter blühen und gedeihen und seine edlen Ziele im Auge behaltend, sein segensreiches Werk noch recht, recht lange Jahre sortsetzen. . Der Vorstand besteht aus folgenden Damen: Frau Rosalie Auerbach, Frau Charlotte Zadik, Frau Ernstine Bornstein, Frau Johanna Rosenthal, Frau Johanna Jereslaw, Frau Henriette Gallewski. Norden. Herr Lehrer B. W o l f s, ein gesetzestrener Mann, der schon manche . literarische Beiträge und Abhandlungen im „Israelit" veröffentlichte, konnte jüngst auf seine 25jährige Amtsthätigkeit als zweiter Lehrer an der Auricher jüdischen Schule zurückblicken. Vielleicht berichtet eine berufene Feder in diesem Blatte kurz über die Jubiläumsfeier. Türkei. .; Konstantinopelim Sept. (Jacques N i s s i m Pascha.) Der Divisionsgeneral und Generalarzt des 3. Armeekorps, Dr. Jacques Niffim Pascha, ist, wie die „Jsr. Wochenschr." schreibt,- vor einigen Tagen an den Folgen einer Blutvergiftung gestorben. Als leitender Arzt des Militarkrankenhauses zu Salonichi hatte er sich bei der Operation eines durch bulgarische Insurgenten verwundeten Soldaten in den Finger geschnitten und dadurch eine Blutvergiftung zugezogen. Der Generalgouverneur von - Salonichi machte sofort telegraphische Meldung an den Sultan; dieser schickte in einem Extrazug seinen Leibchiru'rgen Dr. Camburoglu nach Salonichi, aber dieser konnte seinen verehrten Kollegen nicht mehr retten. Nach der Operation befiel den Patienten eine doppelseitige Lungenentzündung und machte seinem Leben schnell ein Ende. Dr. Jacques Pascha erfreute sich im ganzen Reich des größten Ansehens. -Er war der erste Jude,' der in der türkischen Armee die Stellung eines Divisionsgenerals erreicht hat. Der Sultan hielt ihn in

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